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Friedberg

Neubau oder Umbau

  • Andreas Groth
    VonAndreas Groth
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Wie das Wetterau-Museum in ein paar Jahren aussehen wird und wo sein Standort ist, wird dieser Tage in Friedberg erörtert. Sogar ein Umzug in die Burg ist denkbar. Auf jeden Fall müsse sich etwas ändern, sagt der Bürgermeister. Denn die Besucherzahlen sind enttäuschend.

So wie‘s jetzt ist, kann‘s nicht weitergehen“, sagt Bürgermeister Michael Keller (SPD) mit Blick auf das Wetterau-Museum in der Haagstraße. Auf der Homepage als „ein lebendiges Museum für Friedberg und die Wetterau“ angepriesen, spricht die Zahl der Besucher leider eine andere Sprache. Nur rund 4500 Besucher schauten sich im vergangenen Jahr die Ausstellungen an. Der Adolfsturm, das Wahrzeichen der Stadt, hat ein Vielfaches mehr, obwohl er nur an 70 Tagen im Jahr geöffnet hat.

Das mangelhafte Interesse treibt den Rathauschef um. „Das tut mir weh“, sagt der gelernte Historiker. Doch es wird in Friedberg bereits über Ideen gesprochen, die Kellers Schmerz lindern könnten. Es geht um die Neukonzeption des Museums. Selbst ein Neubau steht zur Debatte.

Anlass für die Überlegungen ist die weiterhin schwelende Brandschutzproblematik. Weil ein Architekturbüro Ende 2012 große Mängel beim Feuerschutz festgestellt hatte, öffnete das Museum fast ein halbes Jahr lang nur am Samstag und am Sonntag. Nachdem im Mai 2013 eine Brandmeldeanlage eingebaut worden war, öffnete das Gebäude im Schatten der Stadtkirche wieder von Dienstag bis Sonntag.

Doch mit der 55 000 Euro teuren Anlage ist es nicht getan. Der Kreis duldet die Öffnung des Hauses bislang nur. Eine umfassende Sanierung ist notwendig. Laut Keller kostet die ungefähr zwei Millionen Euro.

Bei der Sanierung will es die Stadt aber nicht belassen. „Wir wollen nicht nur die Wände und Decken ertüchtigen“, sagt der Bürgermeister. Die Arbeiten sollten vielmehr gleichzeitig mit einer Neukonzeption und Neustrukturierung passieren. Nachdem die Idee eines Elvis-Presley-Museums wieder verworfen wurde, sind zwei Konzepte übrig.

Das erste sieht einen Umbau am bestehenden Standort vor. Der Haupteingang soll auf die Seite der Stadtkirche kommen. Angedacht ist ein „besucherfreundliches Entree“ mit Empfang, Museumsshop, Garderobe und Café. Die Ausstellungsfläche bleibt auf das Erdgeschoss beschränkt, der Innenhof wird überdacht. In den anderen Stockwerken könnten ein Depot, eine Werkstatt und Büros entstehen. Die Dauerausstellung würde zugunsten von Sonderaustellungen verkleinert.

Sie könnte in reduzierter Form unter dem Motto „In 20 Minuten durch die Friedberger Stadtgeschichte“ stehen. All das geht aus einem Konzept hervor, dass Museumsleiter Johannes Kögler im Kulturausschuss vorstellte. Für Sonderausstellungen kann sich Keller auch eine neue Halle auf dem angrenzenden Konrad-Adenauer-Platz vorstellen. Schließlich sei der ohnehin „keine Zierde“.

Bei der zweiten Variante würde in der Burg, im Garten zwischen Bindernagelschem Haus und dem Parkplatz am Georgsbrunnen, ein modernes, kleines Museumsgebäude entstehen: zwei Stockwerke mit je 120 Quadratmetern, im Erdgeschoss eine Touristeninformation, ein Café und Toiletten, im Obergeschoss die Ausstellung. Hinzu käme bei dieser Lösung ein Museumsdepot im Industriegebiet, in dem Sammlungen gelagert würden.

Der Platz für den Neubau ist laut Keller aber knapp bemessen. Das Land Hessen könnte zur Lösung beitragen, indem es ein benachbartes Grundstück der Stadt zur Verfügung stelle. „Das Land muss seine historisch-touristische Verantwortung für die Burg wahrnehmen“, fordert der SPD-Politiker. In der Burg würde das Gleiche gelten wie für den aktuellen Standort: Sonderausstellungen erhielten ein größeres Gewicht.

„Die Burg wäre ein signifikanter Ort“, findet der Geschäftsführer des Hessischen Museumsverbandes, Rolf Luhn. Ein Museum an einem Ort zu realisieren, der „selbst schon Exponat“ sei, könne einen Vorteil bringen. Es müsse immer wieder etwas Neues zu entdecken geben, meint Luhn. Museen müssten heutzutage „Erlebnisse bieten“. Es reiche nicht mehr Vitrine an Vitrine zu reihen.

Bürgermeister Keller will, dass beide Varianten „gleichrangig diskutiert werden“. Mit dem Geschichts-, und dem Kunstverein, dem Bildungsforum und der Wetterauer Museumsgesellschaft will er reden. Es sei möglich, dass sich dabei eine weitere Möglichkeit ergebe. Noch in diesem Jahr soll es eine Entscheidung geben. Bis das neue Museum steht, wird es aber noch einige Jahre dauern.

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