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Löchrig: Der Elvis-Presley-Platz Anfang 2018.

Friedberg

Rätsel um Loch in der Friedberger City gelöst

Anfang des Jahres klaffte in der Friedberger Innenstadt auf dem Elvis-Presley-Platz urplötzlich ein Loch. Ursache des Einbruchs war ein Hohlraum, der sich neben einem Gewölbekeller befand.

Ein Loch war in den vergangenen Wochen Stadtgespräch in der Wetterauer Kreisstadt Friedberg. Völlig unvermittelt hatte es sich zwei Tage nach Weihnachten auf dem Elvis-Presley-Platz aufgetan, als ein Lieferwagen gegen drei Uhr in der Nacht die Stelle überfuhr. Etwa drei mal zwei Meter war das Loch groß, ungefähr zwei Meter ging es augenscheinlich in die Tiefe. Der Fahrer konnte das Auto aus der Gefahrenzone steuern. Beide blieben unversehrt. Die Einbruchstelle wurde weiträumig abgesperrt. Eine Woche zuvor stand dort noch der Weihnachtsmarkt. „Wir haben ein Wahnsinnsglück gehabt“, sagte Friedbergs Bauamtsleiterin Christiane Pfeffer Anfang Januar.

Was führte dazu, dass der Platz im Herzen Friedbergs an dieser Stelle einbrach? Die Stadt hatte ihn 2014 für rund 1,5 Millionen Euro neu anlegen lassen. Es war die erste Etappe des Kaiserstraßen-Umbaus gewesen. Seit Frühjahr 2015 findet dort mittwochs und samstags der Wochenmarkt statt, es gibt Konzerte und einen Feierabend-Treff.

Die Archäologen, die vor dessen Neugestaltung 2013 dort gruben, seien nicht schuld an dem Loch, stellte Pfeffer klar. Die Ursache für das Loch liege tiefer. Mitarbeiter der Stadt haben in alten Bauunterlagen geforscht. Sie nahmen alte Gewölbe, die sich unter oder neben den Häusern an der Kaiserstraße befinden, in den Blick. Von ihnen gibt es dort einige. Die Recherchen erbrachten zunächst jedoch keine Erkenntnisse.

Metzgerei verliert Gewölbekeller

Am Dienstag hat die Bauamtsleiterin nun ein Ergebnis vorgestellt, nachdem eine Spezialfirma das Loch mit einem Wasser-Sand-Gemisch wieder aufgefüllt hatte. Die Ursache des Einbruchs sei ein Hohlraum, der sich neben einem Gewölbekeller befunden habe, in sechs Metern Tiefe. Am 28. Dezember hielt die Erde darüber nicht mehr stand und stürzte ein. Der Bereich sei nach Jahrhunderten instabil geworden, erläutert Pfeffer. „Das Loch ist nun mit Flüssigboden verfüllt bis circa 1,2 Meter unter Platzniveau.“ Der ähnele von seiner Konsistenz her Wasser und fließe so in jede Spalte. Als Nächstes werde eine Schotterschicht aufgetragen, dann könnten wieder Pflastersteine gesetzt werden.

Für die Traditionsmetzgerei Engel hatte das Loch vor dem Geschäft eine unschöne Folge: Als der Bagger die Erde aus dem Loch entfernte, kratzte er den Gewölbekeller der Metzgerei an und fabrizierte so ein kleines Loch in dem Gewölbe, wie Geschäftsführerin Sandra Engel sagt. Die Stadt wollte auf Nummer sicher gehen und ließ den Keller gleich mitverfüllen und zumauern. Das darf die Kommune, weil er ihr Eigentum ist und von der Metzgerei „nur“ genutzt wird. Doch auch ohne das Missgeschick des Baggers hätte man wohl so entschieden, sagt Pfeffer.
Der Urgroßvater ihres Mannes Peter Engel habe in dem alten Keller Apfelwein gekeltert. Sie selbst hätten dort bis zuletzt Wurst aufgehängt, um sie zu trocknen, und den Raum als privaten Weinkeller genutzt. „Das hat nicht jeder, da war man auch ein bisschen stolz drauf“, sagt Sandra Engel. Aus sachlichen Erwägungen heraus könne sie die Entscheidung der Stadt schon nachvollziehen. „Für uns ist es halt blöd“, so die 47-Jährige, „ein historischer Verlust.“ Das Jahr habe nicht gut angefangen.

Bauamtsleiterin Pfeffer ist indes eine Sorge los: „Die Gefahr ist gebannt, das Problem gelöst.“

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