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Joachim Schlichte, der Pöt von Rendel, ist veschnupft über die gesellschaftlichen Verhältnisse.
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Joachim Schlichte, der Pöt von Rendel, ist veschnupft über die gesellschaftlichen Verhältnisse.

Karben Literatur

Lyrik ist das Ventil des Lübeckers

  • Andreas Groth
    VonAndreas Groth
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Der Rendeler Joachim Schlichte hat einen neuen Gedichtband mit dem Titel „verschnupft“ geschrieben. Er fühlt sich nicht als Weltverbesserer, sondern als Beobachter.

Was auf Joachim Schlichtes schwarzem T-Shirt in weißen Lettern steht, stimmt: „Ich kann auch lieb sein.“ Er lacht viel, mag Gedichte von Joachim Ringelnatz – „Kindersand“ ist eines seiner liebsten – und präsentiert Besuchern gerne seine Sammlung von 1300 kleinen und großen Elefantenmodellen aus aller Welt, die aufgereiht in seinem gemütlichen Wohnzimmer stehen. Es macht Spaß, sich mit dem selbsternannten „Pöt aus Rendel“ (Pöt ist eine Verballhornung von Poet) zu unterhalten.

Das gilt auch, wenn der promovierte Musikwissenschaftler laut über die soziale Wirklichkeit nachdenkt. Doch lieb ist der 67-Jährige in solchen Momenten nicht mehr. Dann sagt er Sätze wie: „Es kann einem ganz schön übel werden in dieser Gesellschaft.“ Oder: „Der Zustand der Gesellschaft ist in meinen Augen eine Katastrophe.“ Seine Empörung bringt Schlichte gerne zu Papier.

Jüngstes Zeugnis ist sein sechster Gedichtband, der den bezeichnenden Namen „verschnupft“ trägt. Darin holt der gebürtige Lübecker aus zum Rundumschlag gegen die Missstände dieser Welt: Umweltzerstörung, Waffen, Verfall der Sprache, Unmündigkeit der Staatsbürger.

Kein Weltverbesserer

Ganz der Zivilisationskritiker steht er insbesondere neuen Technologien kritisch gegenüber: mail ig / funktionieren / wir / menschen // und / drücken tastaturen // gläubig / im glauben // der überheblichkeit unseres gott wahns. „es sie er du ich“ heißt diese kleine Kostprobe aus seinem Buch. Schlichte kann mit „IPhone, iPad, tralala“, wie er sagt, nichts anfangen. Sie sorgten mitunter dafür, dass die Sprache verloren gehe. Er sei „old fashioned“. Was ihn aufregt, ist „leugnend geiles mitmachendes bim bam bumm“.

So nennt er es in seinem Gedichtband, wenn Menschen vor der Realität die Augen verschließen. In „die einsamkeit des elefanten“ klingt das folgendermaßen: familie suchend / beweint er seinen friedhof // tropetend dur / übrig bleibend moll // wir alle wissenden / nehmen nicht wahr // unsere / leisen töne.

Mit der Poesie nimmt Schlichte nicht für sich in Anspruch, die Welt zu verbessern. „Ich beobachte nur, konstatiere und beschreibe“, erklärt der Rendeler. Dass die Gedichte dabei für manchen schwierig zu verstehen seien, störe ihn nicht. „Das gehört zu mir.“ Schließlich sei auch das Leben kompliziert. Schlichte sagt, ihm machten die „Spielereien mit Worten und Buchstaben unendlich viel Spaß“. Ein Macher sei er nicht. „Ich habe nicht die Kapazitäten auf dem Gebiet der neuen Kommunikationstechnologien mitzuarbeiten“, gibt er zu.

Und so weiß der Pöt, dass seine Möglichkeiten begrenzt sind. Trotzdem habe er schon wieder seinen nächsten Gedichtband fertig, den er aber erst mal zurückhalten werde. Zum Schluss des Gesprächs wird der Ringelnatz-Liebhaber, der gerne lacht, nachdenklich: „Manchmal denke ich, das Lachen ist nur eine Reaktion auf den traurigen Zustand der Welt.“

Joachim Schlichtes neuer Gedichtband „verschnupft – gedichte (6)“ ist im Geest-Verlag erschienen, kostet 12 Euro und hat die ISBN-Nummer: 978-3-86685-457-4.

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