Wetterau

Kritik am Bauamt

Zu viele offene Anträge und unbesetzte Stellen. FDP fordert Konsequenzen.

Mehr als einhundert unbeschiedene Bauanträge und Personalmangel bestimmen die Situation der Baubehörde des Landratsamts. Laut zuständigem Kreisbeigeordneten Matthias Walther (CDU) sind aktuell viereinhalb Stellen zu besetzen, für die sich trotz weiter Verbreitung der Ausschreibungen schwierig Bewerber finden ließen. Zudem seien an den schwarzen Brettern der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) Gießen-Friedberg die Jobangebote ausgehängt worden, so Walther.

Die FDP-Kreistagsfraktion nimmt dies als Anlass für harsche Kritik. Der Wetteraukreis müsse, statt Aushänge zu platzieren, eine Ausbildungskooperation mit der THM eingehen, um selbst für den Nachwuchs zu sorgen, so eine Forderung. Die Fraktion sieht derzeit den Wetteraukreis nicht in der Lage, die Aufgaben des Wohnungsmarkts zu lösen. Mit Bad Vilbel, Bad Nauheim, Büdingen, Friedberg oder Karben hat sich der Wetteraukreis zu einem starken Zuzugsgebiet entwickelt.

Hintergrund ist eine Kreistagsanfrage der FDP an Walther zur Situation bei der Genehmigung von Wohnbebauung. Die heimische Bauwirtschaft habe sich über immer kompliziertere Verfahren des Kreisbauamts beschwert, so die FDP. Ob das Vorgehen der Genehmigungsbehörde aufwendig ist, darüber geben die Antworten zur Anfrage keine Auskunft, das wurde auch nicht dezidiert gefragt, sondern etwa wie sich die Zahl der Bauanträge seit 2015 entwickelt habe. Mit Ausnahme einer Delle in 2016 meldet Walther einen kontinuierlichen Anstieg. 2018 waren es 277, in diesem Jahr bis Mitte September, dem Stichtag für die Anfrage, waren es schon 211 Anträge.

Dauerte 2018 die Bearbeitung eines Baubegehrens durchschnittlich 25 Arbeitstage, sind es nun 21. Allerdings kann daraus nicht abgeleitet werden, dass in der Baubehörde seit diesem Jahr beschleunigt gearbeitet wird. In diesen statistischen Zahlen stecken nicht allein genehmigte Wohnbauvorhaben, sondern ebenfalls Ablehnungen, Zurückweisungen oder zurückgezogene Anträge. Den Stapel mit 107 unbeschiedenen Anträgen, die bis auf das Jahr 2015 zurückgehen, relativiert Walther ebenfalls. Es seien zum überwiegenden Teil unvollständige Anträge oder solche mit Nachforderungen, heißt es. Jörg-Uwe Hahn, FDP-Kreistagsmitglied, fordert dennoch Konsequenzen, vor allem an der Spitze. Landrat Jan Weckler (CDU) solle Walther die Zuständigkeit entziehen und das „Kreisbauamt zur Chefsache machen“.

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