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Bordell-Streit

Politikum unterm Hammer

Die Gebote für die umstrittene Immobilie in Dortelweil bleiben unter den Erwartungen - ein Investor wollte dort ein Bordell einrichten. Von Ben Reichardt

Von Ben Reichardt

Für Karl-Heinz L. und seinen Sohn André ist es kein leichter Gang an diesem Morgen. Pünktlich um 9 Uhr sind beide im Saal 202 des Frankfurter Amtsgerichts erschienen. Der 68 Jahre alte L. nimmt ganz ganz links in der ersten Zuschauerreihe Platz, sein Sohn setzt sich in die zweite Reihe, schräg hinter den Vater. Beide wollen an diesem Morgen sehen, welchen Preis jener Gebäudekomplex an der Dortelweiler Theodor-Heuss-Straße noch erzielen kann, den die Familie vor rund 16 Jahren erworben hat. Damals, so erinnert sich L., habe er umgerechnet 3,5 Millionen Euro bezahlt. "Heute wäre ich froh, wenn es 1,8 Millionen gibt", sagt der ältere Herr in der fellgefütterten Lederjacke kurz bevor er den Sitzungssaal betritt.

L.s Besitz ist vor knapp vier Monaten zum Politikum geworden. Damals wurde bekannt, dass der in Frankfurt lebende Unternehmer beim Wetteraukreis eine Bauvoranfrage gestellt hatte, die positiv beschieden worden war. L. hatte damals wissen wollen, ob dort ein Bordell untergebracht werden könne. Ein Kaufinteressent habe sich damals bei ihm gemeldet, und so habe er für diesen die Voranfrage gestellt, hatte der 68-Jährige damals gegenüber der Frankfurter Rundschau gesagt.

Seit acht Jahren angeboten

Nach dem Bescheid des Kreises schlugen die Wellen in Vilbel so hoch wie selten sonst. Die Stadt legte Widerspruch beim Kreis ein, und als das nicht half, zog sie gegen den selbigen vor das Verwaltungsgericht Gießen, wo sie verlor. Lokalpolitiker malten ein drohendes Sodom und Gomorrha an die Wand, während L. sich unbedarft gab. Dem möglichen Käufer schwebe schließlich ein "Luxus-Bordell vor, keines wie in der Frankfurter Elbestraße". Gehört hat L. von dem Bordellbetreiber in spe danach nie wieder etwas.

Dass es offenbar ein lukratives Angebot war, liegt nahe, sonst hätte der 68-Jährige wohl kaum die Bauvoranfrage gestellt. Seit acht Jahren, sagt L., biete er die Immobilie schon zum Verkauf an. Nun kommt das mehr als 5000 Quadratmeter große Grundstück unter den Hammer. "Versteigerung im Wege der Zwangsvollstreckung", wie es im Amtsdeutsch heißt.

Zwar stehen L. sowie sein Sohn und seine Tochter noch im Grundbuch, die Verhandlungen hat aber die Deutsche Genossenschafts-Hypothekenbank AG übernommen. Sie ist L.s Gläubigerin.

Insgesamt 30 Minuten setzt das Gericht an "Mindestbietungszeit" an. Schon nach wenigen Minuten gibt der Vertreter einer Wohnungsbaugesellschaft ein Gebot von 1,25 Millionen Euro ab. Kurz darauf tritt ein anderer Mann ans Pult der Rechtspflegerin. Gemeinsam mit zwei Freunden bietet er 1,3 Millionen Euro.

Die beiden Vertreter der Deutschen Genossenschafts-Hypothekenbank sehen nicht glücklich aus angesichts der Summe. Der Mann von der Wohnungsbaugesellschaft erhöht auf 1,35 Millionen, die drei Freunde gehen auf 1,36 Millionen Euro. Als die Rechtspflegerin die letzten drei Minuten ankündigt, sagt der Mann von der Gläubiger-Bank: "Unter 1,4 Millionen geht heute nichts."

Die drei Männer legen nach. "1,37 Millionen ist unser höchstes Gebot." Obwohl danach niemand mehr bietet, versagt die Rechtspflegerin ihnen den Zuschlag. "Die Versteigerung hatte nicht das erhoffte Ergebnis gebracht. Die Ansprüche der Gläubiger werden nicht gedeckt", teilt die Rechtspflegerin mit.

Knut Wichert, der gemeinsam mit seinen zwei Freunden das höchste Gebot abgegeben hatte, macht trotzdem keinen geknickten Eindruck. "Der Preis wäre in Ordnung", sagt der Diplom-Kaufmann. Ein Bordell würde es mit ihnen an der Theodor-Heuss-Straße jedenfalls nicht geben. "Wir wollen dort ein Steuerbüro und einen Handwerksbetrieb unterbringen." Angedacht sei auch, einen Teil der Fläche zu vermieten.

Nun sollen Verhandlungen mit der Gläubigerin folgen. Ansonsten gibt es im Sommer den nächsten Termin zur Versteigerung.

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