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Kafferöster Jäger (links) und Wirtschaftspate Bauditz.
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Kafferöster Jäger (links) und Wirtschaftspate Bauditz.

Wetterau

Rösten mit gutem Rat

  • Andreas Groth
    VonAndreas Groth
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Wirtschaftspate Peter Bauditz hat die Gründung einer Kaffeerösterei begleitet.

Im Lagerraum stehen prall gefüllte Jutesäcke. Zwischen 60 und 70 Kilogramm ist einer schwer. Ihr Inhalt ist Jens Jägers große Leidenschaft: Kaffee. Zwei Tonnen Bohnen im Monat röstet Jäger mit seinem rund 30 000 Euro teuren Ofen hier im Rosbacher Industriegebiet. Zugleich hat der 46-Jährige hier ein Ladenlokal, in dem es oft nach frisch geröstetem Kaffee riecht und er nach eigenem Rezept gemischte Kaffees verkauft. An den Wänden im Probiercafé finden sich goldfarbene Schubfächer. Die Sorten haben Namen wie Honduras Biolatine, Brasil Santos oder Peru Organico.

2012 eröffnete Jäger die Rösterei KJR (Kaffeerösterei Jäger Rosbach), nachdem er jahrelang als Gastronom im pfälzischen Landau gearbeitet hatte. Ein wichtiger Partner bei der Unternehmensgründung war Peter Bauditz aus Bad Vilbel. Der frühere Vertriebsleiter bei Siemens engagiert sich seit 2006 für die Wirtschaftspaten. So nennt sich der in Bruchköbel ansässige Verein ehemaliger Unternehmer und Führungskräfte, die im Ruhestand ihr Wissen und ihre Erfahrung an Existenzgründer wie Jens Jäger weitergeben.

Rund 40 ehrenamtliche Wirtschaftspaten gibt es derzeit. Der 78 Jahre alte Bauditz betreut die Wetterau, insbesondere Bad Vilbel, Gießen und „ein bisschen Frankfurt“, wie er sagt. Aktiv ist der Verein vor allem in Hessen. aber auch Rheinland-Pfalz zählt zum Einzugsgebiet.

Rat bei Existenzgründungen

Es sind nicht nur Existenzgründer, die sich von den Wirtschaftspaten beraten lassen. Auch kleine und mittlere Unternehmer, die ihre Firma weiterentwickeln oder ihre Nachfolge organisieren wollen, nehmen das Angebot in Anspruch. Hinzu kommen solche, bei denen das Geschäft nicht rund läuft. Der größte Teil, berichtet Bauditz, entfalle mit mehr als 50 Prozent aber auf die Existenzgründungen. Danach kämen mit rund 30 Prozent die Sanierungsfälle. Um die 50 Beratungsgespräche hat Bauditz in den vergangenen neun Jahren geführt. Für das erste Gespräch zahlen die „Mandanten“ 40 Euro, egal wie lange es dauert. Danach werden 25 Euro pro Stunde berechnet. 8,75 Euro gehen an Bauditz.

Mit der Arbeit von Jens Jäger ist der gelernte Wirtschaftsingenieur sehr zufrieden. Das Geschäft mit dem Kaffee läuft gut. „Die Kunden fühlen sich gut beraten bei ihm“, meint Bauditz. Viele Kunden kämen auf Empfehlung in die Rösterei. Jäger hatte Bauditz von seinem Schwager empfohlen bekommen. Da seine Partnerin aus Bad Vilbel kommt, entschied er sich das Geschäft in der Wetterau zu eröffnen.

Bauditz half ihm bei der Erstellung des Business-Plans. Es ist einer von 40, die er seit 2006 mit anfertigt hat. Der brachte dem Pfälzer den Gründungszuschuss der Arbeitsagentur in Höhe von rund 300 Euro im Monat ein. Positiv bei Jäger sei gewesen, dass er bereits Erfahrung im Kaffeerösten gehabt habe. Mehrere Jahre half er in einer Rösterei von Bekannten in Landau. Für rund 100 000 Euro kaufte Jäger die Erstausstattung für das Geschäft. Geld, dass er durch den Verkauf einer Eigentumswohnung hatte. Tisch, Theke und Regale zimmerte er selbst.

Neue Kollegen gesucht

Einfach war der Neustart in Rosbach jedoch nicht. „Nichts läuft gleich rund, man braucht Zeit, um die Leute zu überzeugen“, sagt Jäger. Das kann der Wirtschaftspate bestätigen. „50 Prozent der Neugründungen gehen in den ersten beiden Jahren kaputt“, berichtet Bauditz. „Die meisten kümmern sich zu wenig um die Bedürfnisse ihrer Kunden.“

Bei denjenigen, die von den Wirtschaftspaten betreut würden, gingen hingegen nur wenige insolvent, sagt der einstige Siemens-Mann. Dennoch findet Bauditz auch bei Firmen wie KJR stets Dinge, die sich verbessern lassen. „Vor allem im Vertrieb und in der Kommunikation“, sagt er, „wäre noch eine ganze Menge rauszuholen“. Diejenigen, die sich wegen Problemen bei den Wirtschaftspaten meldeten, hätten vor allem Defizite bei der Kundengewinnung, der Kostenrechnung und beim Controlling. Fast immer fehle es an einer klaren strategischen Planung, Kundenorientierung und entsprechenden IT-Software.

Über einen Mangel an Beratungsbedarf kann sich der Verein nicht beklagen. „Die Aufträge sind reichlich“, sagt Bauditz. „Wir könnten noch Kollegen gebrauchen.“

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