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Der Klang von Marmelade

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Von: Detlef Sundermann

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Anne Simmering steht ganz allein auf der Bühne.
Anne Simmering steht ganz allein auf der Bühne. © Rolf Oeser

„Alice im Wunderland“ bei den Burgfestspielen / Anne Simmering spielt allein

Der Theaterkeller scheint der richtige Ort für verschrobene Geschichten zu sein. Nach „Shockheaded Peter“ und „Geierwally“ kommt nun „Alice im Wunderland“ hinzu. Und wieder wird es eine Ein-Frauen-Inszenierung mit Anne Simmering werden. Intendant Claus-Günther Kunzmann erklärte dies gestern bei der Vorstellung der Produktion mit der überzeugenden Fähigkeit der Schauspielerin und Sängerin, in mehrere Rollen zu schlüpfen – quasi ein komplettes Ensemble zu ersetzen. Die Vilbeler Fassung über die skurrilen Erlebnisse aus der Traumwelt der Alice ist für Kinder nicht geeignet, so Kunzmann.

„Es geht in dem Stück nicht um ein Mädchen, sondern um eine junge Frau“, erläuterte Regisseurin Kirsten Uttendorf. „Was will eine heutige Frau erleben“, nannte sie als Motto für die Umsetzung des Kinderbuchs des britischen Autors Lewis Carrol. Im Gegensatz zur Alice im Original handelt es sich nun um eine aktive Protagonistin, die vom weißen Kaninchen begleitet, aber nicht in die Fantasiewelt hineingeführt wird.

Ähnlich der 2010 unter der Regie von Tim Burton verfilmten Version, soll auch die Alice in der Quellenstadt als selbstbewusste Frau aus der fantastischen Unterwelt wieder in reale Gegebenheiten zurückkehren.

Figuren als Ballons

Simmering wird die vielen Figuren in der Geschichte nicht verkörpern indem sie beispielsweise mal das Kaninchen oder mal der Hutmacher darstellt. Sie wird die Charaktere aus der Ich-Perspektive sprechen lassen. Schwarze, schwebende Luftballons bilden die Stellvertreter der Figuren. Die Ballons werden ebenso wie die Schaumstoffmatten auf dem Boden als variable Kulisse eingesetzt und so etwa die Tafel zur Teeparty oder ein Labyrinth abgeben. Für die Ausstattung ist Claus Stump verantwortlich, der wie Uttendorf erstmals für die Burgfestspiele tätig ist.

Einen Namen hat sich hingegen Markus Höller in Vilbel gemacht. Er trägt nicht nur zur musikalischen Begleitung der Gesangsnummern (poetische und schreckliche Kinderlieder sowie zwei Stücke aus dem Musical) von Anne Simmering bei. Höller macht die Welt der Alice hörbar, so etwa den Klang von Orangenmarmelade.

Eine Regieeingebung, die der Intention von Carroll nicht fern ist. Wenn in Träumen alles möglich ist, warum soll Orangenmarmelade dann nicht auch einen Klang besitzen. Ohne viel zu verraten, kündigte Höller den mit „bitter“ an. Wie Anne Simmering wird er den musikalischen Teil allein bewältigen.

Rund 80 Minuten wird die Aufführung als Spätprogramm im Burgkeller laufen, was für Regisseurin Uttendorf ebenfalls eine Herausforderung bedeutete. Die Rahmenhandlung ist gestrichen worden. Das Publikum wird zu Beginn gleich eine sich (bewusst) fallen lassende Alice sehen. Auf einen episodenhaften Aufbau, wie er im Buch zu finden ist, ist nicht allein wegen der Zeit, sondern auch wegen der Dramaturgie verzichtet worden. Anne Simmering sprach von einer verdichteten, kollagenhaften Inszenierung.

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