Vorstand Nico Ubenauf erwartet Hilfe von der Bundesregierung - und ist nicht der einzige.

Karben

Kurzarbeit bei Eventdienstleister in Karben

Die massenweisen Absagen von Veranstaltungen treffen das Karbener Unternehmen für Veranstaltungstechnik Satis & Fy hart. Die Umsatzausfälle sind so hoch, dass der Dienstleister ab April Kurzarbeit anmelden wird.

Nico Ubenauf ist ein erfolgsverwöhnter Mann. Der Vorstand des Karbener Eventdienstleisters Satis & Fy hat in den vergangenen Jahren nicht nur von ständig steigenden Umsätzen, sondern auch von einigen neuen Projekten und Erfindungen seines Unternehmens berichten können. Das in der Groß-Karbener Dögelmühle angesiedelte Unternehmen war ständig auf Expansionskurs. Das Wachstum war so stürmisch, dass in der letzten Zeit Bestrebungen für eine Expansion am Standort anstanden. Die Ausweitung auf die andere Niddaseite hinter das Hotel Quellenhof ist für den Bebauungsplan konkret angemeldet worden.

Doch nun muss sich Ubenauf mit ganz anderen Problemen herumschlagen. Seit Veranstaltung nach Veranstaltung wegen der Coronavirus-Pandemie abgesagt wird, brechen die Umsätze ein. Für den April seien sämtliche Aufträge storniert worden und der Umsatz komplett weggebrochen, sagte Ubenauf. Man erleide gerade einen Umsatzeinbruch von 80 bis 100 Prozent.

Vor einigen Wochen sah das noch ganz anders aus. Lukrative Aufträge waren ins Haus geflattert – keine kleinen, wie man sich denken kann. Denn für den Gitarren-Superstar Santana und seine Latin-Rock-Band sollte das Karbener Unternehmen ebenso die Licht- und Tontechnik zur Verfügung stellen wie für die norddeutschen Seemannslieder-Stars von Santiano.

Alles ebenso abgesagt beziehungsweise verschoben, ebenso wie viele Messen. Pressefrau Katrin Fougeray nennt einige Beispiele: „Bereits im März wurden zahlreiche Veranstaltungen abgesagt, die uns betroffen haben, wie etwa der Genfer Automobilsalon. Außerdem wurde die Frankfurter Fachmesse Prolight + Sound abgesagt, die im April stattgefunden hätte. Dort wären wir mit zwei großen Messeständen für zwei Lampenhersteller am Start gewesen. Auch Kunden wie die KPMG und die Deutsche Bank haben Events gecancelt. Aber auch der Rosenball in Berlin wurde storniert.“

DAS UNTERNEHMEN

Der Event-DienstleisterSatis & Fy hat seit 27 Jahren seinen Standort in Karben. Seit den Neunzigerjahren gilt Satis & Fy als führender Event-Dienstleister. Am inzwischen zu klein gewordenen Hauptsitz im Industriegebiet Dögelmühle sind aktuell 230 Mitarbeiter beschäftigt, weltweit sind es an neun Standorten mehr als 500, darunter sechs in Deutschland.

Der Umsatzim Jahr 2018 betrug noch rund 83 Millionen Euro und kletterte in der gesamten Live-Matters-Gruppe (zusammen mit der Habegger-Gruppe) auf rund 120 Millionen Euro.
Technik für Tourneen,Open-Air-Festivals, Messen, Retail-Stores und Ausstellungen stellt das Karbener Unternehmen bereit. Weltweit stemmt die Firma jährlich mehrere Tausend Veranstaltungen.

Bekannte Künstler,für die die Ton- und Lichttechnik aus Karben kam, sind unter anderem David Garrett und die Scorpions. Allerdings gilt das Augenmerk auch dem Heimatstandort Karben. So beteiligt man sich mit Bühnentechnik am jährlichen Karben Open Air und mit dem Berufsbildungswerk Südhessen gibt es eine Kooperation.

Gerade erst am Donnerstagmittag sei dann noch die Absage der Luminale in Frankfurt und Offenbach gekommen. „Dort hätten wir drei kleine Installationen umgesetzt, etwa ‚Der einsame Baum‘ der Künstlerin Kathi Käppel, die wir unterstützen.“

Keine Frage also: Für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gibt es zurzeit deutlich weniger zu tun. Man stehe in ständigem Kontakt mit ihnen, sagt Fougeray. Sie würden jetzt dazu angehalten, Überstunden abzubauen. „Ab April werden wir für alle deutschen Standorte Kurzarbeit anmelden und umsetzen“, teilt sie namens des Vorstandes mit. „Das tun wir, um Arbeitsplätze und die Liquidität zu sichern. In welchem Umfang genau, wird derzeit noch besprochen.“ Es werde auf ein Personal-Minimum umgestellt, sodass zumindest kurzfristige Projekt-Anfragen bearbeitet werden könnten.

Beim Vorstand hat man ein dickes Lob für die eigenen Mitarbeiter. „Wir sind sehr angetan von ihrem Beitrag, die Situation zu retten. Manche gehen jetzt schon in unbezahlten Urlaub, bieten temporäre Teilzeit an, verzichten auf ihre freiwilligen Zulagen oder spenden Überstunden. Das zeigt, wie solidarisch sich alle verhalten.“ Doch beim Vorstand weiß man auch, dass das alles die Situation nicht retten wird. Deshalb erwartet das Unternehmen jetzt Hilfe von der Bundesregierung. Ubenauf hat zusammen mit anderen Vorständen aus der Eventbranche einen Brandbrief an die Bundesregierung geschrieben.

Darin heißt es: „Die Lage ist sehr ernst und ein schnelles Handeln mit kurzfristig greifenden Lösungen und Soforthilfen ist notwendig.“ Der Vorstand von Satis & Fy und seine Kollegen fordern unter anderem eine sofortige Erleichterung der Beantragung beim Kurzarbeitergeld, vor allem deren Umsetzung noch im März, eine rückwirkende und zukünftige Stundung von Steuern, Beiträgen und Abgaben, die Übernahme von Bürgschaften für bestehende und neue Kredite. Dennoch sei es für viele Unternehmen unmöglich, ohne Cash-Subvention zu überleben. In Karben stellt man sich 1,6 Prozent vom letzten Jahresumsatz als monatliche Auszahlung vom Staat für betroffene Unternehmen vor und 3,2 Prozent vom letzten Jahresumsatz pro Monat für betroffene Freiberufler und Einzelunternehmer. Alternativ wären möglich: 3000 Euro pro Monat pro festangestellte Mitarbeiter und ebenso viel für die freien Mitarbeiter beziehungsweise Honorarkräfte.

Am Donnerstagabend ist ein weiterer Brief mit ähnlichem Inhalt nach Berlin abgeschickt worden. In der erfolgsverwöhnten Dögelmühle ist also Ernüchterung eingekehrt.

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