Bei der Probe: Harald Hieronymus Hein (Zweiter von rechts) spielt den Figaro.
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Bei der Probe: Harald Hieronymus Hein (Zweiter von rechts) spielt den Figaro.

Burgfestspiele in Bad Vilbel

Kindgerechter Figaro

  • Andreas Groth
    vonAndreas Groth
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Die Burgfestspiele in Bad Vilbel zeigen Mozarts Oper "Figaros Hochzeit" in einer Version, die sich schon für Fünfjährige eignet. Der Regisseur arbeitet mit weniger Rollen und einer kürzeren Spieldauer.

Verwirrungen und Vertauschungen sind Hauptzutaten von Figaros Hochzeit. Daraus eine Kinderoper zu machen, ist eine Herausforderung, der sich Regisseur Benedikt Borrmann angenommen hat. Er will Mozarts 1786 uraufgeführtes Werk bei den Bad Vilbeler Burgfestspielen für Jungs und Mädchen ab fünf Jahren inszenieren. Seit vier Wochen probt das Ensemble in einer Reithalle in Dortelweil.

Borrmann hat Mozarts gut vierstündiges Original in eine kompakte Version verwandelt, 75 Minuten lang. Eine Sprachbarriere gibt es nicht: Um die Kinderoper zu verstehen, müssen die jungen Zuschauer freilich kein Italienisch lernen. Anders als im Original („Le nozze di Figaro“) werden sich Susanna und Figaro auf Deutsch ihrer Liebe versichern und der Graf und die Gräfin auf Deutsch streiten.

Begleitet wird das Geschehen nicht von einem Orchester, sondern von einem Quartett: Flöte, Geige, Fagott und Klavier. Große Arien müssen die Kinder in der Wasserburg nicht ertragen. Sie wurden laut dem musikalischen Leiter, Markus Höller, gestrichen.

Seit Jahren arbeitet das Team der Burgfestspiele große Inhalte auf diese Weise kindgerecht auf. Dass die Burgfestspiele als Freilichttheater eine Oper für alle ab fünf Jahren auf die Bühne bringen, ist in Hessen ein Unikum. Im vergangenen Jahr war mit der Zauberflöte Mozarts letztes Werk in Bad Vilbel zu sehen. Mehr als 11 600 Zuschauer sahen sich die Oper an. Seit sieben Jahren arbeiten die Burgfestspiele für die Kinderoper mit der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt zusammen. Studierende der Hochschule bekleiden die Rollen.

Bei Borrmanns Inszenierung sind davon weniger zu besetzen als im Original. Den Kinder fällt es so leichter der Handlung zu folgen. Außerdem steht für den Regisseur die Trauung unangefochten im Vordergrund. „Der große Hauptstrang ist die Hochzeit, die immer wieder verhindert wird“, sagt Borrmann. Man habe viele „Nebengeschichten“ des Originals herausgenommen. In der Vilbeler Wasserburg steht die Heirat von Figaro und seiner Susanna als Höhepunkt am Ende der Geschichte, während Mozart die beiden schon im dritten Akt heiraten lässt.

Bis dahin erleben die jungen Besucher viel von etwas, was sie selbst gerne machen. „Verkleiden und Verstecken spielen bei uns eine sehr große Rolle“, sagt Borrmann. Anders als die Erotik, die Mozarts Original eigen ist.

Gleichwohl sollen die Kinder nicht nur Eindrücke sammeln, sondern auch eine Erkenntnis über die Menschen gewinnen. „Eindeutigkeit gibt es nicht, da ist keiner nur gut oder nur schlecht“, so der Regisseur. Das sollen schon die Jüngsten begreifen.

Für Harald Hieronymus Hein, der den Figaro spielt, ist sein Charakter trotz aller kindgerechten Anpassungen keine anderer als im Original. Die herausgekürzten Szenen und Musikstücke fielen in seiner Vorbereitung nicht unter den Tisch. „Darüber muss reflektiert werden.“

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