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Die Filmemacher Hartmut Polzer und Irma Mattner vor dem Kino Cinepark in Karben. Hier zeigen sie ihren Film "Flucht in eine fremde Welt" nochmals am 3. Oktober.
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Die Filmemacher Hartmut Polzer und Irma Mattner vor dem Kino Cinepark in Karben. Hier zeigen sie ihren Film "Flucht in eine fremde Welt" nochmals am 3. Oktober.

Interview

Ein ganz dicker Stolperstein

Irma Mattner und Hartmut Polzer sprechen mit FR-Redakteur Bruno Rieb über ihren vielbeachteten Zeitzeugen-Film und das große Interesse der Karbener daran. In dem Film zeigen sie das Schicksal der Jüdin Klärchen Kirschberg aus Burg-Gräfenrode.

Von Bruno Rieb

Über 200 Zuschauer sind zur Vorführung Ihres Films über Klärchen Kirschberg gekommen, eine Jüdin, die während des Nationalsozialismus aus Burg-Gräfenrode flüchten musste. Haben Sie mit solch einem Andrang gerechnet?

Mattner: Überhaupt nicht. Wir haben nur im Scherz gesagt: Kommt bloß rechtzeitig, damit ihr einen Sitzplatz bekommt.

Polzer: Wir sind davon ausgegangen, dass das Kino maximal zu zwei Dritteln besetzt sein wird. Es mussten aber mindestens 40 Leute weggeschickt werden, weil das Kino voll war. Wir bieten nun eine weitere Vorstellung am kommenden Sonntag an.

Wie erklären Sie sich den Erfolg?

Mattner: Wir haben sehr viel Werbung gemacht, haben Plakate aufgestellt. Es gab sehr viel Mundpropaganda. Viele ältere Burg-Gräfenröder können sich noch an Klärchen Kirschberg erinnern.

Haben Sie in der gesamten Stadt geworben?

Mattner: Hauptsächlich in Burg-Gräfenrode und Groß-Karben.

Sind vor allem Burg-Gräfenröder zu der Vorstellung gekommen?

Mattner: Nein, aus allen Stadtteilen und sogar aus Frankfurt.

Polzer: Uns ist es gelungen, die Bevölkerung für dieses Thema zu gewinnen. Seit wir mit der Stolperstein-Initiative 2007 angefangen haben, haben wir nicht nur Stolperstein-Verlegungen, sondern auch Ausstellungen und Vorträge organisiert.

Haben Sie schon einmal solch einen Andrang erlebt?

Polzer: Nein. Aber zu den Stolperstein-Verlegungen kommen um die 100 Leute.

Spricht das dafür, mehr auf solche Veranstaltungen zu setzen?

Polzer: Die Stolpersteine wirken dauerhafter. Wir bieten aber auch weiter andere Veranstaltungen an. Im kommenden Jahr wollen wir Klärchen Kirschberg einladen.

Mattner: Wir beschränken uns im Übrigen nicht darauf, das Schicksal der jüdischen Opfer in Karben zu erforschen.

Polzer: Wir haben bislang aber nur wenige andere Verfolgte des Nazi-Regimes gefunden, zum Beispiel Heinrich Agel, ein KPD-Mitglied aus Okarben, der nach vier Wochen Haft im KZ Osthofen gebrochen zurückkam.

Sie nehmen keinen Eintritt für die Vorstellungen im Kino, Sie verschenken die DVD mit dem Film an ausgewählte Personen. Wie finanzieren Sie das alles?

Mattner: Das finanzieren wir alles selbst. Auch den Flug zu Klärchen Kirschberg in die USA, die Plakate. Wir sind eine private Initiative, kein Verein.

Polzer: Das Geld für die Stolperstein-Patenschaften sammeln wir direkt nach der Verlegung ein und überweisen es dem Künstler Gunter Demnig.

Warum tun Sie das?

Polzer: Weil wir der Überzeugung sind, dass man aus der Geschichte lernen muss, um zu verhindern, dass so etwas wieder passiert.

In Karben scheint es ein günstiges Umfeld für solche Initiativen zu geben. Rechtsextremistische Aktivitäten sind dagegen nicht festzustellen.

Mattner: Es wird hier viel für die Prävention und Integration getan. Hier leben 86 Nationen.

Polzer: Wir arbeiten auch im Gesprächskreis Prävention der Stadt Karben mit.

Interview: Bruno Rieb

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