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Marktlücke Kindertagespflege

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Gabriele Ratazzi-Stoll betreut das Karbener Büro für die Kindertagespflege.
Gabriele Ratazzi-Stoll betreut das Karbener Büro für die Kindertagespflege. © Monika Müller

Das Mütterzentrum vermittelt Betreuerinnen an Familien. Die Stadt fördert das Projekt mit 60.000 Euro pro Jahr.

Von Bruno Rieb

Die Stadt Karben hat Neuland bei der Kindertagespflege betreten. In ihrem Auftrag betreibt das Mütter- und Familienzentrum (Müze) den ersten lokalen Fachdienst Kindertagespflege in der Wetterau. 60.000 Euro pro Jahr gibt die Stadt für das Büro in Klein-Karben aus, das jetzt eröffnet wurde. Die Investition scheint sich zu lohnen. Das Büro sei bereits gut gefragt, sowohl von Eltern als auch von Frauen, die gerne Kinder betreuen wollten, berichtet Müze-Vorsitzende Gabriele Ratazzi-Stoll, die das Büro hauptamtlich betreut.

Die Nachfrage nach Betreuungsplätze ist deutlich größer als das Angebot. Derzeit betreuen sieben Tagespflegerinnen 26 Kinder. „Wir brauchen mindestens 43 Plätze, sagt Ratazzi-Stoll.

Es werden also noch mindestens fünf Pflegerinnen benötigt, denn eine darf maximal fünf Kinder betreuen. Oft seien Frauen, die sich dafür interessieren über die Anforderungen erstaunt, berichtet Ratazzi-Stoll. Wer mehr als 15 Stunden pro Woche und länger als drei Monate Kinder betreuen will , muss sich dafür qualifizieren.

Ein 80 Unterrichtseinheiten währender Grundlagenkurs muss absolviert werden. Der erstreckt sich über zwei bis drei Monate. Leider werde der Kurs in der Wetterau nur an Wochenenden angeboten, das halte Interessentinnen ab, beklagt Ratazzi-Stoll. Außerdem fehle eine Kinderbetreuung bei den Kursen. Weitere Voraussetzungen sind: ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis, das alle Familienangehörige ab 14 Jahre umfasst, ein ärztliches Attest und ein Erste-Hilfe-Kurs.

Außerdem kontrolliert das Jugendamt die Räume, in denen die Kinder betreut werden. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, wird eine Pflegeerlaubnis erteilt, die alle fünf Jahre erneuert werden muss. Alljährlich müssen 20 Stunden Fortbildung absolviert werden.

Der Job könne sich durchaus lohnen, meint Ratazzi-Stoll. Werde die Maximalzahl von fünf Kindern betreut, erhalte man 2.800 Euro im Monat brutto. Der Stundensatz pro Kind liege in Karben zwischen fünf und sechs Euro, 25 Euro bis 30 Euro bei fünf Kindern. Für Eltern ist es deutlich teurer, Kinder in Tagespflege zu geben als sie in den Kindergarten zu schicken. Die Kindertagesstätten subventioniert die Stadt allerdings auch mit über drei Millionen Euro im Jahr.

Die Tagespflege sei intensiver und familiengerechter, sagt Ratazzi-Stoll, die Ansprüche der Eltern oft größer. Ob und wie lange ferngesehen werden dürfe oder was es zu Essen gebe, könne zu Konflikten führen. Die Diplom-Pädagogin sieht ihre Aufgabe gerade auch darin, die Qualität der Betreuung zu gewährleisten, intensiven Kontakt zu den Eltern und den Pflegerinnen zu halten und bei Konflikten zu vermitteln.

Das Kindertagespflegebüro befindet sich in der Homburger Straße 1 in Klein-Karben, Telefon 06039/9340857. Es ist montags, dienstags, mittwochs und freitags von 9 bis 12 Uhr geöffnet sowie donnerstags von 16 bis 18 Uhr.

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