Wölfersheim

Rewe kann Großlager bauen

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Bebauungsplan für das umstrittene Rewe-Logistikzentrum tritt in Kraft. Für Landwirte heißt es Abschiednehmen von einer der weltweit ertragreichsten Böden.

Der Weg für das umstrittene Rewe-Logistikzentrum am Ortsteil Berstadt ist frei – zumindest von behördlicher Seite. Das Regierungspräsidium Darmstadt hat die Änderung zum Flächennutzungsplan genehmigt, heißt es auf Anfrage der FR. Laut Bürgermeister Eike See (SPD) wird der Bebauungsplan in der kommenden Woche mit der Veröffentlichung in Kraft treten. Für Landwirte heißt es Abschiednehmen von einer der weltweit ertragreichsten Böden. Bio-Rosenbauer Werner Ruf lädt hierzu am Sonntag mit der Initiative Bürger für Boden zu einem Fest ein. Bei der Gelegenheit sollen rund 56 000 Unterschriften aus zwei Online-Petitionen, die nun enden, an Lionel Souque, Vorstandschef der Rewe Group, übergeben werden.

Laut BI-Sprecherin Christa Degkwitz hat Souque dies bereits abgelehnt. „Dann werden wir die Unterschriften symbolisch überreichen; vielleicht ersatzweise an einen leeren Stuhl“, sagt Degkwitz. Es werde kein letzter Akt einer Resignation sein, macht sie deutlich. Der Protest auf dem 30 Hektar großen Baugelände werde weitergehen.

Überdies werde die BI die juristische Auseinandersetzung unterstützen. Hierzu bestehe etwa ein Rechtsfonds. Wie Degkwitz mitteilt, werden ein Anwohner und zwei Landwirte klagen, sobald der Bebauungsplan Gültigkeit erlangt. Weiterhin anhängig ist die vom BUND Wetterau eingereichte Berufungsklage beim Verwaltungsgerichtshof Kassel wegen Änderung des Flächennutzungsplans. Auch Nachbar Echzell will den Klageweg beschreiten etwa wegen Einschränkung der Ortsentwicklung und Belastung beim Verkehr. Rewe konnte bislang keine Zusicherung geben, dass Zulieferer nicht durch den Ort fahren. Der Handelskonzern gibt für das 110 000 Quadratmeter große Lager 1500 Lkw- und 2000 Pkw-Bewegungen pro Tag an, die über die A 45 und B 455 erfolgen sollen. Rund 550 Läden werden täglich aus dem Lager versorgt. Rewe hat derzeit die Logistik auf die nahen Orte Rosbach und Hungen verteilt. Unbekannt ist hingegen immer noch die Architektur. Eine im Juni im Bauausschuss vorgestellte Visualisierung wurde von Rewe sofort wieder als nichtöffentlich eingestuft.

Dem Steinfurter Rosenbauer Ruf wurden bereits die drei Hektar Acker mit Kündigung des Pachtvertrags genommen. Dort seien im Wechsel Rosen und Ackerfrüchte angebaut worden, zuletzt Weizen, so Ruf. Ersatzfläche mit jedoch nicht so guter Erde habe er von einer Kirchengemeinde und durch eine landwirtschaftliche Aufgabe in Münzenberg erhalten. „Von der Gemeinde Wölfersheim habe ich nur ein allgemein gehaltenes Schreiben bekommen“, sagt er. Eine Anfrage wegen einer möglichen Fläche sei von der Gemeinde bis heute unbeantwortet geblieben. Ruf gehört zu den Leuten, die früh und deutlich ihre Meinung äußerten.

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