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Bringt Schuhe, wenn andere Hunde knurren: Quando mit Rüdiger und Christine Hauber.
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Bringt Schuhe, wenn andere Hunde knurren: Quando mit Rüdiger und Christine Hauber.

Mitten im Leben

  • Meike Kolodziejczyk
    VonMeike Kolodziejczyk
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Bad Vilbel Seit einem Jahr kümmert sich der Verein Bili um die Belange und Bedürfnisse behinderter Menschen

Quando ist ein freundlicher Hund. Er schnuppert, wedelt mit dem Schwanz, dann trottet er zu seinem Korb und schleppt sein Kissen heran. „Wenn er jemanden nicht mag, fordert er ihn schon mal zum Gehen auf, indem er ihm die Schuhe bringt“, sagt Christine Hauber und tätschelt den schwarzen Labrador-Rüden. „Zu unseren Treffen nehmen wir ihn meistens mit.“ Schließlich kämen manche Mitglieder extra seinetwegen.

Die 38-Jährige ist außerhalb der Wohnung in der Innenstadt, in der sie mit ihrem Ehemann Rüdiger Hauber lebt, auf den Rollstuhl angewiesen. Und das birgt einige Probleme. „Allerdings gibt es in Bad Vilbel keine offizielle Anlaufstelle für behinderte Menschen.“ Das musste Christine Hauber bereits erfahren, als sie 2006 von Frankfurt nach Bad Vilbel zog. Von einem Amt wurde sie zum anderen geschickt, weil niemand wusste, wer für sie zuständig war. Wir müssen etwas ändern, haben sich die Haubers daher schon vor Jahren gesagt.

„Geht nicht, gibt es nicht“

2011 ergriff Christine Hauber dann die Initiative zur Gründung einer Selbsthilfegruppe. Vorausgegangen war eine entsprechende Anfrage des Vereins Bürgeraktive. Im April 2011 fanden sich dann fünf Gründungsmitglieder zusammen, auch der Name für die neue Gruppe war schnell gefunden: „Behinderte ins Leben integrieren“, kurz Bili. Zweimal im Monat trafen sich die Mitglieder fortan im Haus der Begegnung.

20 Mitglieder zählt Bili heute. Die Gruppe sei bislang die einzige in der Wetterau, die sich an Menschen mit körperlicher oder psychischer Behinderung richtet. „Wer körperlich eingeschränkt ist, hat oft auch mit psychischen Belastungen zu kämpfen, sagt Christine Hauber. „Trotzdem sind wir in dieser Kombination im Kreis einmalig“, fügt Rüdiger Hauber hinzu, der Berufsunfähigkeitsrente bezieht, weil er unter psychisch gesteuerten Anfällen leidet. Er ist der erste Vorsitzende von Bili.

Seit einem Jahr ist Bili keine reine Selbsthilfegruppe mehr, sondern ein eingetragener Verein. „Wir wollen nicht nur Unterstützung anbieten und über Probleme reden“, sagt Rüdiger Hauber, „wir wollen auch gemeinsam Spaß haben und Veranstaltungen und Ausflüge machen.“ Doch dafür brauche es Geld. Spenden sammeln zu können sei das Hauptmotiv für die Vereinsgründung am 20. Januar 2012 gewesen. Doch der Doppelstatus als Verein und Selbsthilfegruppe habe noch andere Vorteile, etwa ein kostenloses Vereinskonto oder Zuschüsse von Krankenkassen.

„Geht nicht, gibt es nicht“, so lautet das Motto von Bili. „Unser Ziel ist es, die Leute aus ihrer Gruft rauszulocken“, sagt der 41-Jährige. Oft nämlich seien körperlich oder psychisch behinderte Menschen „so deprimiert, dass sie gar nicht mehr vor die Tür gehen“.

Wenn die Steuerfachangestellte Christine Hauber mit ihrem grasgrünen Elektro-Rolli durch Bad Vilbel fährt, ist Quando oft dabei. Der 15 Monate alte Rüde macht gerade eine Ausbildung zum Behinderten-Begleithund, sowie zum Trauer-, Besuchs- und Diabetikerhund. Momentan haben die Haubers außerdem noch einen jungen Labrador zur Pflege.

Was die Integration von Behinderten betrifft, habe sich einiges getan in den vergangenen Jahren. Christine Hauber freut sich in Bad Vilbel besonders über den barrierefreien Umbau des Nordbahnhofs oder die Mediathek. Anderes hingegen ärgert sie, etwa der Treppenlifter im Kurhaus, der keine Gurte habe und bei Bedarf erst umständlich aus einem Verschlag geholt werden müsse. „Wir würden uns wünschen“, sagt Rüdiger Hauber, „dass uns die Stadt einfach mal öfter fragt und bei wichtigen Vorhaben mit ins Boot holt.“

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