Karben

Petterweil bleibt für sich

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Die Kirchengemeinden in Karben sollen zusammen gelegt werden. Doch die Protestanten in Petterweil lehnen das ab - mit Blick auf den dann gemeinsamen Etat.

Heike Weber vom Petterweiler Kirchenvorstand reagiert auf Fragen zur Zusammenlegung der Ortskirchen gereizt. „Momentan ist die Sache sehr heiß“, sagt sie. Man soll noch einmal in zwei, drei Monaten nachfragen, es werde noch am Konzept gearbeitet. Mehr ist Weber nicht zu entlocken. Pfarrer Michael Neugber war wegen einer Dienstreise nicht zu erreichen. Die Protestanten im Stadtteil wollen lieber eigenständig bleiben, als sich mit den anderen zu verbünden. Denn das würde bedeuten, dass es nur noch einen Vorstand für alle EKHN-Kirchengemeinden in der Stadt und einen Etat für alle gäbe.

Auf Rat der Evangelischen Kirche Hessen Nassau (EHKN) sollen sich die 60 Glaubensgemeinschaften der EHKN in der Wetterau zusammenschließen. Die Rede ist von Kooperationsräumen, die verschiedene Möglichkeiten des Zusammengehens zulassen. Dies steht laut Dekanat etwa für Bad Vilbel, Bad Nauheim und Florstadt an. Keine Gemeinde solle hierbei ihre selbstständige Körperschaft verlieren. Die Kärbener Protestanten hätten sich wegen schon bestehender Zusammenarbeit auf Gebieten wie Konfirmantenseminare, Gemeindebrief oder Flüchtlingshilfe früher als andere auf den Weg gemacht und seien somit Vorreiter, heißt es.

Große Neubaugebiete, viele Neubürger, das alles geht offenbar an den evangelischen Kirchengemeinden in der Stadt ohne Wirkung vorbei. Die Mitgliederzahl sinkt sogar, so dass ab 2024 erneut eine halbe Pfarrstelle wegfällt, just in Petterweil. Dann werden vier Geistliche sechs Gemeinden betreuen, um den EKHN-Schlüssel von 1800 Gläubigen pro Pfarrstelle zu erfüllen. „Die Entscheidung, sich nicht der Karbener Gesamtgemeinde anzuschließen, ist eine Entscheidung des Kirchenvorstands, die wir zwar bedauern, aber voll und ganz akzeptieren“, sagt Dekan Guth auf Anfrage der FR. Einen Zwang, einer Gesamtgemeinde beizutreten, gebe es nicht. Für Verweigerer entstünden auch keine rechtlichen oder finanziellen Folgen, so der Dekan.

Auch Pfarrer Werner Giesler von der Klein-Kärbener Gemeinde bedauert die Absage aus Petterweil. „Die Besitztümer und die Arbeit der Kirchengemeinden werden mit dem Zusammenschluss nicht angetastet“, sagt Giesler. Es gehe um neue Perspektiven bei sinkenden Mitgliederzahlen. Bis 2021 soll ein Gesamtkirchengemeindevorstand gebildet werden, in den die größeren Gemeinden vier und die kleineren drei Vertreter hineinwählen. Die drei oder vier Gewählten bilden in ihrem Stadtteil den Ortskirchenausschuss, ähnlich einem Ortsbeirat in der Kommunalpolitik. Damit wird es von 2020 an einen Gesamtvorstand mit 17 Mitgliedern aus Groß- und Klein-Karben, Okarben, Kloppenheim, Burg-Gräfenrode und Rendel geben, zurzeit sind es 60, so Giesler. Dies vereinfache nicht nur die Kandidatensuche bei Vorstandswahlen – die nächsten sind 2021 –, sondern schaffe ehrenamtliche Ressourcen für die Gemeindearbeit. Zudem würden die Pfarrer nicht mehr einer Gemeinde zugeordnet. Auch ein zentrales Gemeindebüro solle möglich sein, dann jedoch mit längeren Öffnungszeiten.

Es soll am Ende der zwei Jahren auch einen gemeinsamen Etat geben, aus dem Projekte der Gemeinden bestritten werden. Laut Giesler ist Petterweil in diesem Punkt ausgestiegen. Der Vorstand soll ein eigenes Budget für den Ortskirchenausschuss gefordert haben.

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