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Das Ensemble im Jahr 1934. Aufgeführt wurde das Stück „Wie die Alten sungen, so zwitschern auch die Jungen“.  

Karben

Karbener Theatertruppe feiert großes Jubiläum

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Bereits seit 100 Jahren wird in Okarben Volkstheater gespielt.

In Okarben wird leidenschaftlich Theater gespielt. Jedes Jahr bringen die Laienspielgruppen der Sport- und Kulturgemeinschaft (SKG) neue Stücke auf die Bühne. An Ideen mangelt es nicht. „Spiegel“ und „Mini-Spiegel“ nennen sich die beiden Theatergruppen. Während die Kinder erst seit 2013 aktiv sind, gibt es die Erwachsenen schon sehr viel länger. In diesem Jahr feiern sie ihr 100-jähriges Bestehen. Entstanden ist die Idee eines Volkstheaters in Okarben in den Reihen des Gesangvereins „Frohsinn“. Als Gründungstag ist der 20. Juli 1920 überliefert.

„Das finanzielle Überleben der Volksbühnen war in größeren Städten recht schwierig“, erläutert Wolf Fitzner, SKG-Chronist und Akteur der Laienspielgruppe. „Anders war es im ländlichen Raum. In dieser Tradition der Laienspielgruppen wurzelt auch unsere Theatergruppe. Hinsichtlich des Erfolgs waren die Okarbener zunächst skeptisch. Aber das Theaterspiel kam beim Publikum an.“

Für den Herbst sind Festspielwochen angekündigt. Am 17. Oktober (16 Uhr) und 18. Oktober (15 Uhr) zeigt der „Mini-Spiegel“ das Stück „Piraten in der Rumpelkammer“. An den beiden folgenden Wochenenden kommen die Erwachsenen zum Zug. „Airport Sturzflug“ heißt das neue Stück. Aufführungstermine: 23.10. (20 Uhr), 24.10. (18 Uhr), 30.10. (20 Uhr) und 31.10. (20 Uhr). Revueabende in Bunt und Schwarz-weiß runden das Jubiläumsjahr am 6. und 7. November jeweils um 20 Uhr ab.

Der 77-Jährige verschweigt nicht, dass hinter den Vereinen zur Zeit der Weimarer Republik auch viele politische Interessen steckten. Man organisierte sich einfach dort, wo die gleiche Fahne im Wind wehte. So waren die politischen Spannungen nach dem Ersten Weltkrieg auch im Vereinsleben sichtbar. Am 28. April 1920 kam es im Turnverein Okarben beispielsweise zu einer Kampfabstimmung.

Zwei Richtungen standen zur Auswahl: links oder rechts. Als die Mehrheit gegen einen Austritt aus dem völkisch-nationalen „Deutschen Turnerbund“ stimmte, verließen 22 Turner den Verein. Sie gründeten daraufhin die „Freie Turnergemeinde Okarben“, die sich in sozialistischer Richtung orientierte.

In diesen Verein seien aus politischer Überzeugung neben Sportlern auch Gesangs- und Theaterinteressierte eingetreten. „Erster Regisseur oder sogenannter „Spielführer“ war Konrad Karl Müller“, erzählt Fitzner. Auf dem Programm standen Singspiele und Volksstücke. Geprobt und gespielt wurde in der Turnhalle des Vereins oder in Gaststätten.

Eine ausführliche Chronik der Vereinsgeschichte erscheint als Festschrift zum 100-jährigen Bestehen Ende März oder Anfang April. Das erste bekannte Stück war 1924 „Pretsiosa“ unter der Leitung von Karl Konrad Müller, ein romantisches Schauspiel mit Gesang. Fünf Regisseure und eine Regisseurin wirkten oder wirken bis heute. Die Ära Müller dauerte sogar ganze 48 Jahre mit einer Unterbrechung während des Zweiten Weltkriegs. Der jetzige Regisseur Bernd Pliquett ist seit 2007 tätig.

Heute teilen sich Marie-Luise Bienstock und Andreas Czuba die Theaterleitung bei der SKG Okarben.

Theaterfreunde und ehemalige Aktive des „Spiegels“ können sich bei Interesse bei der Theatergruppe melden, Tel. 0 60 39/47 69 757, theater@skgokarben.de.

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