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Nahles in der Brunnenschule

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Von: Detlef Sundermann

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Andrea Nahles besucht die Brunnenschule in Bad Vilbel
Andrea Nahles besucht die Brunnenschule in Bad Vilbel © Michael Schick

Die SPD-Generalsekretärin hört sich die Probleme von Eltern und Schülern an - und unterstützt damit die Vilbeler Genossen vor der Kommunalwahl im kommenden Jahr.

"Wir wollten wieder mal einen Politiker aus der ersten Reihe nach Bad Vilbel holen“, sagte SPD-Chef Rainer Fich. Gestern nun kam die Generalsekretärin seiner Partei, Andrea Nahles, auf Stippvisite in die Quellenstadt – genauer in die Brunnenschule, eine Einrichtung für Lernhilfe. Für Eltern, Schüler und Lehrer war es mehr als der Gefälligkeitsbesuch einer bekannten Politikerin. Nahles erwies sich als kompetente Zuhörerin.

Dies lang wohl auch daran, dass die 40-Jährige ohne Umschweife erzählte, in frühen Schuljahren selbst Kandidatin für eine Förderschule gewesen zu sein. Ihre Leseschwäche habe sie Dank der Lehrerförderung und der geringen Klassenstärke dann aber in einer Dorfschule überwinden können. Das Thema Lernschwäche dürfe nicht mit einem Stigma gelegt werden. „Es ist wichtig, dass man darüber redet“, sagte Nahles.

Caroline Funk, Vorsitzende des Fördervereins, und Susanne Korschewitz, Vorsitzende des Schulelternbeirats, berichteten Nahles von anfänglichen Schwierigkeiten. „Es heiß dann: Ihr Kind geht auf die Sonderschule“, sagte Funk. „Wenn man aber sieht, wie gut es dem Kind geht“, wachse die Zufriedenheit. Allerdings müsse dem Schüler auch vermittelt werden, wie wichtig es sei, gern zur Schule zu gehen. „Wir feiern jeden Entwicklungsschritt“, sagte Korschewitz.

„Nur wenige Eltern sehen es positiv, wenn ihr Kind eine Förderschule besucht“, räumte sie ein. Etwas, das sich offenbar in den Abschlussklassen und bei der Berufswahl niederschlägt. Einer der Lehrer notierte: „Oftmals akzeptieren die Eltern nicht die realistischen Berufschancen ihrer Kinder.“ In Praktika von bis zu einem Jahr parallel zur Schule werden die Jugendlichen auf die Arbeitswelt vorbereitet.

Ein Schüler in der Gesprächsrunde monierte, dass das Abschlusszeugnis Förderschule oder Hauptschule in vielen Branchen kaum einen Wert habe. Es werde zu sehr spezialisiert. Als Beispiel nannte er den früheren Automechaniker, der heute ein Mechatroniker sei und in der Regel mindestens einen Realschulabschuss benötige. Der junge Mann wünschte sich eine „gestufte Lehre“, die Bewerbern mit unterschiedlichem Schulniveau den Weg in einen Beruf ermögliche.

Zukunftsmusik ist in Hessen laut der Aussage von Andrea Nahles auch die Integration von Kindern und Jugendlichen mit Lernschwäche in Regelschulen. In ihrem Heimatbundesland Rheinland-Pfalz geschehe dies seit Jahren, noch auf freiwilliger Basis. Nach einer Entwicklungsdauer von knapp 15 Jahren gebe es im Nachbarland allerdings inzwischen 400 Schulen mit integrativen Ansatz.

Mehr Lehrer, kleinere Klassen

Die Forderung der Menschenrechtskonvention der Vereinten Nationen, Sonderschulen aufzulösen, hält Nahles in Hessen für schwer erfüllbar. Dazu müssten Strukturen geändert werden. Ein Punkt wären deutlich kleinere Klassen. Dies setze voraus, dass zusätzliche Lehrer eingestellt würden. Offenbar kein alleiniges Problem der Regelschulen. Uwe Ebert, Leiter der Brunnenschule, bemerkte, dass seine Schule erstmals seit Jahren das Soll ihrer Lehrkräfte erreicht habe.

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