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Am Standort Karben wissen die Beschäftigten von Conti nicht, wie es weiter geht.
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Am Standort Karben wissen die Beschäftigten von Conti nicht, wie es weiter geht.

Continental in Karben

Vorzeigewerk auf Abruf

960 Mitarbeiter vom Autozulieferer Continental warten seit Wochen auf die Fortsetzung ihres Tarif-Vertrags. Die Mitarbeiter befürchten, dass ihr Arbeitgeber zugunsten osteuropäischer Standorte auf der Streichliste steht.

Von Peter Hauff

Die Aktienkurse des Autozulieferers Continental sind im Höhenflug. Auf der Messe IAA in Frankfurt hat der Konzern vor wenigen Tagen eine rosige Zukunft für Autos gemalt, die auf Teilstrecken automatisch lenken können, ohne dass ein Fahrer am Steuer eingreift. Elektronikteile für diese Technik werden zurzeit in Karben hergestellt. Trotzdem müssen sich die Mitarbeiter im früheren Siemens VDO-Werk wieder einmal fragen, ob ihre Fabrik auf der Streichliste steht, zugunsten tschechischer oder rumänischer Fertigungsstandorte. Für weniger Lohn produzieren die Kollegen im Ausland das Gleiche wie die 960 Kollegen der Continental Automotive in Karben. Im rumänischen Temeswar eröffnete der Conti 2012 zudem ein modernes Entwicklungszentrum mit 2000 Angestellten.

Wie lange deshalb noch Leiterplatten ins 50 Kilometer entfernte Schwesterwerk Babenhausen geliefert werden, wissen die Mitarbeiter nicht. In Babenhausen plant ihr Konzern den Abbau von 450 Stellen. Ein Kompromiss, mit dem die Belegschaft den Standort rettete, an dem zurzeit 2300 Beschäftigte tätig sind. Dafür verzichten die Arbeiter weiterhin auf eine 35-Stunden-Woche und leisten unbezahlte Zusatzstunden. Ein ähnliches Angebot liegt in Karben noch gar nicht auf dem Tisch. Betriebsratsvorsitzender Udo Meides weiß zwar, dass der Konzern auch von seinem Standort erwartet, dass Produktionskosten bis zum Jahr 2018 um 4,4 Millionen Euro sinken. Wie sich die Continental AG das vorstellt, darüber hüllen sich sowohl die Manager in Hannover, als auch Werksleiter Jürgen Martin seit August in Schweigen. Wer im Dunkeln sitzt, fühlt sich selten wohl: „Die Kollegen sind frustriert und haben Angst um ihren Arbeitsplatz“, berichtet Meides. Der Gewerkschafter kann sich lebhaft an den Stellenabbau im Jahr 2008 erinnern. Mehr als 150 Beschäftigte landeten damals in einer Transfergesellschaft, erhielten Aufhebungsverträge oder gingen in Altersteilzeit.

Schwacher Automarkt

Automobilzulieferer wie Conti stehen unter immer stärkerem Druck der Hersteller. Je kleiner ihre Zahl, desto mächtiger sind einzelne Lieferanten. Das mögen die Autokonzerne nicht gerade. Branchenkenner Marcus Berret von der Unternehmensberatung Roland Berger warnt deshalb, dass bei Zulieferern in Deutschland in den kommenden Jahren gut 20.000 Jobs gefährdet seien. „Wir schauen gerade nach, was man tun kann, um das Werk gesund zu halten“, sagt Conti-Konzernsprecher Enno Pflug auf die Frage, warum das Angebot neuer Tarifverträge so lange auf sich warten lässt. Gegenüber der Frankfurter Rundschau nennt er die Elektroniksparte in Karben gleichwohl ein „Vorzeigewerk“. Laut Betriebsrat haben es die Mitarbeiter sogar in die Endrunde im Wettbewerb um die „Fabrik des Jahres 2013“ geschafft. „Davon können wir aber auch nichts kaufen“, ärgert sich Meides. „Der Arbeitgeber spielt ein äußerst gefährliches Spiel, wenn er nicht endlich zum Verhandlungstisch zurückkehrt – dabei geht es um Menschen, um Existenzen.“

Wegen der wahrscheinlich auch in Zukunft geltenden Schwäche auf Europas Automarkt kündigte der Konzern im August gegenüber seinen Aktionären an, er werde den Umsatz in anderen Branchen, also außerhalb Kraftfahrzeugen, von 30 auf 40 Prozent steigern. Auf diesem Feld produziert die ebenfalls in Karben sitzende Schwester Contitech. Sie ist von Kürzungsplänen nicht betroffen. Mit rund 700 Mitarbeitern stellt sie Schläuche und Gummiteile her, die nicht nur in Autos, sondern in der boomenden Rohstoffbranche gefragt sein könnten.

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