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Das Friedberger Rathaus nach dem Bombenanschlag 1910.
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Das Friedberger Rathaus nach dem Bombenanschlag 1910.

Schwere Jungs und Pazifisten

Friedberg Wetterauer Geschichtsblätter berichten über Verbrechen und Verfolgung

Von Bruno Rieb

Wie ein Krimi mit reißerischem Titelbild kommt die jüngste Ausgabe der Wetterauer Geschichtsblätter daher. „Bombenanschlag in Friedberg 1910“ steht groß darauf, darunter eine Fotomontage, bei der eine Bombe im Rathaus zu explodieren scheint. Das spektakulärste Verbrechen, das die altehrwürdige Kreisstadt erlebte, ist ein Thema dieser Ausgabe.

Im Sommer 1910 hatten zwei schwere Jungs zunächst als Ablenkungsmanöver eine Bombe im Rathaus gezündet und dann die Reichsbanknebenstelle an der Kaiserstraße überfallen. Die Täter Otto Winges (20) und Karl Werner (19) hatten sich im Jugendknast kennengelernt.

Bankvorsteher Meyer trat den Ganoven mutig entgegen. Die schossen auf ihn. Er wurde von einer Schrotkugel an der Stirn gestreift und bekam eine Kugel in den Hinterkopf. Die Räuber flüchteten ohne Beute. Winges stahl ein Fahrrad. Er wurde von der Polizei verfolgt. Aus zwei Pistolen schoss er auf die Verfolger. Dabei verletzte er einen unbeteiligten taubstummen Jungen mit einem Bauchschuss schwer. Als die Polizei Winges stellte, erschoss der sich mit der letzten Kugel in seiner Pistole.

Während Winges die Verfolger auf sich zog, konnte sich Werner verdrücken. Er floh zunächst nach Antwerpen, dann nach Paris. Er kam nach Deutschland zurück und wurde festgenommen, weil er von einem ehemaligen Klassenkameraden erkannt worden war. Am 6. Dezember 1910 wurde ihm in Gießen der Prozess gemacht. Er wurde zu lebenslanger Zuchthausstrafe verurteilt. Lutz Schneider, Herausgeber der Geschichtsblätter und Leiter des Friedberger Stadtarchivs, hat das Verbrechen akribisch nachgezeichnet.

Das genaue Gegenteil dieser schweren Jungs war die Friedberger Familie Mönch. Gustav und Auguste Mönch betrieben eine kleine Druckerei und engagierten sich in der Deutschen Friedensgesellschaft (DFG). Als die SPD 1931 die Mitgliedschaft bei ihr für unvereinbar mit der in der DFG erklärte, verließen die Mönchs die SPD und schlossen sich der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAPD) an. Die Mönchs druckten auch Schriften gegen Revanchismus, Revisionismus, Demokratiefeindlichkeit und Fremdenhass. Das sei ein Ansatzpunkt für die Feinde der Demokratie in der Kleinstadt gewesen, „die Familie zu diffamieren, sie öffentlich herabzusetzen, zu bedrohen und tätlich anzugreifen“, berichtet Reinhold Lütgemeier-Davin, der die Geschichte der Familie in den Geschichtsblättern nachzeichnet.

Die Familie Mönch flüchtete zunächst ins Saarland, dann nach Südfrankreich. Es sei ihm darum gegangen, das Schicksal kleiner Leute im Exil zu beschreiben, nicht das berühmter Schriftsteller, sagt Lütgemeier-Davin.

Weitere Themen dieses Bandes der Wetterauer Geschichtsblätter sind die Sitzungsorte der Bad Nauheimer Stadtverordnetenversammlung und die Geschichte der Wetterauer Zeitung.

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