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Jim Knopf (Vicco Fahra) und Lukas (Theodor Reichhardt).

Bad Vilbel

Jim Knopf für Kinder

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In Bad Vilbel wird bei den Burgfestspielen die Uraufführung des Musicals Jim Knopf mit eigenen Kompositionen gezeigt.

Man muss wohl Kind sein, um in die Welt des Kindertheaters abtauchen zu können. Dass Jim Knopf in dem Kinderbuch „Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer“ von Michael Ende ein Junge ist, ist allgemein bekannt. Daher wirkt der Schauspieler Vicco Farah, der in dem gleichnamigen Musical bei den Burgfestspielen den Jim spielt, seltsam unbeholfen. Er ist ein junger Erwachsener, darüber hinaus ziemlich groß gewachsen, und oft genug, wenn Lukas – gekonnt gespielt von Theodor Reichhardt – ihm eine Anweisung gibt, antwortet Jim: „Ist gut.“ Der junge Mann läuft mit, hinterher, lässt sich führen, ist orientierungslos.

Stellte man sich nun wirksam vor, dass Jim ein Junge wäre, wäre alles gut. Dann würde es auch nicht stören, dass seine Kleidung mit der blauen Stoffhose, dem roten Pulli und den Freizeitschuhen zeitgenössisch ist, lediglich auf einem Hosenbein ist ein großer Knopf aufgenäht. Er würde in dem Stück eine Entwicklung durchmachen, nämlich die vom Jugendlichen hin zum jungen Erwachsenen, der letztendlich mithilfe seines Freundes Lukas die schöne Prinzessin Li Si (Janne Marie Peters) aus den Fängen von Drachen befreit und diese schließlich ehelicht.

„Das schlucken Kinder schneller als wir, die wir drüber nachdenken“, so Regisseur Christian H. Voss nach der gestrigen Premiere. Es gäbe zwar auch Inszenierungen, in denen Jim mit kleineren Frauen besetzt wäre, um glaubhafter den Jungen zu verkörpern. Aber das sei nicht sein Ding. Ein Mann als Schauspieler sei eine „klare Theaterbehauptung“. Und fügt hinzu: „Setzen Sie einem Mann einen spitzen Hut auf und sagen Sie, das ist ein Zauberer, und für die Kinder ist er einer.“

Recht hat er. Die Kinder gehen mit. In etlichen Szenen sind „Ahs“ und „Ohs“ zu hören, als zum Beispiel Emma, die Lokomotive, als Drache verkleidet die Drachenherrin Frau Mahlzahn an die Wand drückt. Besorgte „Da!“-Rufe aus Kindermündern klingen von den Rängen, als hinter der blauen, mit zwei Bergen bemalten Bretterwand – die wahlweise als Lummer-, Kummerland oder als China gesehen werden kann, je nach oben drauf gehisster Flagge – erst eine riesige Hand, dann ein ebensolches Auge auftauchen. Es ist der Riese Tur Tur (Christian Bindert), der jedoch nur aus der Ferne so groß erscheint, weshalb sein Beiname auch Scheinriese ist.

Bis auf Jim Knopfs Kostümierung ist die der Schauspieler angemessen. Der Lokomotivführer erscheint im Holzfällerhemd und Werkzeugtaschen am Gürtel, König Alfons sieht mit seinem weißen Umhang und der Krone wie ein König aus, auch der Kaiser von China passt mit seinem lilafarbenen, bodenlangen Mantel ins Bild. Hervorragend kostümiert ist Frau Mahlzahn mit einer Art grünem Steppgewand, eine ebensolche lange Schleppe und einer grün-weißen Hoch-Frisur. Ihr Gesang ist mit Abstand der beste mit Blick auf die Fähigkeit, Töne zu treffen und zu halten. Leider ist er auch der kürzeste.

Vier Wochen probte die Crew täglich acht Stunden. „Es war ein Sprint auf der Kurzstrecke“, sagt Regisseur Voss. Herausgekommen ist eine Uraufführung, denn die Musik ist, bis auf das „Lummerlandlied“, eigens dafür komponiert, und zwar von Jan Radermacher. Schade nur, dass die Musik stellenweise so laut ist, dass der Gesang nur schlecht zu verstehen ist. Doch weder das noch die Versprecher, die dem einen oder anderen Schauspieler unterlaufen, scheinen das Publikum wirklich zu stören.

Zum Schluss zollen die Menschen auf den nahezu ausverkauften Plätzen dem Ensemble einen fünfminütigen Applaus und Pfiffe der Begeisterung.

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