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Als Filmset dient dem Open Mind Ensemble der Rewe-Parkplatz in Karben. rolf oeser

Karben

Filmdreh in Karben: Geiselnahme im Supermarkt

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
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Die Stadt bildet Schauplatz für ein gesellschaftskritisches Kinoprojekt

Nicht Aktion zu irgendwelchen Sonderangeboten hieß es am Sonntag im Rewe-Supermarkt an der Lusienthalerstraße, sondern „Action“. Eine Geiselnahme hielt Sicherheitskräfte und Stadt in Atem - allerdings war alles nur ein Filmdreh. Die vermeintlich dramatische Szene gehört zu einem Kinoprojekt mit dem Namen „Run“. Auch wenn es wie ein Stück zu einem „Tatort“ aussah, ist es kein Krimi. In dem Streifen geht es um Ausgrenzung, Mobbing und die Schwierigkeit der sexuellen Orientierung. Die beiden Theaterpädagogen Janine Karthaus und Oli Becker führen die Regie bei dem Kurzfilm, der Mitte kommenden März Premiere feiern soll.

„Der Film soll zum Nachdenken und Diskutieren anregen“, sagt Becker. Denn den Protagonisten wird keine eindeutige Täter-Opfer-Rolle zugeschrieben. Vorurteile und Benachteiligung entstehen oft, weil beide Seiten Ängste haben, so Becker. Der Film werde daher am Ende nicht mit einer Lösung aufwarten, höchstens mit Ansätzen dazu. „Es ist wichtig, dass die Seiten miteinanderer darüber reden“, nennt der Karbener als einen Ausweg aus dem Dilemma. Die Geiselnahme im Supermarkt stellt hierbei die Zuspitzung der Ereignisse dar, in denen der junge Leon und seine Freundin Lisa im Mittelpunkt stehen. Leon leidet unter der Unfähigkeit, über seine sexuelle Orientierung zu reden und sie zu leben. Mehr solle über den Plot nicht verraten werden, bittet Becker.

der film

In „Run“ spielen mit 28 Laiendarsteller des Open Mind Ensembles und 50 Komparsen. Projektträger ist der Verein Karbener Literaturforum. Die Produktionkosten betragen 35 000 Euro, gefördert vom Wetteraukreis aus dem Programm „Demokratie leben!“, der Kulturförderung Stadt Karben, von Bundesfamilienministerium und Mainova. sun

Der Karbener hat bereits zwei Theaterstücke zu gesellschaftlichen Problemen gemacht, doch das Medium Theater ist ihm bei „Run“ zu flüchtig, zu örtlich begrenzt. Das Abfilmen einer Aufführung sei keine Lösung, weil nur wenig publikumsgerecht. Mit einem Film lasse sich hingegen ein Thema wirkungsvoller darstellen und mehr und nachhaltiger Aufmerksamkeit erzeugen, sagt Becker. Aufführungsorte könnten etwa Spartenkinos, Festivals und besonders Schulen sein. Die Filmlänge wird 45 Minuten betragen. Vielleicht auch ein paar Minuten mehr, wenn das knappe Budget es zulasse, so Becker. Denn nicht nur die neun Drehtage kosten Geld, auch die Postproduktion etwa mit Schnitt, Ton und die Filmmusik.

Die Rollen in „Run“ werden mit Mitgliedern des Open Mind Ensembles besetzt. „Es sind alles Laiendarsteller von 16 bis 76 Jahren, die aber unter professionellen Bedingungen arbeiten“, sagt Becker. So trage etwa ein Produktionsassistent dazu bei, dass sogenannte Anschlussfehler von Szene zu Szene nicht entstehen. Das von Becker gegründete Ensemble besteht seit zwei Jahren und hat sich gesellschaftlichen Themen verschrieben. „Die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut“, sagt Becker. Allerdings habe die Corona-Pandemie hier ebenfalls ihre Wirkung gezeigt. Proben fielen weitgehend aus, es gab stattdessen vermehrt Drehbuchlesungen. „Ein Ensemble besteht letztlich auch darin, dass es regelmäßige Treffen gibt“, bemerkt Becker. Die erschwerten Verhältnisse sollen dem Film dennoch nicht anzusehen sein.

Neben Rewe wurde an mehreren „Locations“ in der Stadt gedreht, im Hallenbad oder Skulpturenpark. „Die Stadt hat uns den roten Teppich gerollt“, sagt Becker über die Kooperation. Bei der Geiselnahme waren Stadtpolizei sowie Feuerwehr zugegen und für den realen Ernstfall dennoch einsatzbereit. Karbener Restaurants und der Supermarkt übernahmen das Catering kostenlos, sonst wäre die Produktion unbezahlbar geworden, betont Becker. Und Bürgermeister Guido Rahn (CDU) übernimmt auch eine Rolle, die des Bürgermeisters natürlich.

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