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Wetterau

Leben mit der Angst

  • Andreas Groth
    VonAndreas Groth
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In der Wetterau gibt es seit kurzem eine Selbsthilfegruppe gegen Angst- und Panikattacken. Sie trifft sich zweimal im Monat in Friedberg. Die FR hat mit einer Betroffenen gesprochen. Diese erzählt, wie die Attacken sie unvermittelt ergreifen und was sie dagegen macht.

Wenn Eva K. die Hand hebt und den Kopf schüttelt, wissen die Angehörigen, dass dies ein schlechtes Zeichen ist. Es bedeutet: „Stop! In Ruhe lassen!“ In diesen Momenten ereilt die 38-Jährige aus der Wetterau, die ihren richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, eine Panikattacke. Was dann passiert, sei „im Prinzip immer das gleiche“, sagt K., mal stärker, mal schwächer ausgeprägt.

Sie reibt die Hände und verschränkt die Arme. Das Gesicht verkrampft, der Körper wird kalt. „Es ist alles hart und steif“, beschreibt K. diesen Zustand. Schwindel und Sehstörungen kommen hinzu, manchmal Atemnot. Das Sprechen fällt schwer. Es sei so, als werde man erschreckt, nur dass dieser Moment in ihrem Falle „dauerhaft“ anhalte.

Laut der Psychologin Doris Wolf sind Panikattacken „plötzlich auftretende Angstanfälle, die in der Regel nicht länger als 30 Minuten andauern“. Die Symptome könnten so stark sein, dass sie als lebensgefährlich empfunden würden.

Die Ursachen sind vielfältig. Es können Erkrankungen und Stresssituationen wie eine Trennung oder eine Kündigung sein. Letzteres führte bei K. im Spätsommer 2014 in die bislang schlimmste Phase. Der damalige Chef hatte ihr nach zehn Jahren gekündigt. Die Attacken häuften sich. Zwei Monate sei sie „außer Gefecht“ gewesen. „Ich konnte die erste Zeit nicht mal fünf Minuten alleine sein“, sagt K. Mutter und Großmutter umsorgten sie, solange der Ehemann arbeitete.

Seit Herbst 2012 habe sie die Störungen. Begonnen hätten sie nach dem Aufenthalt in einer Klinik, in der ihr ein Arzt „ohne Fingerspitzengefühl“ klar gemacht habe, dass sie herzkrank sei.

Seit einem halben Jahr hat die gelernte Bankkauffrau wieder eine Stelle. Sie arbeitet in der Finanzverwaltung einer Stadt. Dort ergriff sie bisher nur einmal die Panik, „aber nicht ganz so schlimm“. Ihre Vorgesetzten und einige Kollegen wüssten über ihre Störung bescheid. Um sie einzudämmen, nimmt K. regelmäßig Medikamente.

Zudem hat sie Strategien entwickelt, damit umzugehen. Wenn sie zu Hause einsetzten und nicht so schlimm seien, betätige sie sich körperlich. Staubsaugen helfe. Manchmal bringe auch ein Spaziergang mit dem Hund etwas. Rat und Verständnis findet sie bei der Stiftung „Lebensräume“ aus Offenbach. Diese bietet Hilfe für erwachsene Menschen mit psychischen Erkrankungen. Dort ruft sie manchmal an, oder eine Mitarbeiterin schaut bei ihr zu Hause vorbei. „Da sitzen Menschen, die kennen mein Krankheitsbild.“

Das gilt ebenso für die Selbsthilfegruppe im Wetteraukreis, die K. im Sommer mitgegründet hat. Dort könne man sich mit Betroffenen ganz ungezwungen austauschen. „Bei uns wird niemand gezwungen, irgendwas zu sagen.“

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