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Probeliegen: Lara Tomasino vom Stadtmarketing Bad Nauheim zeigt wie geräumig und gemütlich der Cube ist.

Bad Nauheim

Teures Miniatur-Hotel im Kurpark

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Wer es kurios mag, kann seit kurzem in einem komfortablen Würfel am Grenadierwerk übernachten. Der Preis ist allerdings gar nicht mini.

Es sieht aus wie die Kammer in einem japanischen Kapselhotel. Einzig der Minifernseher darin fehlt und dass das Schnarchen nicht vom Raum nebenan, sondern von der Person auf der selben Matratze kommt, auf der man selbst liegt. Seit Ostern kann im Kurgarten in einem Würfel - neudeutsch: Cube - übernachtet werden - ganz in der Nähe des gewaltigen Gradierwerks. Das Angebot gibt es erstmals. Und auch wenn die Unterkunft eine Mischung aus Zelt und Kapselhotel ist – der Übernachtungspreis gibt sich alles andere als bescheiden und tendiert eher zum Grandhotel.

Auf der vergangenen Internationalen Tourismusbörse in Berlin sei der Cube von der Hamburger Firma Sleeperoo entdeckt worden, sagt Lara Tomasoni von der Bad Nauheimer Tourist Information. Der Cube soll Abenteuerlust und eine bequeme Nachtruhe verbinden und obendrein - trotz binnenländischer Lage der Stadt - bei Meeresluft. Wegen des Gradierbaus, wo auf 50 Meter Länge von der Wand aus Reisig unentwegt Sole herunterrieselt und somit zerstäubt. Die Kleinstgästeherberge musste von der Stadt weder gekauft noch gemietet werden. „Wir bezahlen dafür nichts“, so Tomasoni.

Sleeperoo ist ein Start-up-Unternehmen, das zur Verwirklichung seiner Idee einen Kapitalgeber in der TV-Sendung „Höhle der Löwen“ fand, heißt es. Mittlerweile hat Sleeperoo für seine Innovation nicht nur einige Auszeichnungen eingeheimst, sondern auch seine Schlafwürfel an mehreren Standorten in der Republik aufgestellt, vornehmlich an besonderen Orten, etwa auf dem Gipfel des Kahlen Asten, einer Alpaka-Weide oder am Plöner See.

Im hinteren Eck des Kurgartens am Gradierwerk steht der Schlafwürfel. Ab 18 Uhr gehört das Gelände den Gästen exklusiv.

Zwei Personen und ein kleines Kind passen in den Cube, der vorerst als Solitär auf der Liegewiese im Bad Nauheimer Kurgarten steht. „Vielleicht kommt im nächsten Jahr noch ein zweiter oder dritter hinzu, aber nicht mehr“, sagt Tomasoni. Der Charakter des Kurgartens, der tagsüber von Kurgästen genutzt wird, darf nicht darunter leiden.“

Allerdings wächst mit jedem weiteren Cube die Arbeit für die Tourist Information, die für das Reinigen und den frischen Bezug des Matratzenlagers zuständig ist. Außerdem findet im Tourismusbüro der Check-In und -Out statt. Dort bekommt der Gast den Code zum Cube und auch einen Schlüssel zum Kurgarten, der ihm von 18 Uhr an ganz allein gehört. „Man kann auf der Wiese dann schön Picknicken“, sagt Tomasoni.

Das Picknicken haben die Beschäftigten der Tourist Information noch nicht ausprobiert, aber die Übernachtung im Würfel schon. „Auch bei kühleren Nachttemperaturen ist es darin trocken und gemütlich“, berichtet Tomasoni von der Erfahrung einer Kollegin. Der Gast kann sich in zwei verschieden dicken Decken je nach Temperatur einkuscheln. „Bei unter acht Grad Celsius sollte man jedoch zusätzlich einen Schlafsack dabei haben, den gibt es von der Tourist Information nicht leihweise. Eine Heizung hat der Cube nicht, aber eine Innenbeleuchtung.

Die Übernachtungspreise locken wohl kaum zum tagelangen Verbleib. Montags bis donnerstags kostet die Nacht 120 Euro, freitags und sonntags sind 160 Euro und samstags sind sogar 200 Euro zu berappen. Es gibt schon Buchungen, heißt es. Was wird neben der ungewöhnlichen Lage und der Zeltenge geboten? Eine Toilette samt Waschbecken, beides rund 50 Meter entfernt (Leihtaschenlampe inklusive). Aus dem Hahn kommt nur kaltes Wasser, heißt es. Der Gast erhält zudem eine Chill-Box mit Getränken, Snacks und ... . Ja, über das soll man wegen des Überraschungseffektes lieber nicht schreiben, sagt Tomasoni. „Außerdem bestimmen nicht wir über den Inhalt der Chill-Box, die packt Sleeperoo überall gleich“, erklärt Tomasoni die beigepackten Kondome.

Weitere Infos unter www.bad-nauheim.de oder www.sleeperoo.de

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