Karben

Ermittlung gegen Pfarrer eingestellt

Kein Nachweis für den Missbrauch eines Jugendlichen

Gegen den langjährigen Pfarrer der katholischen Pfarrgruppe Karben wird keine Anklage wegen sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen erhoben. Das haben die Staatsanwaltschaft Frankfurt und der Bad Vilbeler Anwalt des Pfarrers bestätigt.

Der Schock kam für viele in der 4700 Mitglieder zählenden Gesamtgemeinde im Pfingstgottesdienst. Da wurde ein Brief des Bistums Mainz verlesen, in dem es hieß, der Pfarrer sei „von allen dienstlichen Verpflichtungen freigestellt“. Es stünden Vorwürfe im Raum, die durch die Behörden überprüft würden. „Den Leitlinien für den Umgang mit sexuellem Missbrauch im Bereich der Bischofskonferenz entsprechend bleibt der Pfarrer bis zur Klärung dieser … Vorwürfe vorläufig beurlaubt.“ Der Name wird zu Beginn dieser offiziellen Mitteilung zweimal erwähnt. Die Zuhörer zeigten sich schockiert.

Als die Nachricht aus dem Bistum veröffentlicht wurde, war der 64-jährige Pfarrer schon nicht mehr in der Gemeinde, wo er auch gewohnt hatte.

Am Donnerstagabend, also gut ein halbes Jahr nach der Beurlaubung des Geistlichen, teilte sein Anwalt nun mit, die Staatsanwaltschaft Frankfurt habe das Ermittlungsverfahren gegen den Karbener Pfarrer wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs eines jugendlichen Gemeindemitglieds eingestellt. Laut Sprecherin Nadja Niesen wurden die Ermittlungen mit Verfügung vom 21. November mangels eines hinreichenden Tatverdachts eingestellt. „Nach Abschluss der Ermittlungen konnte dem Beschuldigten weder ein sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen noch sexueller Missbrauch unter Ausnutzung eines Behandlungsverhältnisses oder sexueller Missbrauch von Jugendlichen mit der für eine Anklageerhebung erforderlichen Sicherheit nachgewiesen werden.“

Laut Anwalt Thorsten Hein ist der Pfarrer erleichtert über die Verfahrenseinstellung. Er wird folgendermaßen zitiert: „Das war eine sehr belastende Zeit für mich. Vor allem, als ich wegen dieser Vorwürfe meine Gemeinde verlassen musste und mich aufgrund der laufenden Ermittlungen nicht äußern durfte.“

Pfarrer bleibt beurlaubt

Der Bad Vilbeler Anwalt weist auf die Folgen für seinen Mandanten hin. Aufgrund der Vorwürfe bleibe „ein Makel am Leumund des Geistlichen“. Das sei umso ärgerlicher, „weil man ihm beim besten Willen kein strafbares Verhalten vorwerfen kann. Selbst dann nicht, wenn man alles, was das vermeintliche Opfer in der Vernehmung behauptet hat, als wahr unterstellen würde.“ Da seine Stelle inzwischen anderweitig besetzt sei, sei eine berufliche Neuorientierung nötig. Ob dies in der Kirche sein wird, steht allerdings in den Sternen. Denn der Sprecher des Bistums Mainz, Alexander Matschak, teilt auf Anfrage mit, das Bistum nehme das Ende der staatsanwaltlichen Untersuchungen zur Kenntnis. Man werde jetzt „zunächst das kirchenrechtliche Verfahren fortführen“. Bis zum Abschluss dieses Verfahrens bleibt der Pfarrer beurlaubt.

Von Holger Pegelow

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare