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Claus-Günther Kunzmann
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Claus-Günther Kunzmann

Interview mit Claus-Günther Kunzmann

„Melange aus Kopf und Bauch“

Seit 25 Jahren prägt Claus-Günther Kunzmann das Kulturgeschehen in Bad Vilbel. Im FR-Interview zieht er Bilanz und spricht über Burgfestspiele, Mediathek und Schulden.

Herr Kunzmann, mit diesem Jahr sind Sie seit 25 Jahren bei der Stadt Bad Vilbel für die Kultur zuständig. Verlief das Jubiläum nicht ein bisschen ruhig?

Bei genauer Betrachtung arbeite ich für das Kulturamt der Stadt erst seit knapp 24 Jahren. Die Zeit des Zivildienstes im Berufsförderungswerk wird bei einem Dienstjubiläum hinzuaddiert. Wir haben es intern ein wenig gefeiert, das halte ich für angemessen.

Was fanden Sie 1987 bei Amtsantritt an Kulturangeboten vor?

Im Prinzip nicht viel, erst recht im Vergleich zu heute. Es gab eine kleine Theaterreihe, bei der Tourneebühnen im Kurhaus gastierten. Hier und dort war immer mal eine bekannte Schauspielerin oder ein bekannter Schauspieler mit dabei, wie das eben so bei den reisenden Ensembles ist. Das Kulturgeschehen war sehr kleinstädtisch geprägt. Die Frankfurter Rundschau spottete damals, die Stadt solle statt der Tourneetheater lieber einen Bus für die Besucher buchen, um sie ins Schauspiel nach Frankfurt zu fahren.

Was offenbar nicht geschah.

Zum Glück. Bad Vilbel war wie viele Kommunen um Frankfurt eine Schlafstadt ohne eigene Identität. Kultur fand seinerzeit nur in den großen Städten statt. Bürgermeister Günther Biwer sah jedoch im Aufbau der Kultur eine Chance, Bad Vilbel wieder einen Charakter zu geben. Im Jahr 1986 brachte er mit Bodo Preck, dem ersten Intendanten der Festspiele, die Idee hervor, in der Wasserburg Freilichttheater zu veranstalten. Im Jahr darauf wurde die Premiere der Burgfestspiele mit der Komödie „Scampolo“ gefeiert. Uns war klar, es war ein Testballon. Zu den 20 Aufführungen kamen 5000 Besucher, mehr als erwartet. Im Vorfeld dachten 95 Prozent der produktionsbeteiligten Personen, das war’s. Niemand hätte jemals geglaubt, dass heute über 70000 Menschen jährlich die Festspiele besuchen.

Warum dieser Pessimismus?

Die Stadt war Ende der 70er Jahre hoch verschuldet. Obwohl sich die finanzielle Situation in den 80er Jahren deutlich gebessert hatte, musste ja an vielen Stellen die Infrastruktur der Stadt Bad Vilbel entwickelt werden. Dabei wurden auch die Kulturangebote vielseitig ausgebaut. Parallel zu der Entwicklung der Burgfestspielen wurde das künstlerische wie bauliche Konzept für die Alte Mühle umgesetzt. Was auf Dauer Bestand haben würde, konnte noch niemand sagen. Doch nach dem bescheidenen Erfolg mit „Scampolo“ sagte Biwer wie zum Trotz: Jetzt geben wir Gas.

Und das bedeutete?

Ich bekam ab 1988 mehr und mehr Verantwortung für die Burgfestspiele übertragen. Das Programm wurde sukzessive erweitert und vielseitiger.

Burgfestspiele und Alte Mühle sind Kulturorte der Kernstadt. Wie steht es um die Stadtteile?

An einigen Orten ist etwas Neues entstanden, wie die Massenheimer Auenkunst. Das Zentrum sollte jedoch die wichtigsten kulturellen Institutionen bieten. Seit den 70er Jahren ist die Bevölkerung in Bad Vilbel in toto großstädtischer geworden. Hierzu haben nicht zuletzt große Baugebiete wie Dortelweil-West beigetragen. Ein anderer Grund ist die hohe Fluktuation. 1500 Personen im Jahr verlassen die Stadt, ebenso viele ziehen hinzu. Das zentrale Kulturangebot der Stadt muss mit dieser Entwicklung mithalten.

Bedingte dies auch einen Wandel im Kulturprogramm etwa bei den Burgfestspielen, dem kulturellen Leuchtturm?

Ohne Zweifel. Zu Biwers Zeiten prägten hauptsächlich Komödien den Spielplan. In wenigen Ausnahmen wurde das Schauspiel bedient. Heute besteht die Spielplanstruktur aus einem Musical, einer Revue, Komödien und einer Tragödie, dazu das Keller- und Gastprogramm. Es soll vielen etwas geboten werden.

Welche Kriterien werden bei der Auswahl der Stücke angelegt?

Die fünf Eigenproduktionen müssen eine in sich stimmende Mischung ergeben. Man kann den Spielplan für die nächste Saison weder mit Berechnung noch anhand von Autorengeburtstagen zusammenstellen. Auf jeden Fall sollte man sich davor hüten, seine persönlichen Vorlieben durchzudrücken. Außerdem eignen sich manche Stücke einfach nicht für eine Freilichtbühne. Die Entwicklung des Spielplans geschieht am besten aus einer Melange aus Kopf- und Bauchempfinden.

An vielen Ecken in Bad Vilbel wurde in Kultur investiert, nicht zuletzt mit Sponsoren. Nähert sich die Stadt nun langsam dem Wachstumsende in der Kultur?

In den vergangenen vier Jahren ist in der Tat sehr viel passiert. Der Bau des Römermosaiks, das neue Brunnen- und Bädermuseum, das eigene Haus für die Kunstschule und nicht zuletzt der Plan für eine Mediathek zählen hierzu. Darüber hinaus wird die Burg saniert und für den Festspielbetrieb modernisiert. Das alles sind Infrastrukturen, damit ein breites Kulturangebot überhaupt stattfinden kann. Wo da die Wachstumsgrenze liegt, das weiß ich nicht.

Es besteht also noch Raum für realisierbare Ideen?

Auf jeden Fall. Ein Plan besteht in einer kulturellen Meile vom heutigen Zentralparkplatz bis zur Alten Mühle. Manches hierzu existiert bereits, anderes ist in Vorbereitung wie die Mediathek oder eine moderne Stadthalle im Kurhaus. Damit würden sich neue Möglichkeiten für eine kulturelle Vielfalt in der Stadt ergeben.

Könnte eine andere Parlamentsbesetzung nach der Kommunalwahl die Pläne durchkreuzen oder Vorhandenes verändern?

Jede parlamentarische Mehrheit wird eigene Akzente setzen. Geänderte Mehrheitsverhältnisse würden auch zu Veränderungen beim Kulturprogramm führen.

Interview: Detlef Sundermann

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