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Alfred Pika hat einen Treffpunkt für Flipper-Freunde geschaffen.
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Alfred Pika hat einen Treffpunkt für Flipper-Freunde geschaffen.

Der Kampf mit der flinken Kugel

Echzell Alfred Pika alias Pinball Freddy hat sich sein Flipper-Paradies geschaffen / 150 Automaten

Von Bruno Rieb

Ist das ein Flimmern und Blinken, Klacken und Brummen in dem einstigen Supermarkt in Echzell. Alfred Pika hat hier einen Traum verwirklicht. Er hat sich sein eigenes Flipper-Paradies geschaffen. 150 der Automaten mit den flitzenden Stahlkugeln stehen dicht an dicht.

Der 51 Jahre alte Friedberger ist seit Jugend an ein Freund des schnellen Spiels. In einer Kneipe in Bad Nauheim machte er Geld an einem Automaten, den er geschickt beherrschte. Wenn dort Leute spielten, sei er hingegangen und habe darum gebeten, ihm ein Spiel zu leihen. Mit dem geliehenen Spiel habe er den Freispielezähler in die Höhe getrieben und die Freispiele dann verkauft. „So bin ich immer zu einer Cola und einer Frikadelle gekommen“, erzählt Pika.

In den 70er Jahren hat er bei einem Automatenaufsteller in der Werkstatt gearbeitet. So lernte er das Innenleben der Maschinen kennen, die eine rasante technische Entwicklung erlebten: elektronische Geräte ersetzten die mechanischen, später kam noch Videotechnik dazu.

Die Rockgruppe The Who hat dem Spiel mit „Tommy“, der ersten Rockoper der Musikgeschichte, ein Denkmal gesetzt: Tommy, von Geburt an blind, stumm und taub, entdeckt sein unheimliches Talent am Flipperautomaten und wird umjubelter Weltmeister („Pinball Wizard“).

Alfred Pika alias Pinball Freddy ist weder blind noch stumm oder taub, und er ist allenfalls auf dem Weg, Pinball-Weltmeister zu werden. Doch Pika hat den Grundstein dafür gelegt, dass in Echzell künftig Weltmeisterschaften ausgetragen werden können. Seine Sammlung gehört zu den größten in Deutschland, und einen Raum wie sein Flipper-Paradies findet man nirgendwo.

Seit Sommer 2010 hat er mit Freunden einen einstigen Supermarkt umgebaut. Als Verkaufshalle ist der Raum nicht mehr zu erkennen, der Saal hat die Atmosphäre eines Western-Saloons. Er ist laut Pikas Frau Ulrike den Motiven von Flipper-Automaten nachempfunden. Nach drei, vier Stunden haben die Automaten den Raum so aufgeizt, dass Pika mit der Klimaanlage kühlen muss. An einem Tag verbraucht er hier so viel Strom wie eine Familie in einem Monat.

Am kommenden Wochenende wird in „Freddy’s Pinball Paradise“ das erste (nicht öffentliche) Turnier ausgetragen. In zwei Jahren soll die Halle Schauplatz einer Weltmeisterschaft sein.

Pika, der sein Geld inzwischen durch den Handel mit Ersatzteilen für US-Autos verdient, hatte die Automaten zunächst still vor sich hin gesammelt und geglaubt, einer einsamen Leidenschaft zu frönen. Dann stieß er auf das Flipper-Forum „Flippermarkt.de“ im Internet, bei dem über 8000 Mitglieder registriert sind. Zu dem Turnier am kommenden Wochenende in Echzell kommen an zwei Tagen je gut 90 Spieler, nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus der Schweiz und Österreich. Flippern sei kein Glücks-, sondern ein Geschicklichkeitsspiel, sagt Pika. Es komme darauf an, sich gezielt zum nächsten Level hochzuspielen. Er selbst spielt in der Rhein-Man-Liga. 28 Ligen gibt es deutschlandweit. Diese richten alljährlich eine Deutsche Meisterschaft aus.

Für einen funktionierenden Flipper muss man laut Pika zwischen 5000 und 10000 Euro hinlegen, defekte seien schon für etwa 100 Euro zu haben. Zu Pikas ältesten Geräten gehört der „El Toro“ von 1962. Sein Lieblingsflipper ist der „Fireball“, mit „dreifach Multiball“. Das außergewöhnlichste Gerät seiner Sammlung ist der „Herkules“, ein Riesen-Flipper im Zwei-Meter-Format, bei dem mit einer Billardkugel gespielt wird. Die Blaue Mauritius der Sammler ist laut Pika der „Medieval Madness“, ein Gerät des Herstellers Williams, von dem nur wenige Exemplare angefertigt wurden.

Ihre Hoch-Zeit hatten die Flipper in den 80er Jahren. Damals kamen laut Pika monatlich drei bis vier neue Geräte auf den Markt. So viele seien es es heute allenfalls noch im Jahr.

Weil es nur selten Räume mit so vielen Flippern gibt wie in Freddy’s Pinball Paradise, bringen Spieler zu den Turnieren oft ihre eigenen Geräte mit, so wie die Springreiter ihre Pferde. Es dürfe aber nur „auf fremden Pferden geritten werden“, sagt Pika. Es wird ausgelost, wer an welchem Gerät gegen wen spielt.

Kontakt mit Alfred Pika kann man unter der E-Mail-Adresse alfred@pika.de aufnehmen.

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