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Margarethenhof-Inhaber Karl Wilhelm Kliem im wieder aufgebauten Hühnerstall.

Karben

Ursache für Großbrand in Karben bleibt wohl ungeklärt

Auf dem Margarethenhof in Karben kehrt ein Jahr nach dem Unglück wieder Normalität ein. Es gibt  20.000 neue Hennen.

Von Niklas Mag

Karl Wilhelm Kliem und sein Margarethenhof haben ein hartes Jahr hinter sich. In der vergangenen Woche jährte sich der große Brand, der den Betrieb in ein tiefes Loch gestürzt und 5000 Hühnern das Leben gekostet hatte. Doch langsam stellt sich wieder Normalität auf dem Hof ein.

Ganz sachte klopft der Landwirt gegen die Tür eines nagelneuen Stalls. Erst vor wenigen Tagen sind hier 20 000 neue Hennen eingezogen. Um die Tiere nicht zu erschrecken, kündigt sich der Inhaber des Margarethenhofs lieber vorsichtig an. Im Zeitlupentempo öffnet er dann die Tür zu dem riesigen Gebäude und betritt den neuen Stall.

Diesen nach dem Großbrand neu zu errichten, hat dem Karbener viel abverlangt. Als sich der Unglückstag am 2. November erstmals jährte, „haben wir schon daran gedacht“, sagt Kliem. „So etwas brennt sich ein, aber wir haben keine große Gedenkfeier veranstaltet oder so etwas.“ Schließlich halten Hof und Stallneubau ihn durchgehend beschäftigt. „Das lenkt zum Glück ab.“

Der Stall wurde bis auf einige Anpassungen eins zu eins wieder aufgebaut. „Wir nutzen jetzt andere Lampen. Diese LEDs sind so eingestellt, dass sie perfekt für die Augen der Hühner geeignet sind, und es kann nicht noch einmal so etwas passieren, wie mit dem Brand.“ Die Ursache könne nicht zu einhundert Prozent geklärt werden, doch vermutlich sei ein Defekt in einer der Deckenlampen schuld an dem Inferno im vergangenen November gewesen.

Die Ursache des Großbrandes vor einem Jahr ist weiterhin unklar. Gehe man nach dem Ausschlussverfahren vor, erklärt Karl Wilhelm Kliem, so blieben eigentlich nur die Lampen übrig. „Wahrscheinlich hat sich ein Kabel gelöst und zwar so, dass die Sicherungen nicht herausgeflogen sind“, sagt der Hofinhaber. „Dadurch ist ein Lichtbogen entstanden, der vermutlich den Staub im Stall entzündet hat. Doch wir können es nicht mit Gewissheit sagen.“

Das Gebäude war nach dem nächtlichen Feuer völlig zerstört. 5000 Hühner konnten nicht rechtzeitig gerettet werden. Die Tierschutzorganisation Peta hatte den Hof danach angezeigt, allerdings bei der falschen Staatsanwaltschaft. Danach habe sich das Ganze verlaufen, berichtet Kliem. nma

„Wir hatten viel Arbeit hiermit“, sagt Kliem. „Obwohl wir den Stall genau so wieder aufgebaut haben wie er war, mussten wir neue Genehmigungen einholen und zwar von 14 verschiedenen Behörden.“ Das habe seine Zeit gedauert. „Jeder Tag ohne den Stall bedeutete für uns erhebliche Einbußen.“ Er sei dem Regierungspräsidium Darmstadt sehr dankbar. Der zuständige Mitarbeiter habe die Lage des Betriebs erkannt und an allen Schrauben gedreht, um möglichst schnell alle Genehmigungen zusammenzubekommen.

Den Verlust der Hühner und des Stalls konnte der Betrieb nur verkraften, weil der Hof noch andere Standbeine hat. „Ein reiner Legebetrieb wäre pleitegegangen“, vermutet Kliem. Doch so langsam komme der Hof aus seiner Versorgungslücke heraus, produziere wieder fast so viele Eier wie zu besten Zeiten. 55 000 Eier pro Tag ist das Soll. Bei voller Auslastung soll der Margarethenhof 60 000 Hühner beherbergen.

„Natürlich mussten wir auch sämtliche geplanten Investitionen nach hinten verschieben, weil das Geld dafür nicht mehr da war“, erläutert der Landwirt. Dennoch schauten er und seine Mitarbeiter nun wieder nach vorne. „Wir bauen derzeit einen Wintergarten an und werden acht Hektar um den neuen Stall herum einzäunen. Das wird eine Freifläche für die Hühner, so können wir Hühner in Freilandhaltung halten.“ Gesät sei auf der riesigen Fläche bereits, der 1,5 Kilometer lange Zaun komme noch im Dezember.

Auch was die Versorgung der Tiere angeht, plant Kliem Großes: „Weizen und Mais bauen wir bereits selbst an, zukünftig werden wir auch Soja selbst anbauen“, sagt er. „Das importieren wir derzeit noch aus der Donauregion. Doch auf 30 Hektar Anbaufläche können wir uns damit selbst versorgen und kommen damit unserem Ziel näher, einhundert Prozent der Tiernahrung selbst anbauen zu können.“

Nach dem Brand hätten er und seine Mitarbeiter viel Unterstützung von den Karbenern erfahren. Das habe ihm großen Mut gemacht. „Die hohe Anteilnahme war überwältigend und deshalb wollen wir den Karbenern etwas zurückgeben“, sagt der Hofchef. „Wir wollten eigentlich noch in diesem Jahr ein Fest wie einen Tag der offenen Tür veranstalten, doch wegen des hohen Arbeitsaufwandes ging das nicht“, bedauert er und kündigt an: „Das werden wir nachholen, wenn die Freilandhaltung fertig ist. So können wir das auch gleich der Öffentlichkeit präsentieren.“

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