Natur

Mehr Wasser auf die Wiesen

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Der Auenverbund Wetterau soll weiterentwickelt werden. Flussrenaturierungen sind nötig.

Die UN-Artenschutzkonferenz Ende April hat es der Welt noch einmal vor Augen geführt: Eine Millionen Tierarten sind akut vom Aussterben bedroht. Wie sich diese Entwicklung zumindest auf lokaler Ebene verlangsamen oder gar aufhalten lässt, zeigt der Auenverbund Wetterau, in dem die Landkreise Gießen, Vogelsberg und Wetterau vertreten sind. Anfang April wurden in zwei Tagungen in Hungen und Karben mit insgesamt 200 Teilnehmern - von Gewässerökologen bis Landwirte - Möglichkeiten der Weiterentwicklung des Auenverbands und Probleme erörtert. Hierbei zeigte sich auch, dass dem Naturschutz keinen kompromisslosen Vorrang eingeräumt wird.

„Die Auen in der landschaftlichen Wetterau sind für Zugvögel seit Jahrtausenden die Tankstellen, auf den überschwemmten Wiesen finden sie Futter“, sagt Frank Uwe Pfuhl, Referent der Nabu-Umweltwerkstatt Niddatal und Auenexperte, auf Anfrage der FR. Aber auch zum Erhalt der heimischen Fauna und Flora seien Auengebiete wichtig, die sich vor allem an Unterläufen von Flüssen bis nach Frankfurt erstrecken. Die Schutzgebiete im Auenverbund befinden sich im Bereich von Horloff, Nidda, Nidder, Seembach und Wetter.

Das Charakteristische für eine Aue sei die Überflutung durch Hochwasser führende Bäche, erst dann entstehe die typische Pflanzen- und Tierwelt, so Pfuhl. Solche Überschwemmungen stellten sich jedoch immer weniger ein. Zu einen weil Mitte des 20. Jahrhundert Flüsse wie die Nidda reguliert und damit von den Auenflächen getrennt wurden, zum anderen gehe seit Jahren die durchschnittliche Regenmenge zurück vor allem in der Fläche. Dagegen gäbe es vermehrt punktuelle Niederschläge mit enormen Mengen. Für Pfuhl geht die Renaturierung der Flüsse und Bäche in der Wetterau nicht zügig genug voran, von der auch Feuchtgebiete profitieren. Der Nabu-Experte bezweifelt, dass die Forderungen der EU-Wasserrahmenrichtline erfüllt wird, laut der bis zum Jahr 2025 alle Fließgewässer, außer Wasserstraßen, naturnah zurückgebaut werden müssen. Im Fall der Nidda seien bislang rund 25 Prozent des Flusses renaturiert worden.

Themen der beiden Konferenzen war überdies das Konfliktpotenzial zwischen Naturschutz und Nutzer. Landwirte und Jäger benannten Spaziergänger mit freilaufenden Hunde als ein zunehmendes Problem. Die Hunde seien eine Gefahr für die Bodenbrüter und verkoten Wiesen, die Heu lieferten. Naturschützer forderten eine weitgehende Abkehr von der konventionellen Landwirtschaft auf Flächen im Auenverbund. Mit einer Beschafung würden die Lebensräume von bedrohten Tierarten besser beschützt, heißt es. Diese Spezies werden überdies vermehrt von Neophyten wie das Indische Springkraut, das sich auf Auen sehr wohl fühlt, oder Neozoen wie die afrikanischen Nilsgänze verdrängt. Lösungen gibt es bei beidem noch nicht.

Der für Naturschutz zuständige Kreisdezernent Matthias Walther (CDU) gab sich hingegen hoffnungsvoll und sprach von einer „zukunftsfähigen Verknüpfung von Landnutzung und Naturschutz“. Die Ideen, Fragen und Kritik aus den beiden Tagungen soll nun ausgewertet werden und als Grundlage für Gespräche in Wiesbaden fungieren, um an die „notwendigen Fördertöpfe zu gelangen, damit der Auenverbund Wetterau weiterentwickelt werden kann“, so Walther.

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