Wetterau

Mehr Schutz für alte Laubbäume

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Nabu verlangt, gesamten Oppershofener Wald als Reservat auszuweisen.

Der Naturschutzbund (Nabu) Hessen fordert für den buchenreichen Oppershofener Wald bei Rockenberg ein Einschlagmoratorium. Der gesamte Forst soll Naturwald werden, so der Nabu. Auf rund 55 Prozent der Fläche stehen Bäume, die mehr als 140 Jahre alt sind. Der Altbestand übertrifft damit alle Waldgebiete, die von den Naturschutzverbänden ebenfalls als Naturwälder vorgeschlagen werden. Die Ausweisung von Natur- und Klimaschutzwäldern geht auf die jüngste Initiative der Bundesregierung zurück, danach sollen in jedem Bundesland fünf Prozent der gesamten Waldfläche für Klimaschutz reserviert werden.

Der 285 Hektar große Oppershofener Wald besitzt seit 1988 ein Naturwaldreservat - auch Totalreservat genannt -, das jedoch lediglich 21 Hektar groß ist. Laut Mark Harthun, Fachbereichsleiter Naturschutz und stellvertretener Nabu-Landesgeschäftsführer, muss der gesamte Wald ob seiner Besonderheit diesen Schutzstatus erhalten. Stattliche Buchen mit bis zu 40 Meter Höhe werden gefällt, die stellenweise von Douglasien gesetzt werden, so Harthun. Für den Wald und Tiere ist dies ein schlechter Tausch. Rund 20 Tierarten fänden ihren Lebensraum an Douglasien, an Buchen mehr als 200. Nachteile ergeben sich auch für das Klima. Laut Thünen-Institut landet Laubholz zumeist in Öfen und Kaminen, damit setzt es das über viele Jahrzehnte gebundene CO2 binnen Minuten in die Atmosphäre frei.

„Allein das hohe Alter der Bäume bringt einen hohen Artenreichtum mit sich“, sagt Harthun. In dem Reservat befänden sich 8,2 Baumhöhlen pro Hektar, auf der Vergleichsfläche seien es knapp die Hälfte an Unterschlüpfe etwa für Bechsteinfledermäuse oder den Kleine Abendsegler. Der hohe Hallenwald bilde zudem für andere Fledermäuse wie das Große Mausohr mit bis zu 40 Zentimeter Flügelspannweite, Spechte oder Kleinsäugern ein ideales Revier und nicht zuletzt eine Oase während der langen, trockenen und heißen Sommer.

„Ein solcher Wald mit großem Anteil an Altbeständen ist wie ein Schwamm“, sagt Harthun. Die Luft sei wegen hohen, dichten Laubdachs kühl und feucht. Der Boden kann ob seiner dicken Humusschicht sehr viel Wasser speichern und somit helfen, die Grundwasserreserven zu sichern, heißt es.

Wichtiger Wasserspeicher

Ein Gutachten von Hessenforst zum Oppershofener Wald belegt dies. Während im Totalreservat bei der Bewertung des Wasserhaushalts 96 Prozent der Fläche als „betont frisch“ ausgemacht werden, sind es bei der bewirtschafteten Vergleichsfläche 56 Prozent. Eine Bewirtschaftung des Waldes schade nicht nur dem typischen Binnenklima, sondern auch der Widerstandskraft der Bäume gegen Schädlinge. Ein „Urwald“ erneuere sich zudem besser. Umgestürzte Bäume bildeten etwa eine gute Barriere, um Jungbäume vor Wild zu schützen, so Harthun.

„Der Nabu ist ständig im Gespräch mit dem hessischen Umweltministerium, um den gesamten Oppershofener Wald zu schützen“, sagt Harthun. Mit den acht Klimawäldern und dem Forst bei Rockenberg ließe sich die Bundesvorgabe erreichen, heißt es. Hessenforst würde damit eine Gewinneinbuße von rund 1,5 Prozent im Jahr erleiden. Dies sei weniger als die 200 Millionen Euro für ein Aufforstungsprogramm.

Das Ministerium von Priska Hinz (Grüne) macht dem Nabu zumindest hinsichtlich des Oppershofener Wald wenig Hoffnung. Im April habe das Forstamt Nidda bei der dritten Ausweisung die Fläche des stillgelegten Waldes um gut zehn auf 31,5 Hektar erweitert, heißt es. Laut Nabu wurden im Zug „der dritten Tranche lediglich einige wenige abgeerntete Flächen als Kernfläche ausgewählt“.

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