Friedberg

Im Schutzgebiet gemulcht

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Der Naturschutzbund Friedberg hat aufgedeckt, dass der Landesbetrieb Hessen Mobil eine Streuobstwiese mulchen ließ. Die steht jedoch unter besonderem Schutz. Auf Anfrage der FR machte sich das Regierungspräsidium Darmstadt vor Ort ein Bild.

Der Landesbetrieb Hessen Mobil ließ eine unter besonderen Schutz stehende Ausgleichsfläche am Dorheimer Wingert mulchen. Und das nicht zum ersten Mal. Der Naturschutzbund (Nabu) Friedberg habe den erheblichen Eingriff für Fauna und Flora entdeckt, so Nabu-Sprecher Axel Müller.

Was im Gartenbau und in der Landwirtschaft sinnvoll sein mag, hat für Flächen, die nach dem Bundesnaturschutzgesetz angelegt worden sind bisweilen fatale Wirkung. Das gilt ebenso für das Gelände am Wingert, das etwa so groß ist wie ein Fußballfeld. Neben anderen Flächen war es vor wenigen Jahren als Ausgleich für den Bau der B 3a bei Friedberg und der B 455 bei Dorheim als Streuobstwiese angelegt worden.

Bereits im Vorjahr sei dort gemulcht worden, sagt Müller. „Ich kam zufällig vorbei und forderte den Beschäftigten auf, die Arbeiten sofort zu stoppen.“. Von dem Mann habe er erfahren, dass er im Auftrag von Hessen Mobil Straßenbegleitgrün entferne. Laut Müller liegt das betroffene Gelände gar nicht direkt an einer Landstraße. In diesem Jahr war das Werk bereits vollendet, als der Nabu-Mann es entdeckte.

„Die Grasdecke ist nun fast durchgängig geschlossen. Der so entstandene Mangel an Luftaustausch und Licht hat Schaden bei den Bodeninsekten angerichtet wie das Mulchen selbst.“ Zudem werde mit dem Mulch die geschützte Wiese über alle Maßen gedüngt. Damit würden stark wachsende Gräser die für einen mageren Boden typischen und selten Blühpflanzen verdrängen. Die Streuobstwiese wird von Schafen beweidet, deren Kot ist weitaus weniger düngend wie Mulch, so Müller.

Das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt hat sich auf Hinweis der FR mit der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises ein Bild vom „Tatort“ gemacht. „Aus naturschutzfachlicher Sicht ist nach einer Beweidung ein Nachmulchen von Teilbereichen für einen absehbaren Zeitraum sogar durchaus sinnvoll, um etwa aufkommende Brombeeren zurückzudrängen“, so das RP. Gleichwohl steht laut Pressesprecher Christoph Süß fest, hat „die ausführenden Firma fälschlicherweise gemulcht“.

Laut Einschätzung von Fachleuten werde sich die Wiese ohne Hilfe wieder erholen. Vor einem Ordnungswidrigkeitsverfahren werde daher abgesehen. Hessen Mobil habe zugesichert, die Fläche nicht mehr zu mulchen. „Wir sind mit dieser Aussage nicht glücklich“, heißt es vom Nabu. „Die Mulchschicht zu entfernen ist das Mindeste“, fordert Müller. Der Nabu habe den Fall nunmehr an die Obere Naturschutzbehörde gemeldet.

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