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Im Neubau sind 14 Klassenräume, Büros und Veranstaltungssäle geplant.

Ausbildung

Berufsbildungswerk baut aus

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Schüler- und Beschäftigtenzahl im Berufsbildungswerk in Karben steigen. Das Land trägt die Hälfte der Kosten des 18 Millionen Euro teuren Neubaus.

Das Berufsbildungswerk (BBW) Südhessen wächst und wächst. Weil ein Teil der Aktivitäten ausgelagert ist, will das BBW auf dem eigenen Gelände einen Neubau errichten.

Geschäftsführer Torsten Denker blättert in einem dicken Wälzer. Fast ein Buch sind die Pläne für einen Erweiterungsbau geworden. Vor gut zwei Jahren haben die Verantwortlichen den Auftrag erteilt, eine detaillierte Planung für einen weiteren Bau vorzulegen. Und das hatte seinen Grund. Denn sowohl mit dem hessischen Sozialministerium als auch mit dem Kultusministerium ist die BBW-Geschäftsführung seit Jahren im Gespräch bezüglich einer Erweiterung. „Wir sind in den letzten Jahren von 200 auf 300 Mitarbeiter gewachsen. Die Schülerzahl stieg von ungefähr 500 beziehungsweise 550 auf nunmehr über 700.“ Man nutze einige Räume doppelt, sowohl als Schule als auch zur Ausbildung.

„Wir sind mittlerweile an drei Standorten aktiv“, betont Denker. Neben der Außenstelle Steinmühle in Bad Homburg sind das auch eine Halle im Karbener Gewerbegebiet und mehrere Container auf dem Gelände der Ausbildungsstätte. „Eine ganzheitliche Förderung, wie sie unser Ziel ist, funktioniert nur mit Schwierigkeiten“, sagt Denker. Die Abläufe seien im Alltag nicht optimal.

Bereits vor vier Jahren habe man mit den beiden Landesministerien Kontakt aufgenommen und ihnen die Probleme geschildert. Offenbar sei man auch dort dann zu der Auffassung gelangt, dass nur ein Neubau als Erweiterung des BBW die Lösung sein könne. „Die Ministerien wollten aber belastbare Daten haben“, erinnert sich Denker. Deshalb habe man ein Architekturbüro mit der detaillierten Planung beauftragt. Offenbar sind diese Daten und Argumente bei den Ministerien auf fruchtbaren Boden gefallen. Das Land Hessen hat eine Mitfinanzierung zugesagt. Sozial- und Integrationsminister Kai Klose kam Anfang Dezember selber nach Karben, um den Förderbescheid über neun Millionen Euro zu übergeben. „Das ist ein gedeckelter Betrag“, informiert Geschäftsführer Denker. Denn werde das neue Schul- und Ausbildungsgebäude teurer, „müssen wir die Mehrkosten alleine tragen“. Das BBW habe Rücklagen bilden können, das Geld sei vorhanden. Rund 18 Millionen Euro sind für den Gesamtkomplex veranschlagt.

Errichtet werden soll der Neubau auf dem Gelände nahe der neuen Halle und ganz in der Nähe der Kreisstraße nach Petterweil. „Dort haben wir ja schon einen Parkplatz angelegt.“

Vorgabe aus Wiesbaden sei gewesen, in der Raumplanung sehr flexibel zu sein. „Wir sollten auch berücksichtigen, wie die Räume genutzt werden könnten, wenn die Schülerzahlen einmal zurückgehen sollten.“ Vor allem, ob dann eine Vermietung möglich wäre.

Knapp 4300 Quadratmeter werde die Netto-Nutzfläche des u-förmigen Neubaus betragen. Die Pläne sehen vor, die leichte Hanglage des Geländes zu nutzen – für ein Untergeschoss auf einer Seite des Baus. Dieses werde sechs Räume plus Nebenräume und Technik beinhalten, in die Räume werde Tageslicht hineinkommen.

Das Obergeschoss soll für die Staatliche Berufsschule reserviert sein: 14 Klassenräume wird die Schule dort erhalten. Im Erdgeschoss werde es drei Bereiche geben: Ein Teil für die Ausbildung, ein Teil für Büros und ein Teil für Veranstaltungen, als Pausenraum oder für eine Mehrfachnutzung. Den Verantwortlichen schwebt etwa vor, dort die IT-Kompetenz für alle Fachbereiche anzusiedeln. Die Büros sollen nach einem neuartigen Raumkonzept erstellt werden mit flexiblen Arbeitsplätzen und digitaler Raumbuchung für Besprechungen. In dem neuen Trakt denkt man aber auch an Ruhezonen für Mitarbeiter und Auszubildende.

Unbestimmt ist noch, wann genau Baubeginn sein wird. Zunächst müsse das Projekt angesichts des Millionenumfangs europaweit ausgeschrieben werden. Auch die Architektenleistungen müssten neu vergeben werden. „Voraussichtlich werden wir das ganze Jahr 2020 für Planung und Vergabe benötigen, sodass der Spatenstich wohl 2021 erfolgen wird“, rechnet der Geschäftsführer. Die Bauzeit werde voraussichtlich zwei Jahre betragen.

Ausbildung

Jugendlichemit Lernbehinderung, einer psychischen Erkrankung, sozialer Benachteiligung, aber auch junge Menschen aus dem sogenannten autistischen Spektrum sowie junge Geflüchtete erhalten im Berufsbildungswerk (BBW) Südhessen an der B3 in Karben eine Ausbildung.

Die Ausbildungsstättebietet neben Berufsorientierung, -vorbereitung und Ausbildung in mehr als 30 Berufen auch betreutes Wohnen sowie Jugendhilfe-Leistungen.

Das BBW begleitetnach eigenen Angaben die ausgebildeten Fachkräfte erfolgreich in den Arbeitsmarkt. „Über 70 Prozent unserer jungen Leute, die bei uns die Prüfung bestanden haben, werden in Arbeit vermittelt“, sagt der Geschäftsführer. pe

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