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Die Glauburg-Pfähle
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Die Glauburg-Pfähle

Glauburg

Rätsel um die Kelten-Pfähle

Doch kein Kalender der Kelten? Experten interpretieren die Funktion der Pfähle rund um das Fürstengrab auf dem Glauberg neu.

Von Bruno Rieb

Er spreche jetzt nur noch von Pfostenanlage, nicht mehr von einem Kalenderbauwerk, sagt Bruno Deiss. Der Wissenschaftliche Direktor des Physikalischen Vereins Frankfurt und Leiter der Sternwarte Frankfurt zieht damit die Konsequenz aus den jüngsten archäologischen Erkenntnissen über die Pfähle am keltischen Fürstengrab auf dem Glauberg.

Die Pfähle sind laut Ines Balser, Leiterin des Forschungszentrums am Glauberg, in vier Bauphasen errichtet worden. Der gleichmäßige Grundriss eines Ensembles aus sechs Pfosten spreche dafür, dass sie einen Speicher trugen. Andere, die im Prozessionsgraben platziert sind, könnten eine Brücke getragen haben.

Beim Grabhügel und der Prozessionsstraße könnten astronomische Ausrichtungen eine Rolle gespielt haben, nicht aber bei den Pfählen, meint Harald Meller, Landesarchäologe in Sachsen-Anhalt. Die Pfähle seien nicht so hoch gewesen, wie sie heute dort stehen. Die Pfosten sind gut acht Meter hoch. So würden sie den Grabhügel „verunklaren“, der eigentlich im Vordergrund stehen müsste. Bei den Pfosten des Getreidespeichers geht Meller von einer Höhe von drei Metern aus.

Katharina von Kurzynski, Leiterin der „Keltenwelt“ am Glauberg, spricht sich nun dafür aus, die Holzpfosten durch deutlich kürzere Pfosten aus Cortenstahl zu ersetzen. Das soll zeigen, dass es sich um eine Rekonstruktion handelt. Es stehe noch nicht fest, ob das bis zur Eröffnung des Keltenmuseums am 5. Mai geschieht, sagt Kurzynski.

Genau so stelle er sich die wissenschaftliche Arbeit in der „Keltenwelt“ vor, schwärmt der hessische Landesarchäologe Egon Schallmayer. Dazu gehöre, dass die Wege der wissenschaftlichen Erkenntnis deutlich gemacht und frühere Forschungsergebnisse hinterfragt werden. Eine hochkarätig besetzte Expertenrunde hat sich am Montag mit der Bedeutung der Pfähle am Glauberg befasst.

In den 90er Jahren waren die Archäologen auf 16 Pfahllöcher gestoßen. Von den Pfählen, die die Kelten vor 2500 Jahren in den Boden gerammt hatten, waren nur noch die Löcher und Verfärbungen darin übrig geblieben. Daraus müssen die Archäologen nun auf die Höhe und Funktion der Pfosten schließen.

Deiss hatte 1997 die etwa acht Meter hohen Pfähle dort platziert, wo die Löcher gefunden worden waren. Vor rund 2000 Gästen waren sie damals von der Landesarchäologie als ein rekonstruierter keltischer Kalender gefeiert worden, wie er einmalig sei in Europa. Von einem bestimmten Standpunkt aus markieren die Pfähle die Sommer- und die Wintersonnenwende. Deiss hält seine Kalender-Theorie durch die neuesten Erkenntnisse nicht für widerlegt, sie sei nach wie vor eine Interpretationsmöglichkeit. Die Pfähle hätten sowieso nie alle zu dieser Interpretation gepasst.

Wahrscheinlicher als ein Pfahl-Kalender erscheint den Archäologen die Ausrichtung der Prozessionsstraße zum Fürstengrab bei Mondwende – einem recht unspektakulären, kaum merklichen Ereignis, das sich nur alle 16,5 Jahre vollzieht.

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