Eva Bovet hat bei Betten Raab die Preise gesenkt.
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Eva Bovet hat bei Betten Raab die Preise gesenkt.

Wetterau

Nicht alle Händler glauben an Belebung

  • vonChristine Fauerbach
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Die reduzierte Mehrwertsteuer soll einen Kaufanreiz schaffen. Aber nicht alle Läden in der Wetterau geben sie weiter.

Die Händler und Dienstleister sollen die niedrigere Mehrwertsteuer grundsätzlich an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergeben, so dass Waren und Dienstleistungen billiger werden. Die Unternehmen sind hierzu jedoch nicht verpflichtet, wie die Bundesregierung mitteilte. Geschäftsinhaber in der Wetterau sind skeptisch, dass die Neuregelung die Umsätze steigern wird. Ladenketten haben die reduzierten Sätze fest eingepreist.

Für die Porta Unternehmensgruppe erklärt Pressesprecher Holger Wetzel: „Selbstverständlich geben wir die drei Prozent an unsere Kunden weiter.“ Er weist darauf hin, dass die Möbelhauskette regelmäßig Aktionen anbietet, bei denen Kunden sparen können. „So schenken wir mit unserem Porta Konjunkturpaket unseren Kunden bereits seit dem 29. Juni die Mehrwertsteuer in Höhe von 16 Prozent.“

Autohändler Uwe Völkel ist sicher, dass sich das Geschäft belebt.

Sigrid Zumpe von „Gartenbau Zumpe“ in Karben sagt: „Ich mache gar nichts. Wenn jemand darauf besteht, dann komme ich, kommen wir, ihm entgegen.“ Der Preis für ein Samenpäckchen liege in der Regel zwischen 99 Cent und 1,99 Euro. „Statt sieben Prozent könnten wir jetzt nur fünf Prozent Mehrwertsteuer berechnen. Im Grunde müssten wir im Hochsommer eine Preiserhöhung bei unseren Pflanzen machen“, erläutert die Händlerin. „Drei Mitarbeiter gießen täglich die zum Verkauf stehenden Pflanzen. Die Wasserkosten tragen wir, geben sie auch nicht an unsere Kunden weiter.“

Sie kündigt an: „Im Herbst werden wir die Mehrwertsteuer senken, wenn die neue Ware kommt, bei großen Pflanzeneinkäufen. Die Kassen sind bereits eingestellt.“ Vielen Kunden fehle unter anderem aufgrund der Kurzarbeit das Geld für große Investitionen.

Seit dem 1. Juli gilt eine niedrigere Mehrwertsteuer. Der reguläre Satz ist von 19 auf 16 Prozent gesunken, der ermäßigte von sieben auf fünf Prozent. Die Mehrwertsteuersenkung ist befristet auf ein halbes Jahr und gilt bis zum 31. Dezember.

Die Mehrwertsteuer ist eine reine Verbrauchsteuer und wird bei allen Einkäufen fällig. Mit der vorübergehenden Senkung will die Bundesregierung in erster Linie den Konsum wieder ankurbeln und der durch die Corona-Pandemie in Mitleidenschaft gezogenen deutschen Wirtschaft neuen Schub geben.

Etwa ein Drittel des staatlichen Gesamtsteueraufkommens macht die Mehrwertsteuer aus. cf

Eva Bovet von „Zeit fürs Bett“ der Betten Raab GmbH in Karben sagt: „Wir haben jeden Preis um 2,52 Prozent gesenkt. Wir geben in allen Bereichen die Mehrwertsteuersenkung an unsere Kunden weiter.“

Die Umstellung des Kassensystems im stationären Handel und im Onlineshop habe bisher rund 1000 Euro gekostet. „Den Handel kostet die halbjährige Aktion nur Geld“, kritisiert Bovet. „Auch der Handel hat seit Ausbruch der Pandemie herbe Verluste erlebt. Die Reduzierung ist zu gering, um einen hohen Kaufanreiz zu bringen.“ Bovet sagt: „Ich bin sehr skeptisch, ob dies den gewünschten Effekt hat.“

Eine bessere organisatorische Lösung sieht die zertifizierte Schlafberaterin in Städten und Gemeinden, in denen die Bürger Waren- oder Einkaufsgutscheine erhalten haben. „Generell gilt, dass sich jeder freut, wenn er sparen kann.“

Peter Hüschen vom gleichnamigen Herrenmodegeschäft in Bad Vilbel erklärt: „Wir geben die drei Prozent nicht weiter, weil wir uns gerade in der Reduzierung befinden und die deutlich höher liegt. Den Vorteil von dieser Aktion haben vor allem Konzerne.“

Christoph Strauß, Marktleiter bei Rewe Fuchs in Groß-Karben, sagt: „Alle Rewe-Läden wie unser Markt, die elektronische Preisetiketten haben, wurden vollautomatisch umgestellt.“ Eine zusätzliche Arbeit sei dies nicht gewesen, weil der Markt keine Papier-etiketten mehr verwende. Rewe senke die Preise bei vielen Warengruppen und Artikeln „deutlich und dauerhaft über die Mehrwertsteuersätze hinaus“, berichtet der Marktleiter.

Auch bei Uwe Völkel, Autohändler in Bad Vilbel, gibt es im Fahrzeugverkauf wie auch bei Ersatzteilen und Zubehör seit dem 1. Juli alles zum reduzierten Mehrwertsteuersatz. „Unsere Computer- und Kassensysteme wurden vom Anbieter bereits im Vorfeld umgestellt.“

Im Juni hat der Händler eine Zurückhaltung bei Käufern festgestellt. Sie tätigten seit der Senkung der Verbrauchsteuer ihre Käufe. „Die Senkung wird auf jeden Fall zu einer Belebung des Geschäftes beitragen.“

Buchhändlerin Silke Mahatzky weist bereits am Eingang der „Lesezeit“ im Bad Vilbeler Brunnencenter Buchfreunde auf die geltenden Bestimmungen hin.

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