Ein Werbebanner an der Bahnhofstraße.  
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Ein Werbebanner an der Bahnhofstraße.  

Karben

Karben wirbt mit Bannern um Kita-Personal

  • vonHolger Pegelow
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Mit der Finanzierung ihrer Ausbildung empfiehlt sich die Stadt Karben angehenden Erzieherinnen und Erziehern.

Die Stadt Karben geht in Sachen Erzieherinnenwerbung nun in die Offensive. Sie hat eine Plakataktion gestartet und zudem angekündigt, dass sie künftig die Ausbildung zur Erzieherin vergüten möchte. Was sie im einzelnen tut, darüber informierte Bürgermeister Guido Rahn (CDU) im Stadtparlament.

Wer in diesen Tagen mit der S-Bahn fahren will und auf den Bahnhof zuläuft, dem fällt neben den üblichen Werbeplakaten für Veranstaltungen auch ein großes Banner mit Karben-Logo auf. Und wird dabei direkt angesprochen: „Unsere Kinder suchen Sie!!!“. Das Banner könnte auch denjenigen auffallen, die im Rathaus zu tun haben oder zum Einkaufen ins große Rewe-Center an der B3 bei Okarben fahren.

An diesen drei zentral gelegenen Orten hat die Stadt jetzt sichtbar im öffentlichen Raum ihre Kampagne zur Gewinnung von neuen Erzieherinnen begonnen. Man wolle die Personalsituation in den Kitas verbessern, begründet Rahn diesen Vorstoß.

Dabei ist, in absoluten Zahlen gesehen, die Situation in Karben gar nicht mal schlecht. Nach Angaben der Leiterin des Fachdienstes Kinderbetreuung, Heike Herrmann, verfüge man aktuell über 101 Erzieherinnen und Erzieher in Voll- oder Teilzeit, die insgesamt 81 Stellen innehätten.

In die Offensive getrieben

Doch nicht nur Krankheiten und Schwangerschaften sind es, die die Verantwortlichen der Stadt nunmehr in die Offensive getrieben haben. Auch der ständige Zuzug von Familien mit Kindern im Kindergartenalter und auch im U3-Alter spielen hier eine große Rolle. So ist zwar das Neubaugebiet Am Kalkofen zum Großteil bezogen, doch viele Reihenhäuser sind noch im Bau, die Bewohner also noch nicht einmal eingezogen. Ein riesiges Baugebiet mit Potenzial für Familien entsteht auch auf dem Taunusbrunnen. Dorthin werden wohl etliche alleinstehende Karbener ziehen, die dafür ihre Häuser freimachen, in die wiederum eine mehrköpfige Familie ziehen wird.

Wegen des Bevölkerungszuwachses hatte die Stadt in den vergangenen Jahren die Zahl der Kita-Plätze ständig erhöht, hatte an bestehende Kitas angebaut und zwei neue Kitas Am Breul sowie in Burg-Gräfenrode gebaut.

Doch diese Einrichtungen brauchen Personal. Aktuell hat die Stadt nach Angaben der Fachdienstleiterin vier bis fünf Vollzeitstellen zu vergeben. Außerdem rechnet man bei den Fachleuten der Stadt damit, dass sich im Rahmen des Gute-Kita-Gesetzes der Bundesregierung auch der Betreuungsschlüssel erhöhen wird. Bedeutet: eine Erzieherin hat weniger Kinder zu betreuen. Heißt im Umkehrschluss, bei konstanten oder gar steigenden Kinderzahlen werden mehr Erzieherinnen benötigt.

Mit Plakaten allein nicht getan

Allerdings ist es mit Plakaten allein nicht getan, weiß man bei der Stadt. Deshalb hat man sich entschlossen, den Auszubildenden für den Erzieherberuf künftig Geld zu zahlen. „Man stelle sich das mal vor, die jungen Leute machen eine Ausbildung und erhalten jahrelang kein Geld. Das ist ein unerträglicher Zustand“, sagte Rahn im Stadtparlament.

Das Zauberwort lautet praxisintegrierte vergütete Ausbildung. Dafür bleiben die Eingangsvoraussetzungen gleich: zwei Jahre Ausbildung in Sozialassistenz, genauso lange Ausbildung als Erzieherin und ein Anerkennungsjahr. Und neu ist ab kommendem Sommer: „In allen Jahren wird ein Gehalt nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst gezahlt.“

„Das wird uns als Stadt 60 000 bis 65 000 Euro kosten, aber das Geld nehmen wir gern in die Hand, um gute Erzieherinnen zu bekommen und ihnen auch in der Ausbildung Geld zu zahlen.“ Dabei zählt die Stadt auf eine finanzielle Förderung durch Land und Bund. Etwa durch das Gute-Kita-Gesetz. Darüber hinaus benötige man das finanzielle Engagement von Trägern, heißt es in der Mitteilung des Bürgermeisters an das Stadtparlament. Die Stadt habe über den neuen Weg schon mit zwei Schulen gesprochen.

Voraussetzung ist nämlich die Zusage eines Schulplatzes bei der Berufsschule „Am Gradierwerk“ in Bad Nauheim oder der Berta-Jourdan-Schule in Frankfurt, mit denen die Stadtverwaltung Karben als Ausbildungsstätte kooperiert. Nun sind alle gespannt, ob die jetzt aufgehängten Banner tatsächlich ihre Wirkung zeigen.

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