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Mahnendes Gedenken: Das Grauen des Zweiten Weltkriegs hat in Karben 570 Leben gefordert - mindestens. 

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Karben: Für jeden Toten ein Baum

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Ein Hain soll an die Getöteten aus der Stadt während des Zweiten Weltkriegs erinnern. Erst in sechs Jahren wird der Gedenkort fertig sein.

Unter dem schwere November-Himmel zittern die 570 hüfthohen, jungen Hainbuchen im Wind der zugigen Anhöhe. Jugendliche der Kurt-Schuhmacher-Schule halten Listen in den Händen und verlesen 570 Namen von Menschen, die einst in den sieben Dörfern lebten, die das heutige Karben bilden. Es sind die 570 Menschen, die, gleich wie, durch den Zweiten Weltkrieg umgekommen sind. Ihnen ist gestern zum 80. Jahrestag des Kriegsbeginns eine ungewöhnliche Gedenkstätte in einem festlichen Akt mit großer Anteilnahme gewidmet worden. Ungewöhnlich nicht allein, weil für jeden Toten auf einer Fläche hinter dem Klein-Karbener Waldfriedhof ein Baum gesetzt wurde. Sondern auch, dass dort Tätern und Opfern ohne Differenzierung gedacht wird.

„Zu diesem Punkt gab es in der Vorbereitungsgruppe eine intensive Diskussion“, sagt Initiator Stephan Kuger der FR auf Anfrage. „Wir haben nicht das Recht zu unterscheiden“, kommentiert Kuger das Ergebnis. Die Gruppe, die etwa mit Vertretern von Stadt und Kirche besetzt war, hielt in der heiklen Angelegenheit Rücksprache mit einem Rabbiner. Es habe keine Einwände geben. „Der Friedenswald sei keine Stätte der Ehrung, sondern des Gedenkens“, zitiert Kuger die Worte des Rabbis.

Die Idee zu diesem Mahnmal bekam Kuger, Vorstandsmitglied der evangelischen Kirche Rendel, bei der Aktion von Otto Löber, Pfarrer in Ruhestand. Er stellte im vergangenen Jahr am Nidderauer Wartbaum, 100 Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs, 210 Holzkreuze zur Erinnerung an die Kriegstoten auf. Der Ort für den Karbener Friedenswald habe sich mit der Erweiterungsfläche am Waldfriedhof gefunden, die wegen der vermehrten Urnenbestattung nicht mehr benötigt werde. „Wir wollten jedoch kein temporäres Gedenken wie in Nidderau. Bäume sind hingegen lebendiges Holz, das wächst und somit eine Zukunftdimension hat“, sagt Kuger. Auf Rat von Fachämtern fiel die Wahl auf Hainbuchen, die schlank wachsen und somit auf dem knapp 500 Quadratmeter großen Areal ausreichend Platz haben.

Mit dem Wachsen den Friedenhains sieht Bürgermeister Guido Rahn (CDU) auch Parallelen zu den Kriegsfolgen, die anfangs wie die Setzlinge klein waren und gewaltig wuchsen. Rahn fordert, die Erinnerung an Krieg stets wach zu halten. In allen Ortsteilen gebe es Denkmäler und Gedenkfeiern, an denen jedoch immer weniger Menschen teilnähmen. Deswegen könne nicht irgendwann mit dem Erinnern Schluss sein. „Wir müssen immer wieder Gedenken, Kriege sind nicht vorbei“, sagt Rahn.

Das Mahnmal sieht zum Teil improvisiert aus, und das ist nicht seiner frischen Anlage geschuldet, sondern der symbolbehaftete Vorgehensweise. Sechs Jahre, so lange dauerte der Zweite Weltkrieg, wird der Friedenshain bis zu seiner Fertigstellung brauchen, erläutert Kuger. An der Stele am Eingang weist deshalb noch eine bedruckte Plane auf den Ort hin. Auf einer schwarzen Plane stehen ebenso die 570 Namen. „Nach 80 Jahren haben sich die Recherchen schwierig gestaltet. „So bleibt die Möglichkeit, fehlende Namen noch aufzunehmen oder eine falsche Schreibweise zu korrigieren, bevor die Platte erstellt wird.“

Die Gedenkstelle auf dem Rondell im Hain ist ohne Pathos und dennoch bewegend, wenn dort Namen von 18 oder 19-Jährigen zu lesen sind und zwölf Vornamen der jüdischen Familie Grünebaum. Laut Kuger werden bis 2025 Schüler einige Einzelschicksale erforschen und aufschreiben. Er hofft hierbei wie Rahn auf Mithilfe der Karbener. Die Texte sollen an den strahlenförnig angeordneten Rasenwegen platziert werden.

Welche Tragödie sich hinter einem der Namen verbergen kann, wurde gestern am Los der Bauernfamilie Schneider aus Klein-Karben deutlich. Der Vater brachte sich 1942 um, damit der 39 Jahre alte Sohn den Hof in Erbfolge übernehmen konnte und somit nicht nach Stalingrad musste.

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