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Montagsmalerinnen betrachten ihre Werke.

Bad VIlbel

Die Schattenseiten zeigen

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Die Montagsmalerinnen stellen neue Bilder aus. Der Titel der Schau: „Schöne neue Welt“. Die Künstlerin Ingeburg von den Bossche, die die Gruppe leitet, ermunterte die Teilnehmerinnen, nicht das Beschönigende zu malen - sondern die Realität.

„Schöne neue Welt“ lauten Titel und Motto der neuen Ausstellung der Montagsmalerinnen, die unter Anleitung der Künstlerin Ingeburg von den Bossche seit Jahren gemeinsam Bilder erarbeiten. Im Vergleich zum Thema „Brücken“ – der Ausstellung von 2013 – kein leichtes. Zwei Jahre hat die Gruppe sich mit dem geflügelten Wort auseinandergesetzt, das auf Aldous Huxleys Roman aus dem Jahr 1932 zurückgeht und mit dem immer auch Kritik oder zumindest Ironie einhergeht. „Vor allem am Anfang war das schwierig“, sagt Gruppenleiterin von den Bossche.

Bilder sind vielschichtig

„Viele können zwar malen, aber eine andere Sichtweise zu finden, ist ungeheuer schwer.“ Einige der zehn bis zwölf Mitglieder der Gruppe hätten sich deshalb auch gegen eine Teilnahme an der Ausstellung entschieden, berichtet sie. „Doch dann kamen auf einmal ganz viele Ideen.“ Van den Bossche ermunterte ihre Schüler, „nicht das Beschönigende zu malen, sondern die Realität“.

An den beiden kommenden Wochenenden stellen sechs Mitglieder der Montagsmaler ihre Werke in der Galerie der Alten Mühle aus.

Viele der Bilder sind vielschichtig und transportieren eine Botschaft. Etwa das Bild von Petra Amrhen, die mit ihrem Bild „Tapetenwechsel für den Fortschritt“ kritisiert, dass immer mehr schöne Landschaften verloren gehen. Zum Beispiel weil – wie auf ihrem Bild – Bäume für Industriegebiete abgeholzt werden. Oder das Kafka-Portrait von Gisela Stein. „Was uns in der Welt aufstößt, ist oft unheilvoll“, sagt sie. Und Kafka habe mit seinen Werken die Zukunft teils vorweggenommen.

Renate Rottmann hat gleich eine ganze Serie zum Thema gemalt. Alle stehen unter dem Titel „Umweltverschmutzung an der Nordsee“. Mal ist eine Möwe gezeigt, die sich in Plastikschnüren verheddert, mal eine Robbe, die in einer kaputten Plastikbox liegt.

Und Marie-Luise Neugebauer hat sich die Börse zum Thema genommen. „Nur noch Aktien gelten und Geld“, moniert sie. Nicht aber mehr der Mensch. Entsprechend sind auf ihrem Bild kahle Betonbauten schematisch abgebildet, zwei Menschen sind mit dem Handel an der Börse beschäftigt, ein persönliches Lächeln haben sie nicht. Im Vordergrund steht ein Mercedes-Benz.

Menschlichkeit fehlt

„Der Mensch ist aus dem Blick geraten“, sagt Neugebauer, die für die Ausstellung auch aus alten Tüten ein Plastikkleid genäht hat. Die Botschaft: Man sollte Dinge wiederverwenden und nicht immer gleich alles wegwerfen.

Auch wenn die Umwelt schon sehr zerstört sei, ließen sich mit kleinen Beiträgen die Dinge auch wieder verbessern, meint Nora Schemm. Eins ihrer Bilder hat sie dem Meer gewidmet. Ein anderes, in Acryl und einer Collage-Mischtechnik, nimmt sich des Themas Depression an. Im Mittelpunkt steht eine Person, die den Draht zu ihrer Umwelt verloren hat, völlig abgeschieden ist von Freude und Kontakten. „Depressionen nehmen in unserer heutigen Welt zu“, sagt Schemm.

Mit ihren Bildern wollen die sechs Maler eben auch die Schattenseiten unseres Lebens zeigen.

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