Nidda

Klage gegen Industriegebiet in Nidda

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Die Bürgerinitiative für Lebensqualität (BINLE) in Nidda sieht erhebliche Belastungen auf Anwohner und Natur zukommen.

Vor rund neun Jahren wurden auf dem Industriegelände nahe dem Segelflugplatz die letzten Spanplatten hergestellt. Dann wurde das ehemalige Hornitex-Werk, zuvor im Konkursverfahren von der Pfleiderer AG übernommen, stillgelegt. Doch für die Bürgerinitiative für Lebensqualität (BINLE) in Nidda kehrte danach nur vorübergehend Ruhe ein.

Über Jahre hatte die BI gegen die zeitweise extreme Luftverschmutzung durch den Betrieb, der 1969 mit der Produktion begann, gekämpft. Laut BINLE sollen jahrelang PCB-haltige Harzleime verwendet worden sein. „Hornitex färbt den Himmel über Nidda schwarz-blau“, heißt es noch auf der Internetseite der BI. Nun fürchtet die BI die Ansiedlung neuer Fabriken auf dem mehr als 20 Hektar großen Industriegelände. Gegen den „natur- und gesundheitsbelastenden“ Bebauungsplan der Stadt von 2016 hat sie nun Normenkontrollklage beim Hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel eingereicht.

„Es gab schon Anfragen von Firmen, die Bahnschotter recyceln, Bauschutt verarbeiten und Altholz recyceln“, sagt BINLE-Sprecher Gerhard Wolf der FR. Letzterer habe schon die Genehmigungsfähigkeit einer solchen Anlage prüfen lassen, teilt das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt der FR mit. „Im August 2018 hat die Antragstellerin mitgeteilt, dass sie das Vorhaben nicht weiterverfolgt. Der Vorgang ist deshalb inzwischen beim RP beendet.“

Doch laut Wolf ist die Gefahr damit nicht gebannt. Weil die Stadt ein angrenzendes Wohnquartier zu Mischgebiet deklariert habe, seien dort nun höhere Grenzwert etwa bei der Feinstaub- und Verkehrsbelastung erlaubt. Mit bis zu 300 zusätzlichen Lastwagen pro Tag auf der Ortsdurchfahrt sei zu rechnen. Deshalb sei die Umwidmung Teil der Klage, ebenso Bodenbelastung und unzureichende Bodenuntersuchungen.

Gelände dekontaminieren

BINLE fordert, das gesamte Gelände zu dekontaminieren, vor weiteren Gewerbe- oder Industrieansiedlungen. „Bei einem GAU könnten mehrere Millionen Liter Grundwasser kontaminiert werden“, so die BI. Denn das Gelände werde vom Grundewasserschutzgebiet Rainrod/Nidda/Orbes umschlossen, die Nidda fließe nur 45 Meter daran vorbei. Auch das Natura-2000-Gebiet Am Orbes liegt in der Nähe. Die Stadt und die Grundbesitzerin, die Weimer GmbH in Lahnau bei Wetzlar, hätten „alle Probleme“ nur „in die Zukunft verlagert“, so Wolf.

Geschäftsführer Martin Bender dementiert. Es werde kein Recyclingunternehmen angesiedelt. „Das damit verbundene Verkehrsaufkommen würde auch gegen den städtebaulichen Vertrag verstoßen“, sagt er. Zurzeit seien 80 000 Quadratmeter entwickelt, zu den Nutzern zählten etwa ein Vermieter von Gastronomiezelten und ein Internethändler. Das Unternehmen bestehe dort seit vier Jahren und werde in Nidda „super akzeptiert“. Die Firma wolle expandieren, es laufe das Genehmigungsverfahren für eine zweite Zufahrt. Bei der Suche nach weiteren Mietern stimme man sich mit der Kommune ab.

Zudem werde Fläche nur mit jedem neuen Mieter saniert. Das alte Kraftwerk soll demnächst abgerissen werden. Die Bodenkontamination sei dokumentiert und unter Aufsicht des RP Darmstadt erfolgt. Die sanierten Flächen seien zur weiteren Nutzung amtlich freigegeben. Bürgermeister Hans-Peter Seum (parteilos) lobt die Vorgehensweise. Das Gelände sei jedoch schon vor Hornitex belastet gewesen. Holzschwellen für Eisenbahngleise seien dort imprägniert worden. „Bei der Sanierung werden alle zuständigen Behörden beteiligt“, so Seum. Mit Weimer habe die Stadt einen verlässlichen Partner. „Was nun passiert, ist toll“, sagt er mit Blick auf die ersten Betriebsansiedlungen. Dass damit auch das Verkehrsaufkommen wieder steige, sei unausweichlich.

www.binle-nidda.website

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