Wölfersheim

Rosenbauer ruft zu Boykott auf

  • Andreas Groth
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Die Grünen lassen nicht locker mit ihrer Kritik am geplanten Rewe-Logistikpark. Einen Landwirt wissen sie auf ihrer Seite. Der findet sehr deutliche Worte.

Als Werner Ruf den Anruf der FR entgegennimmt, steht er auf seinem Feld in Wölfersheim-Berstadt. Dort bewirtschaftet der Rosenbauer aus Bad Nauheims Stadtteil Steinfurth drei Hektar Land. Er hat es seit mehr als zehn Jahren von einem Wölfersheimer Grundbesitzer gepachtet. Das ist ein Viertel der gesamten Anbaufläche des ökologischen Rosenbetriebs. „Gerade veredele ich Rosen und freue mich noch an dem guten Boden“, sagt Ruf am Telefon. Er nennt ihn „Schokoladenboden“. Ruf gehört zu den Landwirten, die ihre Flächen an der A45 verlieren sollen, weil Rewe dort ein Logistikzentrum bauen will, das die Lager in Rosbach und Hungen ersetzen soll.

30 Hektar Land, das zurzeit als „Vorranggebiet für Landwirtschaft“ im Regionalen Flächennutzungsplan steht, sollen dafür freigegeben werden. Insgesamt hat die Gemeinde Wölfersheim beim Regionalverband beantragt, 40 Hektar von landwirtschaftlicher beziehungsweise Grünfläche in Gewerbefläche umzuwandeln. Die Flächen im künftigen „Logistikpark Wölfersheim A45“ sind an neun Landwirte verpachtet. Morgen steht das Thema in der Regionalversammlung Südhessen auf der Tagesordnung.

Kirchen schließen sich dem Protest an

Rufs Existenz ist durch den Verlust der Flächen nicht bedroht. Die Rewe-Pläne lehnt er dennoch ab. Es werde schwer, den Flächenverlust im Umlegungsverfahren, einem gesetzlich geregelten Grundstückstauschverfahren, zu kompensieren. „Zudem brauche ich auf Ökolandbau umgestellte Flächen, und die gibt es nicht, man kann sie ja nicht einfach einem anderen Betrieb wegnehmen“, sagt Ruf.

Dass sich neben den Grünen und den Naturschutzverbänden auch die Kirchen dem Protest gegen den Logistikpark angeschlossen haben, findet Ruf gut. Es sei eine „Sünde“, solche Böden zu vernichten. Industriebrachflächen für derlei Vorhaben existierten in der Wetterau genügend. Wölfersheims Bürgermeister Rouven Kötter argumentiert, durch den Logistikpark gehe nur ein Prozent der Ackerflächen in der Gemeinde verloren. Außerdem blieben so 550 Arbeitsplätze in der Region.

Gleichwohl fordert der Rosenbauer Konsequenzen für den Handelskonzern, der doch mit regionalen Produkten werbe: „Wenn Rewe baut, sollte man die Supermärkte eigentlich boykottieren.“

So deutlich hatten sich selbst die Grünen bislang nicht geäußert. Doch sie halten das Thema am Kochen. Eigentlich sollte den Mitgliedern der Regionalversammlung nur mitgeteilt werden, dass das Änderungsverfahren für den Flächennutzungsplan mit den üblichen Prozeduren begonnen hat. Auf Initiative der Grünen darf morgen nun aber auch darüber gestritten werden.

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