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Koch setzt auf Polizeihelfer

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Von: Detlef Sundermann

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Mit 70 verabschiedet: Polizeihelfer  Ludwig Steinbeck .
Mit 70 verabschiedet: Polizeihelfer Ludwig Steinbeck . © Reiner Strack

Der neue Staatssekretär im hessischen Innenministerium, Werner Koch, lobt die Präventionsarbeit in Bad Vilbel - und plädiert dabei für mehr ehrenamtliche Streifengänger.

Die Präventionsarbeit in Bad Vilbel hat Werner Koch (CDU) gelobt und als „Leuchtturm“ bezeichnet. Der erst vor zwei Monaten ernannte Staatssekretär des hessischen Innenministeriums ließ sich am Montag im Jugendzentrum Efzet von Vertretern der Stadt und der Polizei über das lokale Engagement informieren.

Als Ort für das Gespräch wurde nicht umsonst das Efzet gewählt – wenn auch ohne Jugendliche. Die Stadt zielt mit der Präventionsarbeit vor allem auf die Heranwachsenden. Rund 3500 Einwohner in Vilbel sind zwischen zwölf und 21 Jahre alt. Von den knapp 1900 Straftaten pro Jahr, die in der Stadt bekannt werden, werden ein Drittel von Jugendlichen verübt – angefangen von Ladendiebstahl bis Brandstiftung. Das berichtete Torsten Werner, Leiter der Vilbeler Polizeistation.

Der Staatssekretär erkannte im bisherigen Präventionserfolg auch den Einsatz von Polizeihelfern. Er forderte, die ehrenamtlichen Streifengänger, die der frühere Innenminister und heutige Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) im Jahr 2000 eingeführt hatte, kreisweit zu etablieren. Damit dies nicht an den Kosten scheitert, sollten sich „mehrere Kommunen zusammenschließen“, sagte Koch. Ob eine Ausweitung des ehrenamtlichen Polizeidienstes einen Personalabzug aus den Polizeistationen zur Folge haben könnte, ließ der Staatssekretär hingegen offen.

Die blauuniformierten Ehrenamtlichen sind nach Aussagen von Erstem Stadtrat Jörg Frank (CDU) ein Teil des Bad Vilbeler Präventionsmodells mit seinen verschiedenen Arbeitskreisen – etwa zum Thema Sucht und Gewalt. Derzeit stehen acht Polizeihelfer auf der Vergütungsliste der Stadt. Die Streifengänger, die maximal 20 Stunden im Monat im Einsatz seien dürfen und lediglich die Aufgabe haben, alles zu beobachten und Verdächtiges zu melden, erhalten sieben Euro in der Stunde als Vergütung.

In den nächsten Wochen werde die Soll-Stärke von zehn Personen nach dem Koordinationsvertrag wiederhergestellt, erklärte Ordnungsamtsleiter Matthias Stengel. Gespräche mit Bewerbern stünden an. Die Nachfrage bei Anwärtern sei derzeit gut. Das aktuelle Team besteht aus fünf Frauen und drei Männern im Alter von Mitte 30 bis Mitte 60.

Der älteste Polizeihelfer war bis vor kurzem Ludwig Steinbeck. Er wurde gestern offiziell aus dem Dienst verabschiedet. Gern hätte er mit seinen 70 Jahren noch weitergemacht, wie er sagte. Doch der Gesetzgeber lässt es nicht zu. Steinbeck gehörte zu den Polizeihelfern der ersten Stunde in Bad Vilbel. Mit 63 Jahren verpflichtete er sich für den Dienst.

Volles Lob für die Vilbeler Polizeihelfer äußerte auch Manfred Schweizer, Chef der Polizeidirektion Wetterau, beim Besuch aus Wiesbaden. Die Ehrenamtlichen würden in den Revieren keine Mehrbelastung verursachen. Die Polizei setzt die Leute nach Anforderung der Kommunen ein, gibt die Ausstattung wie Pfefferspray aus – und nimmt sie nach dem Einsatz wieder in Aufbewahrung. Kritiker der Polizeihelfer monierten unter anderem diesen Mehraufwand für die Beamten in Uniform.

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