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Nicola Piesch in der Vinothek "Die Scheune" in Rendel.
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Nicola Piesch in der Vinothek "Die Scheune" in Rendel.

Kunst aus Karben

Daheim in allen Künsten

  • Petra Zeichner
    VonPetra Zeichner
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Die Karbener Lehrerin Nicola Piesch hat einen Jugendroman geschrieben. Die Schüler waren ihre ersten Kritiker. Doch Schreiben ist nicht ihre einzige Leidenschaft. Den Beweis gibt es derzeit in der Vinothek "Die Scheune".

Sie isst Feigen im Speckmantel. Dazu ein Glas Weißwein. Riesling, den trinkt sie besonders gerne. Nicola Piesch sitzt in der Vinothek „Die Scheune“ in Rendel, wo es um halb acht abends schummrig ist. Umso mehr leuchten ihre Bilder, die sie dort zurzeit ausstellt. Sofort fällt auf: Die Farbe Blau dominiert. „Ich liebe das Meer“, sagt sie. Mit Acrylfarben auf Leinwand hat sie die meisten gemalt, dazwischen ein paar Bleistiftzeichnungen. Konkrete Konturen sucht die Betrachterin vergebens. „Das ist mir zu langweilig, realistisch zu malen.“ Es gefalle ihr, mit den Formen zu experimentieren. Das sei die Freude am Spiel.

Freude hat die Frau mit den blauen Augen auch am Schreiben. Gerade ist von ihr „Graf Müllratte“ erschienen. Ein Jugendroman über einen schwarzen Jungen mit blonden Haaren, der als Waise in eine Familie kommt. Weder der Sohn der Familie noch die Mitschüler machen es ihm leicht. Er wird gemobbt, geschlagen, ausgelacht. Seine Peiniger nennen ihn „Graf Müllratte“, weil er sich zwischen den Mülltonnen vor ihnen versteckt. Doch am Ende wird alles gut.

Lesung vor den Schülern

Mit Jugendlichen hat die 49-Jährige viele Erfahrungen gemacht. Im Hauptberuf ist sie Lehrerin für Deutsch und Musik an der Kurt-Schumacher-Schule in Karben. Ihrer sechsten Klasse stellte sie das Buch vor, Kapitel für Kapitel, als es noch im Werden war. Den Schülern habe es gefallen, sagt sie. Sie hätten sich bloß gewundert, dass ihnen einige Situationen bekannt vorgekommen seien.

Musik gehört nicht mehr zu ihren Unterrichtsfächern, seit Piesch am Studienseminar Oberursel Referendare für das Gymnasium ausbildet. Und doch ist sie der Tonkunst verbunden geblieben. Zusammen mit vier anderen Musikern spiele sie in einer „Schrabbelband“ alte Rocksongs. Der pure Spaß am gemeinsamen Musizieren habe sie zusammengeführt. „Es ist nicht wichtig, dass es perfekt ist.“ Fünf Instrumente spiele sie: Querflöte, Klavier, Schlagzeug, Saxophon und Ukulele. „Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre, ich bin mir auch zu schade für einen allein.“

Was Marlene Dietrich einst mit rauchiger Stimme melancholisch sang, gefällt auch Piesch. „Gewitzte Schlager aus den 30er bis 50er Jahren mit frivolen Texten“ – das ist ihre Sache. Und so griff sie auch selbst zur Ukulele und sang den Dietrich-Song bei ihrer Buchvorstellung Ende Juli in der Karbener Buchhandlung Edenfeld.

Kunst am Ende des Tages

Bleibt bei all dem, was sie neben ihrem Hauptberuf macht, noch Zeit zum Ausruhen? „Ich hatte mal vor Jahren einen schlimmen Tinnitus“, gesteht die Multikünstlerin. Seitdem achte sie auf Ruhephasen. Ihren großen Fernseher habe sie verschenkt und den kleinen nutze sie so gut wie nie. Andere Menschen schauten abends fern, sie widme sich am Ende des Tages der Kunst.

Piesch wohnt in Nieder-Erlenbach, alleine. Sie ist Single. Von ihrem bisher letzten Freund habe sie sich getrennt, sagt sie. Jetzt freue sie sich „über den Duft der Freiheit“. Und den will die Frau, die sich selbst als „Genießerin“ bezeichnet, auskosten.

Aber nicht nur Wein, Malen und Musik haben es ihr angetan. Auch Gespräche mit guten Freunden zählt sie zu einem genussvollen Leben. „Man merkt, was wichtig ist: alles nicht Materielle“, sagt sie.

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