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Der letzte Weg ist ein schwerer. Ein Hospiz kann ihn wenigstens etwas erleichtern. Bild: Andreas Arnold

Karben

Oft reicht es, die Hand zu halten

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Zehn Jahre gibt es mittlerweile die Ambulante Hospizhilfe in Karben. 17 Frauen und Männer kümmern sich um die Sterbenden.

Unser Grundsatz lautet: Keiner soll einsam sterben müssen, wir wollen aber auch den Angehörigen Entlastung geben und Ängste nehmen“, sagt Ursula Jacobsen. Sie gehört zu den Aktiven der ersten Stunde in der Ambulanten Hospizhilfe Karben (AHK). Die frühere Sozialarbeiterin ist nicht nur Sterbebegleiterin, sie koordiniert auch die Einsätze der anderen 16 Hospizhelfer, darunter ist auch Werner Marburg. Die Betreuung seiner an Demenz erkrankten Schwiegermutter hat bei dem Banker in Ruhestand das Interesse an der Hospizarbeit geweckt. Er steht für die unterschiedlichen Menschen im Alter von 44 bis 74 Jahren, die sich in der AHK engagieren. Die AHK hat sich von Beginn an zudem zum Ziel gesetzt mit Themenabenden aus Vorträgen und Filmen den Tod zu enttabuisieren.

Gegründet wurde die AHK von der Karbener Ärztin Ellen Wedekind und ihrer früheren Patientin Sofie Oellerich, die kürzlich verstarb. Wedekind nahm als Kleinstadtärztin sehr deutlich die Ängste und Nöte in den Familien von Sterbenden wahr. Und weil die Nonnen schon weitestgehend aus der Pflege verschwunden waren, habe sie sich über Stunden und Nächte an das Bett von Sterbenden gesetzt, um sie mit ihren „Ängsten, Einsamkeiten und Fragen nicht allein zu lassen“, so Wedeking. Anregt durch Hospizgruppen in England, die mittlerweile auch in anderen Städten in der Wetterau entstanden, stellte sie die Ambulante Hospizhilfe Karben auf die Beine.

„Um Aktive zu bekommen, wurde in einer Zeitung inseriert. Es kamen viele Interessenten zum Auftakt, zehn sind letztlich geblieben und absolvierten die Ausbildung zum Sterbebegleiter“, sagt Jacobsen. Neben Theorie stehen 50 Stunden Praktika etwa in Pflegeheimen und Palliativstationen in Krankenhäusern auf dem Ausbildungsplan. Marburg erlebte gleich in seinem Praktikum den Tod zweier Palliativpatienten. „Das war für mich schon schwierig, aber keiner hat damals die Ausbildung abgebrochen“, sagt er.

Anfängliche Zurückhaltung

Wegen der dörflichen Struktur Karbens seien die Menschen anfangs gegenüber den AHK zurückhaltend gewesen. „Doch mit dem Wachsen der Gruppe ist auch das Bedürfnis nach einer Sterbebegleitung gestiegen“, so Jacobsen.

Meist seien es die Leitung der Karbener Pflegeheime oder Angehörige, die um Unterstützung anfragten. Dann steht für Jacobsen zunächst ein Antrittsbesuch bei dem Patienten und falls vorhanden bei der Familie an. „Ich frage alles ab, angefangen von den Hobbys“, sagt sie. Mit den Informationen sucht sie den passenden AHK-Helfer. Nicht selten mit der Frage an den Patienten: „Darf es auch ein Mann sein?“ Immerhin sind in der AHK vier Herren aktiv. So wurde etwa Marburg einmal etwa zu einem austherapierten Krebspatienten vermittelt. „Ich erwartete einen stumm im Bett liegenden Mann. Doch als ich das Zimmer betrat, saß er im Bett, um ihn herum Fotografien aus seiner Heimat, über die der Mann sehr plastisch zu erzählen begann. Das hat mich wirklich interessiert. Das hat er erkannt und hat ihn glücklich gemacht.“

„Wenn möglich, fragen wir nach den Gesprächswünschen der Patienten, die können sein das Leben, Hobbys, Tod oder Gott-und-die-Welt“, sagt Jacobsen. Oft werde nur die Hand des Todkranken gehalten oder man sitze schweigend am Bett. „Wir wollen für den Patienten, dass auch das Lebensende noch lebenswert ist“, sagt sie.

Im übertragenen Sinn gilt dies ebenso für die pflegenden Angehörigen, die mit dem Besuch mindestens eine Stunde Entlastung in der Woche erhalten. Für nicht wenige sei dies der Moment, die Gedanken mal auf sich selbst zu lenken, heißt es.

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