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Phantastische Illustration von Harry Messerschmidt.

Heuson-Museum Büdingen

Federstriche für das Weltall und die Wetterau

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Das Heuson-Museum in Büdingen würdigt das Lebenswerk des Wetterauer Zeichners und Perry-Rhodan-Illustrators Harry Messerschmidt mit einer mehrwöchigen Sonderausstellung.

Schon als Kind begeisterte sich Harry Messerschmidt für Comics. Er las Hefte mit den Abenteuern des Ritters Sigurd, der Dschungelhelden Akim oder Tarzan und des Weltraumfahrers Nick. Das erste Heft sei ein Sigurd im Piccolo-Format gewesen, erinnerte sich Messerschmidt vor vielen Jahren einmal. „Der Kampf mit der Riesenspinne prägte sich ein.“ Der Junge mit dem zeichnerischen Talent übte sich an Sigurds Haartolle. Mit Buntstiften malte er Seite um Seite und klebte sie zu einem Comic zusammen. Es entstanden eigene Western und Weltraumabenteuer. Titelbilder von Science-Fiction-Romanen zeichnete er in Schulheften ab. 

Der im Februar 2017 verstorbene Zeichner brachte es bis zum Illustrator für Perry Rhodan, der großen deutschen Science-Fiction-Serie. Von Samstag an widmet das Heuson-Museum in Büdingen Messerschmidts Lebenswerk eine Sonderausstellung. Der Geschichtsverein als Träger des Museums zeigt mehrere Dutzend Comics, Zeichnungen, Gemälde und Dioramen. Das ist neu. „Zur Lebenszeit gab es keine Ausstellung seines Werks“, sagt der Vereinsvorsitzende Joachim Cott. 

Darauf hätte Messerschmidt selbst, der in dem Dorf Wolf, heute ein Stadtteil Büdingens, aufgewachsen ist, wohl auch keinen großen Wert gelegt. Er sei ein zurückhaltender Mensch gewesen, sagt Cott. Ein „stiller Zuarbeiter“, der sich nicht in den Vordergrund gedrängt habe, schreibt ein Perry-Rhodan-Redakteur. 

Zum Hauptberuf hat Messerschmidt seine Passion nie gemacht. Seinen Lebensunterhalt verdiente er ganz bodenständig ohne Science-Fiction, als kaufmännischer Angestellter bei der ärztlichen Verrechnungsstelle in Büdingen. 

„Die meisten wussten gar nicht, was er alles gemacht hat“, sagt Hannelore Messerschmidt. Die Witwe des Künstlers freut sich sehr, dass das Schaffen ihres verstorbenen Mannes in einer Ausstellung aufgearbeitet wird. Mehr als 120 Comics zu den verschiedensten Themen – Vorzeit, Science-Fiction, Western und Geschichte – habe er erdacht und gezeichnet. Hinterlassen habe er   jedoch weit mehr: Über 10 000 Comics von verschiedenen Künstlern habe seine Sammlung umfasst, berichtet die 68-Jährige. 

Einen Großteil des Nachlasses hat sie im vorigen Jahr an einen Comic-Händler aus Stuttgart verkauft. Es war zu viel, um alles aufzubewahren. Hannelore Messerschmidt zog nach dem Tod ihres Mannes aus dem gemeinsamen Haus in eine kleinere Wohnung.

Bei Perry Rhodan schätzte man Messerschmidts „klassischen Stil“, der bewusst an die Frühzeit der 1961 begonnenen Serie erinnert habe. Seit den 1990er Jahren arbeitete er dort regelmäßig in der Redaktion mit. 30 Originalgemälde und -zeichnungen sollen Cott zufolge nun gezeigt werden. In drei Vitrinen will der Geschichtsverein außerdem Messerschmidts Dioramen präsentieren, Schaukästen mit Modelllandschaften und Figuren. Es sind Szenen, wie sie auch Messerschmidts Comics prägen: Dinosaurier bewegen sich in urzeitlicher Natur, Indianer durchstreifen monumentale Felslandschaften, ein Ufo landet in extraterrestrischer Umgebung.Über den Werdegang des Zeichners informieren zudem 13 großformatige Tafeln.

Ein Artikel über Messerschmidt wäre jedoch unvollständig, würde er nicht auf dessen zweite große Leidenschaft verweisen: Der Wetterauer Künstler war der Natur sehr verbunden. „Das war sein ein und alles, draußen in der Natur zu sein“, sagt Hannelore Messerschmidt. Kaum etwas habe ihm mehr Freude bereitet, als mit den Kindern des Büdinger Waldkindergartens zu basteln, ihnen die Tiere und Pflanzen im Wald zu erklären und zu schnitzen. 

Messerschmidt engagierte sich im Naturschutzbund. Für dessen Jugendzeitschrift zeichnete er Comics. Das „Bibermobil“, ein Fahrzeug der Nabu-Umweltwerkstatt Wetterau, ziert eine Zeichnung des Nagers aus Messerschmidts Feder. 

Von einem Naturschützer kam schließlich auch der Anstoß für die Sonderausstellung im Heuson-Museum. Alfred Leiß, der Vorsitzende des Nabu in Kefenrod-Bindsachsen und Freund Messerschmidts, habe im Sommer 2017 die Idee gehabt. „Harry Messerschmidt war in meinen Augen einer der besten Comiczeichner Hessens, vielleicht sogar der Bundesrepublik“, sagte Leiß vor einem Jahr in einem Interview. 

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