1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Wetterau

Der Pate

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Claudia Isabel Rittel

Kommentare

Hansgeorg Jehner
Hansgeorg Jehner © Renate Hoyer

Hansgeorg Jehner - der Name ist in Bad Vilbel mit vielen Großprojekten verbunden. Er engagiert sich in vielen Projekten – meist hinter den Kulissen.

Schauplatz Neue Mitte: Ein interessierter Vilbeler schaut sich an, wie die Brücke wächst und sagt zu seiner Begleitung: „Da will sich wohl einer einen Namen machen.“ Hansgeorg Jehner, der über die Humanistische Stiftung den Bau der Neuen Mitte vollständig finanziert und die Büchereibrücke teilweise, steht daneben und sagt: „Das glaube ich nicht.“ Welche Rolle er selbst hat, klärt er im Gespräch mit dem Passanten nicht auf. Als er die Anekdote im Café des Golfclubs erzählt, dessen Miteigentümer er ist, lächelt er wissend.

Die Begebenheit an der Baustelle charakterisiert das Wirken des 70-jährigen Ur-Vilbelers wohl in doppelter Weise. Er gehört nicht zu denjenigen, die ihr Handeln an die große Glocke hängen. Er ist aber auch keiner, der es abtut. Vielmehr ist er jemand, der gerne Dinge mitbeeinflusst.

„Hier sind Arten aufgetaucht, die seit den 70er Jahren nicht mehr da waren“, sagt er über Tiere, die auf den Naturschutzflächen des Golfplatzes aufgetaucht sind. Vögel wie die kleine Rohrdommel etwa oder die Kornweihe. In den Teichen im Golfclub und in der Nidda hat er die mitteleuropäische Sumpfschildkröte neu angesiedelt.

„Die Schlaglöcher hier werden ja immer größer“, sagt er, während er seinen blauen Audi auf dem Weg zwischen Golfclub und Gronauer Hof um die Wasserlöcher lenkt. „Ich lasse das aber extra nur so weit wie nötig machen.“ Denn je besser der Weg sei, desto mehr würde er genutzt.

Aufgewachsen auf einem Dortelweiler Bauernhof

Jehner ist mit seinen beiden älteren Brüdern auf einem Dortelweiler Bauernhof aufgewachsen. Seine Frau, die auch aus Bad Vilbel stammt, hat er während der Studienzeit in Tübingen kennengelernt. „Man kannte sich schon so vom Sehen“, erinnert er sich. Nähergekommen sind sich der Jurastudent und die Medizinstudentin dann aber in der Ferne. Bis heute leben sie zusammen.

Am Gronauer Hof angekommen, schaut er wie weit der Bau des Außenstalls ist und begrüßt die Rinder. „50 Hektar Weide gibt es hier“, sagt er. Die müssten kurz gehalten werden. „Und Rinder sind die besten Mähmaschinen“. Jehner denkt praktisch. Ist davon überzeugt, dass alles mit allem zusammenhängt. Vieles, was er über die Natur weiß, habe er nicht gelernt sondern als Kind erlebt, sagt der Notar und Steueranwalt.

Die Nidda nahe dem Gronauer Hof hat Jehner mit Mitteln der Gerty-Strohm-Stiftung, die er verwaltet, in den vergangenen Jahren auf drei Kilometern renaturiert. Landrat Joachim Arnold (SPD) hat ihn dafür im Herbst mit dem Umweltschutzpreis des Wetteraukreises ausgezeichnet.

Nidda, Gronauer Hof, Neue Mitte, Europäische Schule – der Name von Hansgeorg Jehner ist in Bad Vilbel mit vielen Großprojekten verbunden. Jehner verwaltet Millionen, gibt sich aber bescheiden. Bestellt in seinem eigenen Hotel mit mehr Höflichkeit als wohl mancher Gast.

Und doch ist klar: Jehner ist keiner, der sich von anderen etwas sagen lässt. Was er sagt, ist wohl gewählt. Bei Fragen zu Familien- und Geldangelegenheiten zeigt er sich verschlossen. Wo die beiden Töchter oder der Sohn (Ende 30 und Anfang 40) wohnen, sagt er nicht.

Auch über die Herkunft des Kapitals der humanistischen Stiftung, die er 2002 gründete, lässt er nichts raus. „Das können Sie alles nach meinem Tod erfahren.“ Wer kümmert sich denn dann um die beiden Stiftungen? „Das ist geregelt“, sagt er. Mehr nicht. Um Rendite gehe es nicht. Aber um Kapitalanlage. Die Frankfurter Stiftungen, die die Jahrhunderte überlebt hätten, führt er aus, hätten alle in Boden investiert.

So habe er das auch bei der Neuen Mitte machen wollen. Die Humanistische Stiftung sollte lediglich das Grundstück im Herzen Vilbels kaufen, bebauen sollte es jemand anders. Als sich dann kein Bauträger fand, kam es anders. „Ich bin da so reingerutscht“, sagt Jehner. Er ließ die Stiftung einspringen und wurde Pate des Innenstadtprojekts.

Ähnlich war es beim Schulbau. Jehner war zunächst als Notar engagiert. Als sich herausstellte, dass das Ganze eine Nummer größer war als gedacht, wurde er auch hier Pate. Dass die Stiftung den Aufbau der Schule finanziell mitstemmt, sieht Jehner als altruistische Geste. Das sei ein gutes Investment in die Zukunft der Gesellschaft. Um Rendite gehe es nicht, betont er erneut. Geld dafür ist da. Irgendwoher.

Auch interessant

Kommentare