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Kritik an Segmüller-Plänen im Umland

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Von: Detlef Sundermann

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Im Bad Vilbeler Gewerbegebiet Quellenpark will der Möbelgigant Segmüller bauen.
Im Bad Vilbeler Gewerbegebiet Quellenpark will der Möbelgigant Segmüller bauen. © Joachim Storch

Auf 45.000 Quadratmetern Verkaufsfläche will der Möbelgigant Segmüller im Bad Vilbeler Gewerbegebiet auch Kindersachen, Küchenzubehör und Bodenbeläge anbieten. Die Nachbarstädte fürchten deshalb um ihr regionales Einzelhandelskonzept.

Die Nachbarkommunen von Bad Vilbel stehen der Ansiedlung von Segmüller im Quellenpark zum Teil kritisch gegenüber. Die Städte Frankfurt und Bad Homburg äußerten ihre Bedenken in einer Stellungnahme an das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt. Als Hauptproblem wird die Größe des Möbelhauses mit 45.000 Quadratmetern Verkaufsfläche und das „zentrenrelevante Randsortiment“ wie Kindersachen, Küchenzubehör oder Bodenbeläge genannt.

„Mit Segmüller kann es zu einer merklichen Schwächung des Handels in der Innenstadt und in den Stadtteilzentren kommen“, erklärt Mark Gellert, Pressesprecher des Planungsdezernats Frankfurt, auf Anfrage der Frankfurter Rundschau. Das regionale Einzelhandelskonzept gebe eine Richtschnur vor, die mit Segmüller gebrochen werde.

Für Möbelmärkte ist nach dem Konzept beim Randsortiment eine Obergrenze von zehn Prozent der Verkaufsfläche oder maximal 800 Quadratmeter zulässig. Nach bisherigen Angaben des in Friedberg bei Augsburg ansässigen Familienunternehmens soll im Bad Vilbeler Haus jedoch Nebensortiment auf 5700 Quadratmeter angeboten werden.

Die Dimension des Möbelpalastes lässt auch die Bad Homburger aufschrecken. Dort sieht man kaufkräftiges Publikum aus der Stadt verschwinden. Dort gibt es zudem ein Traditionshaus mit hochwertigem Sortiment, das vermutlich auch im Programm von Segmüller auf die eine oder andere Weise zu finden sein wird.

„Der regionale Einzelhandelsplan lässt auch einen zusätzlichen Bedarf, wie er mit Segmüller entstehen würde, nicht erkennen“, sagt Andreas Möring, Pressesprecher der Stadt. Die Auswirkung auf den Bad Homburger Einzelhandel sei bei der Untersuchung zur Neuansiedlung zu gering berücksichtigt worden. „Der Planungsverband geht von einem möglichen Kaufkraftabfluss von knapp zehn Prozent aus, nach unserer Bewertung werden es jedoch 15 Prozent sein“, so Möring. Die Stellungnahme an das RP sei entsprechend formuliert worden.

Im Hanauer Rathaus bleiben die Verantwortlichen wegen Segmüller gelassen. „Wir sehen in dem Einrichtungshaus keinen Wettbewerber“, sagt Martin Bieberle, Leiter Stadtmarketing. Vilbel sei zu weit weg. Außerdem besitze Hanau im Gewerbegebiet Nord eine Möbelmeile mit dem Platzhirsch Ikea. Die Schweden planen, ihr Haus zu vergrößern. Eine Ausweitung des Randsortiments soll damit nicht einhergehen, so Bieberle. Er bedauert, dass Vilbel mit dem Vorhaben „die gute Grundlinie des regionalen Einzelhandelskonzepts in Frage stellt“.

Die Verbandkammer des Planungsverbands Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main hatte sich in einer Sitzung im September in einer Grundsatzentscheidung mehrheitlich mit den Stimmen von CDU/FWG und SPD für einen Aufstellungsbeschluss votiert. Von der FDP hatten sich vier Abgeordnete gegen die Umwidmung der Gewerbefläche in ein Sondergebiet „großflächiger Einzelhandel“ ausgesprochen.

Unter den Gegnern war auch Oberursels Erster Stadtrat Dieter Rosentreter, der sein Nein damit begründete, dass es schon genug Geschäfte dieser Art in der Region gebe. Die Grünen waren gegen die Segmüller-Ansiedlung. Niederdorfeldens Bürgermeister Matthias Zach (Grüne) sagte damals der Frankfurter Rundschau: „Wenn die Lex Bad Vilbel Schule macht, ist das der Anfang vom Ende des Einzelhandelskonzeptes im Planungsverband.“ Auch das Verkehrsaufkommen um Segmüller bereitet den Grünen Sorgen.

Die Frankfurter sind leicht angesäuert, dass sich die Vilbeler nicht an die Regeln des Nachbarschaftsforums gehalten haben. „Es gab von der Stadt kein informelles Vorverfahren, wie es die Stadt Frankfurt bei der geplanten Ansiedlung von Ikea in Nieder-Eschbach vornahm“, sagt Mark Gellert vom Planungsdezernat.

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