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Karel Felbaba (links) und Martin Vikartovsky.
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Karel Felbaba (links) und Martin Vikartovsky.

Die Räder sorgfältig festziehen

Karben Zehn Lehrlinge aus Tschechien blicken ins deutsche Ausbildungssystem

Von Bruno Rieb

Auf den Straßen im tschechischen Kreis Bruntal könnte es sicherer werden. Die Räder der Autos werden sorgfältiger montiert. Jedenfalls wenn Martin Vikartovsky am Werk ist. Der hat mit seinem Mitschüler Karel Felbaba ein Praktikum in der Karbener Autowerkstatt Schmidt gemacht. Ihn habe besonders beeindruckt, wie sorgfältig hier die Räder angezogen werden, sagt Vikartovsky. Imponiert hat ihm auch die Ordnung in der Werkstatt. Karel Felbaba ist fasziniert von der Kraftfahrzeugdiagnostik per Computer.

Die beiden besuchen die Berufsschule Stredni Skola Automobili, Mechanize a Podnikani (SSAMP) in Karbens Partnerstadt Krnov im tschechischen Kreis Bruntal, mit dem wiederum der Wetteraukreis verschwistert ist. Seit elf Jahren kommen alljährlich Schüler der Krnover Berufsschule nach Karben, um hier in Betrieben dreiwöchige Praktika zu absolvieren. Diesmal waren es zehn junge Leute.

Es ist kein Problem, Firmen für die Praktikanten zu finden, sagt Fritz Amann, der den Lehrlingsaufenthalt für den Karbener Gewerbeverein organisiert. „Das Menschliche ist toll“, beschreibt Michael Fuchs, der in Karben einen Rewe-Markt betreibt, sein Motiv. Er hat zum siebten Mal Lehrlinge aus Tschechien aufgenommen. Die Praktikanten würden im Betrieb nicht auffallen, würden sich „ganz normal in den Markt integrieren“. Wenn ein Kunde nachfrage, müsse aber jemand von der Stammbelegschaft da sein, um zu antworten. Die Praktikanten haben allenfalls geringe Deutschkenntnisse.

Sebastian Mager, der einen Bio-Bauernhof betreibt, hatte zum ersten Mal Praktikanten aus Tschechien. „Total positiv“ sei das gewesen, sagt er. Einen Bio-Betrieb hätten die beiden jungen Frauen bis dahin nicht gekannt. Das Gemüse, das sie bei ihm verpackten, verkauften ihre Kolleginnen im Rewe-Markt.

Für die tschechischen Berufsschüler ist so ein Betriebspraktikum etwas ganz besonderes, sagt Daniela Kalova, die die Praktika für die SSAMP organisiert. In Tschechien werden Berufe ausschließlich in der Schule ausgebildet, die hierzulande übliche duale Ausbildung in Schule und Betrieb kennt man dort nicht. Die Nachfrage nach den Praktika ist deutlich größer als das Angebot, berichtet sie. Ausgewählt würden die Lehrlinge nicht nur nach fachlichen Gesichtspunkten, auch die Motivation spiele eine große Rolle. Wer sich einen schönen Urlaub vorstelle, habe keine Chance.

Die Praktika werden durch das Leonardo da Vinci-Programm der Europäischen Union gefördert. Durch das Programm soll Mobilität in der beruflichen Bildung erreicht werden. Die Praktikanten erhalten einen Mobilitätspass und eine Art Zeugnis von ihren Praktikabetrieben. Beides hilft ihnen, nach der Ausbildung einen Job zu bekommen, sagt Kalova. Zwei einstige Praktikanten hätten Stellen im Ausland gefunden.

Die Bereitschaft der Praktikanten anzupacken, wurde in allen Partnerbetrieben gelobt, sagt Amann. Die Verständigung habe mit „Händen und Füßen“ geklappt.

Am Samstag endet der dreiwöchige Aufenthalt der zehn Lehrlinge aus Tschechien in Karben.

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