2015 wurde das Altenheim in der Friedberger Straße unter AGO eröffnet, 2016 kaufte es Alloheim.

Alten- und Pflegeheim Alloheim

Missstände bei der Altenpflege in Bad Vilbel

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Die Beschwerden gegen Alloheim-Unterkunft in Dortelweil reißen offenbar nicht ab. Die Heimaufsicht prüfte dieser Tage erneut.

Die Kritik über die Zustände im Alten- und Pflegeheim Alloheim im Bad Vilbel-Dortelweil reißen nicht ab – auch nachdem die Aufsichtsbehörde im August 2018 einen „absoluten Belegungsstopp“ erteilt hat. Laut Regierungspräsidium (RP) Gießen ist die Anordnung bis heute nicht aufgehoben worden. Dieser Tage hat sich ein Angehöriger eines pflegebedürftigen Bewohners in einem anonymen Brief an die Frankfurter Rundschau zu Wort gemeldet. In dem Schreiben wird über zum Teil vernachlässigte Bewohner sowie über zu wenig und damit überlastetes Personal berichtet.

D ie Alloheim-Geschäftsführung in Düsseldorf schreibt auf Anfrage zum Standort Bad Vilbel, dass es „zeitweise Abweichungen von unseren hohen Qualitätsstandards gab“. Diese bestehen jedoch laut dem Hessischen Amt für Versorgung und Soziales (HAVS) Gießen, der Heimaufsicht für den Wetteraukreis, seit 2016 - zumindest wurden damals die ersten Beschwerden registriert. Das 2015 als AGO-Seniorenanlage eröffnete Haus wurde 2016 vom Alloheim-Konzern übernommen, hinter dem ein Kapitalunternehmen steht.

Der unbekannte Schreiber berichtet, sein Vater sei über Tage hinweg nicht gewaschen worden. Als Indizien zählt er die über Tage unberührt im Bad liegenden Waschsachen und den starken Körpergeruch. Zudem habe sich in seiner Einlage hochkonzentrierter Urin befunden. Der Vater sei „völlig eingenässt“ gewesen, weil er vermutlich seit dem Morgen nicht zur Toilette gebracht worden sei. Die Schilderungen setzen sich etwa in der Medikamentierung fort. „Zustellmedikamente werden vergessen oder falsch gegeben“, heißt es. „Säfte zur Beruhigung werden überdosiert.“ Der Schreiber berichtet von zu wenig Personal.

Der Konzern Alloheim Senioren-Residenzen SE,Düsseldorf, ist ein privater Betreiber von 196 stationären Pflegeeinrichtungen mit 17 500 Beschäftigten und 524 Millionen Euro Umsatz (2016).

Gegründetwurde Alloheim 1973 von Alois Mollik. 2008 Umwandlung zur GmbH und Verkauf an Star Capital Partners, 2013 an die Carlyle Group und 2017 an die schwedische Nordic Capital, deren Sitz laut Wikipedia auf der britischen Kanalinsel Jersey liegt, die als Steueroase gilt. sun

Bad Vilbel ist jedoch kein Einzelfall im Pflegekonzern. In der jüngsten Vergangenheit gerieten auch Missstände in den Alloheim-Standorten Bredstedt, Erfurt, Hannover, Niebüll oder Ludwigsburg in die Schlagzeilen. Letztere Einrichtung sollte wegen der Zustände Ende 2018 sogar geschlossen werden, es fand sich jedoch in letzter Minute ein anderes Unternehmen, das das Heim übernahm. Die „Stuttgarter Nachrichten“ titelten im Februar 2018: „Das System Alloheim: Rendite um jeden Preis“.

Wie das hessische Versorgungsamt berichtet, sind seit 2016 insgesamt 28 Beschwerden über das Haus in Bad Vilbel vorgetragen worden, davon die Mehrzahl in 2018. Einige Beschwerdeführer hätten sich wiederholt gemeldet. Jeder Fall sei geprüft worden. Es habe mehrfach unangekündigte Kontrollbesuche geben.

Die Betreiberin sei danach aufgefordert worden, sofort oder nach Fristsetzung zu handeln. Weil sich „Mängel in unterschiedlichen Bereichen erneut bestätigten“ oder „nicht vollumfänglich“ beseitigt worden seien, sei am 8. August 2018 ein „absoluter Belegungsstopp“ erfolgt. Seit Januar 2019 sei eine Häufung der Beschwerden festzustellen, so das RP. Am 6. Februar habe es erneut einen Kontrollbesuch geben. Das Ergebnis des Prüfberichts liege noch nicht vor.

Laut Alloheim leben in der Einrichtung, die über 120 Pflegebetten verfügt, derzeit noch 94 Personen. Das Unternehmen weist die Vorwürfe entschieden zurück. Es gebe in Dortelweil keinen Personalmangel. Aktuell seien sogar sieben Vollzeit-Mitarbeiter mehr als mit den Pflegekassen vereinbart beschäftigt, heißt es. Die Quote der Zeitarbeiter liege bei 30 Prozent. Man arbeite mit einem Dienstleister zusammen, der „hoch qualifiziertes und zuverlässiges Personal langfristig zur Verfügung stellt“, so Alloheim.

„Die große Mehrheit der Bewohner und Angehörigen in unserer Einrichtung in Bad Vilbel ist zufrieden, fühlt sich gut aufgehoben und versorgt. Das bestätigen uns auch die zahlreichen positiven Rückmeldungen vieler Bewohner und Angehöriger“, so Alloheim. Die Frage der FR, warum die Beschwerden zwischen 2016 und 2019 dann nicht weniger, sondern mehr geworden seien, bezeichnet Alloheim als Unterstellung. Beim letzten Besuch habe sich die Heimaufsicht im Abschlussgespräch „sehr positiv über die Qualität der Pflege und Betreuung in der Einrichtung geäußert“, teilt Alloheim mit.

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