Bauingenieur Michael Schmale hat die Dachkonstruktion in der Schreinerei aufwendig erneuern lassen.
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Bauingenieur Michael Schmale hat die Dachkonstruktion in der Schreinerei aufwendig erneuern lassen.

Wohnen in Bad Nauheim

Luxuswohnen auf dem Salinenareal

  • Andreas Groth
    vonAndreas Groth
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Wo in Bad Nauheim einst alte Schuppen und Lagerhäuschen standen, werden nun 37 hochwertige Eigentumswohnungen zum Verkauf angeboten - für rund 4000 Euro pro Quadratmeter.

Wer einmal diese Gebäude auf der Fahrt Frankfurt-Gießen vom Zug aus gesehen hat, wird diese charakteristischen Zeitbilder im Gedächtnis behalten.“ So urteilte eine Fachzeitschrift 1910 über die unweit der Bahngleise gelegenen Industriebauten am Goldsteinwäldchen. Die Alte Wäscherei, die Alte Schreinerei und das Salinengebäude stehen noch heute. Für Bauingenieur Michael Schmale hat das Areal in Bad Nauheim nichts von seinem Wert eingebüßt. „So eins wird’s in Bad Nauheim nicht nochmal geben“, sagt er. Einen 15.000 Quadratmeter großen Teil, der die Schreinerei und die Alte Saline umfasst, hat das Ingenieurbüro Raab.Schmale deshalb 2014 für drei Millionen Euro von der Stadt gekauft. Es setzte sich seinerzeit im Stadtparlament gegen vier andere Büros durch. Seit Ende 2015 realisieren die Bad Nauheimer Ingenieure dort nun das Projekt Salinenhof, für das sie eine eigene GmbH gründeten.

Wo einst alte Schuppen und Lagerhäuschen standen, ist in den vergangenen anderthalb Jahren ein U-förmiger Neubau mit 37 Eigentumswohnungen gewachsen, hochwertigen Wohnungen, die meisten um die 100 Quadratmeter groß. Die Käufer können sie nach individuellen Wünschen einrichten, vorausgesetzt sie legen 4000 Euro pro Quadratmeter auf den Tisch. Schmale will beim Komfort neue Maßstäbe in Bad Nauheim setzen. Vom Standard her sei das vergleichbar mit einem Fünf-Sterne-Hotel. „So etwas hat es in Bad Nauheim noch nicht gegeben.“ Ein paar Wohnungen seien schon bezugsfertig, sagt Schmale. Anfang Juli sollen die ersten Bewohner einziehen.

Noch wird an großen Teilen des Neubaus kräftig gewerkelt. Baulärm schallt über das Gelände. Parkett wird verlegt, Malerarbeiten werden erledigt, und die ersten Badezimmer nehmen Gestalt an. Zwei Stockwerke und ein Dachgeschoss ist das Gebäude hoch, von dessen Terrassen und Balkonen der Blick künftig über einen Innenhof mit zwei Baumreihen und Sitzgelegenheiten schweifen wird. Autos werden in einer Tiefgarage Platz finden. Noch seien zwölf Wohnungen zu haben, sagt Schmale.

Bereits vergeben sind indes die drei dreistöckigen Wohnungen in der Alten Schreinerei. Wie die Alte Wäscherei, die heute die Evangelische Familienbildungsstätte beherbergt, und die bis 1959 aktive Saline wurde die Tischlerei um 1910 herum vom Großherzoglichen Regierungsbauinspektor Wilhelm Jost erbaut, der sich in Bad Nauheim vor allem als Erbauer des Sprudelhofs einen Namen machte. Schmale hat die Schreinerei aufwendig erneuern lassen. Alte Fenster, ja gar Ziegelsteinwände nachgebaut. Der Hingucker schlechthin ist das umständlich restaurierte Zollingerdach, eine Dachkonstruktion, die sich selbst trägt. Ende dieses Jahres sollen sowohl der U-förmige Neubau als auch die Schreinerei fertig sein.

Was sich in der Alten Saline tut, hat mit den ursprünglichen Plänen von Schmale und seinem Partner Thomas Raab indes nichts mehr gemein. Eine Mischung aus Wohnen und Arbeit war geplant. Mehrere nebeneinander liegende Wohnungen schwebten ihnen vor – kombiniert mit kleinen Büroflächen für Freiberufler im Erdgeschoss. Letztlich verkauften sie den Komplex an den international erfolgreichen App-Entwickler Lotum, der einziehen und sein Domizil an der Kurstraße aufgeben wird. Jüngeren dürfte deren App „4 Bilder 1 Wort“ bekannt sein. In der Saline werden die Software-Spezialisten künftig zwischen Mauern aus Taunusquarzit und altem Holzgebälk arbeiten.

Für die einstige Siedehalle nebenan kann sich Schmale eine Oldtimer-Ausstellung vorstellen. Zudem soll es einen Eventbereich geben.

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