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Schlichtes Verse

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Joachim Schlichtes Gedichte wanderten für 30 Jahre in die Schublade.
Joachim Schlichtes Gedichte wanderten für 30 Jahre in die Schublade. © Renate Hoyer

Dreißig Jahre lang hat er für die Schublade geschrieben. Dann, im März 2010, veröffentlichte Joachim Schlichte seinen ersten Gedichtband „auch elefanten weinen“. Es folgten gut besuchte Lesungen. Heute Abend stellt er sein zweites Buch vor.

Von Jana Tempelmeyer

Großbuchstaben verwendet er kaum, auf Satzzeichen verzichtet er fast immer. Seine Gedichtzeilen sind oft nur einzelne Wörter, sein Buchcover bricht mit den gängigen Traditionen von Reihenfolge und Anordnung. „Weil Konventionen manchmal langweilig sind“, sagt Joachim Schlichte, „Neukommer“ in der Welt der Autoren, wie er sich nennt.

Dreißig Jahre lang hat er für die Schublade geschrieben, bis er im März dieses Jahres seinen ersten Gedichtband „auch elefanten weinen“ beim Geest-Verlag veröffentlichte. Dann ging alles Schlag auf Schlag; es folgten gut besuchte Lesungen, ein paar Monate später wurde sein zweiter Band gedruckt. Am heutigen Mittwoch stellt er sein neues Werk „nur helikopter fliegen“ in der Kulturscheune Karben vor.

Der promovierte Musikwissenschaftler schimpft über die Schindluder, die mit der deutschen Sprache getrieben werden. Insbesondere der „Mehlkontakt“, wie er es belustigend nennt, sei oftmals eine Zumutung. In E-Mails wimmele es von immer wiederkehrenden Zeichensetzungsfehlern. „Jetzt schaffe ich die Zeichensetzung ab“, war seine Reaktion darauf, die er auch in seinen Gedichten umgesetzt hat. Seitdem haben Punkte, Kommata und Fragezeichen eine intensivere Bedeutung für ihn bekommen. „Ich erlaube mir, Satzzeichen anders zu benutzen, sinngemäß“, sagt Schlichte.

Er wünscht sich, dass die Menschen einfach mal den Computer aus- und „ihr Gehirn einschalten“. Von digitalen Rechtschreibprogrammen hält er gar nichts. „Konzentration auf das Wesentliche“ ist sein Credo beim Schreiben.

Aha-Erlebnis im Sommer

1947 in Lübeck geboren, kommt er mit 17 Jahren nach Frankfurt. Dort holt er sein Abitur nach, studiert Musik, Germanistik und Kunst. Später arbeitet er für die deutsche Forschungsgemeinde. 1990 entscheidet er sich, sich um seine Familie zu kümmern und nicht weiter einem geregelten Arbeitsverhältnis nachzugehen.

Seit dreißig Jahren verfasst Joachim Schlichte lyrische Texte. Vor fünf Jahren zeigte er einem guten Freund einige seiner Werke. Der Freund fand Gefallen an den Gedichten, machte Schlichte aber klar, dass eine Veröffentlichung auch bedeuten könne, in der Luft zerrissen zu werden. „Weiter Schublade“ war Schlichtes Reaktion. Damals hatte er Bedenken, die heute „absoluter Faszination gewichen sind“.

Im Sommer 2009 hat er sein Aha-Erlebnis. Während eines Urlaubs in der norddeutschen Heimat besucht er eine Lesung der Künstlerin Bettina Thierig und war total begeistert. Damals dachte er sich: „Du schreibst und schreibst und das vergammelt in den Schubladen.“

Er fasst seinen Mut zusammen, beginnt seinen „Schubladenwust“ zu durchforsten, schmeißt weg, korrigiert, verfasst neu. Im Oktober schreibt er fünfzehn Verlage an. Zuerst bekommt er nur Absagen, im Dezember dann die erste Zusage. Am Ende wollen ihn gleich vier Verlage unter Vertrag nehmen.

Joachim Schlichte stellt seinen Gedichtband „nur helikopter fliegen“ heute, Mittwoch, 17. November, ab 19 Uhr im JuKuZ Karben, Brunnenstraße 2, vor. Das im Geest-Verlag erschienene Buch kann man an diesem Abend oder im Buchhandel (ISBN 978-3-86685-255-6) für 11 Euro kaufen. Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei.

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