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Mineralwasser ist längst passé

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Ein Foto von Brunnen und Abfüllbetrieb - vermutlich aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. © Red

Mit dem Zug rauscht man direkt daran vorbei. Wer mit dem Auto nach Karben hineinfährt, entdeckt den großen Schriftzug „Taunusbrunnen“ auf der Eisenbahnbrücke. Wo in früheren Zeiten ein riesiger Abfüllbetrieb und später dann ein Rüstungsbetrieb waren, ist ein modernes Wohngebiet entstanden. Ein Blick in die Geschichte.

Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters. Ist also Karbens Vorzeige-Wohngebiet zwischen Brunnenstraße und Main-Weser-Bahn schön? Für die einen ist es teures Wohnen im Reißbrett-Look, die anderen schwärmen von perfekter Verkehrsanbindung und kurzen Wegen zum Einkaufen. Und, man muss es zugeben: Wirklich schön anzuschauen war das Gelände vor den Baumaßnahmen nicht. Allenfalls umwehte die alte Industrieanlage ein gewisser morbider Charme. Im neuen Wohnviertel erinnern die beiden Straßennamen Am Taunusbrunnen und Franz-Krug-Straße an die Geschichte des zu Kloppenheim gehörenden Ortes. Es deutet nichts mehr darauf hin, dass auf diesem Areal einst „natürliches kohlensaures Mineralwasser ersten Ranges“ für die ganze Welt abgefüllt wurde. Der Taunusbrunnen war einer der größten Arbeitgeber in Karben.

1864 erwirbt die frühere Pächterin des Selzerbrunnens, Johanna Müller, das Gelände unweit ihres vormaligen Domizils. Es dauert aber noch Jahre, bis sie vom Kreisamt in Vilbel die Genehmigung zur Grundstücks- erschließung erhält. Erst im September 1872 wird die auf dem Gelände gefundene Mineralquelle von Otto Vogler aus Frankfurt und der Familie Müller-Marchand erbohrt.

Der Taunusbrunnen erfährt in den ersten Jahren wenig Konstanz. Immer wieder kommt es zu Besitz- und Namensänderungen. Nur ein Jahr nach seiner Inbetriebnahme kauft die Frankfurter Firma August Thiemann & Co. den Brunnen. Das Wasser gelangt in Steinkrügen (vielleicht auch schon in Flaschen) unter dem Namen „Natürliches Selser-Tafel-Wasser“ in den Handel. Professor Fresenius stuft das Produkt als wertvolles Mineralwasser ein. 1875 geht die gesamte Niederlassung in den Besitz des Kölner Hoteliers Jacob Friedrich über, der den Betrieb in „Neuer Selserbrunnen J. Friedrich“ umtauft. Aber auch dieses Unternehmen hat nicht lange Bestand. Eigentlich hätte dann sogar für einige Jahre der Union Jack über den Produktionshallen wehen müssen. Denn bis zur Mitte der 1890er Jahre übernimmt eine englische Firma mit dem sperrigen Namen „Taunus Spring Natural Water Company Limited of London“ den Betrieb der Anlage.

Ab 1896 tritt der Namensgeber der heutigen Franz-Krug-Straße in Erscheinung. Krug war unter dem Vorbesitzer als Geschäftsführer und Prokurist tätig. Er gründet die „OHG Taunusbrunnen Groß-Karben F. Krug & Co.“, den Betrieb kauft er allerdings erst im Jahr 1903. Die typischen Backsteingebäude lässt Krug nach einem Großbrand im Oktober 1913 errichten. Ihre Fassaden haben die Zeiten überdauert. Ein anderer Teil der Taunusbrunnenhistorie ist die Ansiedlung der Frankfurter Torpedo-Werke. Im Dezember 1943 werden sie als Teil der deutschen Rüstungsindustrie nach Groß-Karben verlegt, um die Waffenfertigung vor alliierten Bombenangriffen zu schützen. In den Hallen des Taunusbrunnens entstehen Zubehörteile für V-Waffen. Nach Kriegsende nehmen die Torpedo-Werke ihre herkömmliche Produktion von Schreibmaschinen und Fahrrädern wieder auf. Das Anwesen ist weiterhin von den Amerikanern beschlagnahmt und wird erst 1953 an die Familie Krug zurückgegeben. Für elf Jahre lebt die Mineralwasserabfüllung wieder auf. 1964 wird die Produktion endgültig eingestellt.

Jetzt gibt es am Taunusbrunnen 190 Wohneinheiten für bis zu 500 Personen. Das Wohnen in dem Komplex ist nichts für den schmalen Geldbeutel. Der Preis für eine Eigentumswohnung kann eine halbe Million Euro und mehr betragen. Auf dem Gelände haben sich inzwischen verschiedene Geschäfte und Dienstleister niedergelassen.

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Das einstige Wohnhaus und Verwaltungsgebäude des Taunusbrunnens. red (3) © Red
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Schild und Fassade haben es in die Moderne geschafft. schenk © Red
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Der Taunusbrunnen von den Bahngleisen aus fotografiert. © Red

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