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Kleine Inseln sorgen dafür, dass der Fluss wieder natürlicher fließt.

Bauarbeiten

„Die Stadt liegt wieder am Fluss“

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Die Renaturierung der Nidda in der Kernstadt in Karben ist abgeschlossen. Der Radweg ist geöffnet.

Nach rund ein Jahr Bauzeit ist gestern eine weitere Nidda-Renaturierung beendet worden. Gefeiert wurde nicht nur der Abschluss erheblicher Bauarbeiten. „Karben liegt jetzt wieder am Fluss“, sagte Bürgermeister Guido Rahn (CDU) in bester Laune. Die Nidda sei für die Einwohner wieder wie früher erlebbar. Die Baukosten betragen knapp 3,8 Millionen Euro.

Seit der 1960er Jahren sah die Nidda bei Karben wie ein schnurgerade durch die Landschaft gezogener, übergroßer Entwässerungsgraben aus, mit hohem, kastenförmigen Flussprofil, um das gelegentliche Hochwasser zu bändigen. Die nahe Uferlandschaft links und rechts wirkte aufgeräumt. Dieser Zustand ist nunmehr auf rund eineinhalb Kilometer im Bereich der Kernstadt nicht mehr vorhanden. Uferzonen verlaufen zum Teil so flach, dass sie Besucher an ihren kiesigen Strand locken – was auch von den Planern gewollt ist. Ein, zwei Quadratmeter große Inseln aus Erde und Kies auf dem Sanierungsabschnitt brechen die Strömung. Das Flussbett schlängelt sich so gar wieder, ein bisschen hüftsteif, aber immerhin. Und an einer Stelle wurde der alte Nidda-Bogen wiederhergestellt, der den einstigen Kanal umfließt. Dazwischen liegt nun ein ordentliches Eiland. Gegenüber türmt sich ein aus Aushub geschaffener Hügel, der einen Blick über die Landschaft zulässt.

Dass die Renaturierung so geworden ist, wie sie sich nun zeigt, sieht Rahn als Ergebnis einer breiten Beteiligung, bei der auch Bürger sowie BUND und Nabu einbezogen wurden. Gerade die Naturschutzorganisationen hätten viele Ideen wie die der großen Insel eingebracht. Michael Denk, Abteilungsleiter des hessischen Umweltministeriums, sprach von einer beispielhaften Renaturierung, die in eine Landespublikation über gelungene Projekte aufgenommen werden soll.

Die Renaturierung benötigte laut Rahn fünf Jahre, auch wegen gesetzlicher Auflagen. Auch bautechnisch soll es ein Kraftakt gewesen sein. Allein 60 000 Kubikmeter Erde wurden bewegt und 2500 Tonnen Felsgestein im Flussbett platziert etwa für Buhnen, die wie kurze Landzungen in den Fluss ragen, um ihn zu bremsen. Vor den eigentlichen Renaturierungsarbeiten wurden ein halbes Jahr zuvor mit den Vorbereitungen begonnen, dazu zählen die Verlegung von Strom- und Telefonkabel oder einer Mineralwasserleitung der Hassia. Durch die Aufweitung des Flussbettes durfte der Hochwasserschutz nicht verloren gehen. Daher mussten zunächst die Dämme landeinwärts versetzt werden, berichtet Heiko Heinzel, Fachbereichsleiter Stadtplanung und Bauen. Auf der Dammkrone wurde der neue Radweg gebaut, jedoch nicht als Velo-Rennstrecke, sondern auch mit einem touristischen Wert. Der Radweg soll ab heute baustellenfrei befahrbar sein.

Die Begrünung wird weitgehend der Natur überlassen, vor allem in den neuen Uferzonen, sagt Heinzel. Demnächst werden Sitzbänke und Papierkörbe installiert. Zudem werden Liege- und Sitzpodeste auf einer Wiesenterrasse aufgestellt. Voll eingerichtet erscheint hingegen der Spielplatz am Rathaussteg. Bürgermeister Rahn betonte, dass dort das Thema Wasser umgesetzt worden sei, mit Wasserspielgeräten und einem Piratenschiff. Fertig ist man in Karben mit der Nidda-Renaturierung nun nicht. Jetzt geht es in Richtung Okarben weiter, gab Rahn wie eine Losung aus.

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