Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Die Führung „Jüdisches Leben in Bad Vilbel“.
+
Die Führung „Jüdisches Leben in Bad Vilbel“.

Bad Vilbel

Kampf um die ehemalige Synagoge

  • Detlef Sundermann
    VonDetlef Sundermann
    schließen

Nach dem Tod des Vorsitzenden führt seine Tochter Vered Zur-Panzer die Jüdische Gemeinde. Sie möchte das Haus zurückkaufen, in dem einst die Synagoge war.

Nach dem Tod von Rafael Zur vor mehr als einem Jahr soll es um die Jüdische Gemeinde nicht still werden. Zur hatte die Gemeinde 1983 gegründet und war bis zu seinem Tod ihr Vorsitzender. Tochter Vered Zur-Panzer hat mittlerweile den Vorsitz übernommen. Zu ihren Zielen zählt sie eine Kooperation mit christlichen Gemeinden, und dass das einst jüdische Leben in der Stadt nicht in Vergessenheit gerät. Eine Möglichkeit hierzu sieht Zur-Panzer darin, dass Gebäude zurückzukaufen, in dem einst die Synagoge untergebracht war.

In Gegensatz zu anderen Synagogen steckten die Nazis im November 1938 das Haus in der Frankfurter Straße nicht in Brand. Es wurden Räume verwüstet und Ritual-Gegenstände auf die Straße geworfen. Das Gebäude war, vermutlich aus weiser Voraussicht, bereits an eine Privatperson verkauft. Zum anderen hätte ein Feuer schnell auf benachbarte Häuser überspringen können.

Das Haus soll laut Zur-Panzer der Jüdischen Gemeinde wieder einen Ort und eine Gedenkstätte geben. „Schon vor vielen Jahren hatte sich mein Vater mit dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt, Michel Friedmann, dafür eingesetzt“, berichtet sie.

Die vor wenigen Jahren geplante „Gedenkstube“ im Eckhaus Judengasse/Frankfurter Straße ist nicht nur wegen des fehlenden barrierefreien Zugangs vom Tisch. Die Stadt hat dort Asylbewerber einquartiert. „Die Gedenkstube wäre ohnehin nur eine Zwischenlösung bis zum Rückerhalt der früheren Synagoge“, sagt Zur-Panzer. Ein Gebetshaus werde es dort nicht mehr geben. „Bei einem Gottesdienst müssen mindestens zehn traditionell-orthodoxe Männer anwesend sein.“ Die fänden sich aber in der Stadt nicht. In Bad Vilbel sollen rund 80 Juden leben, rund 30 davon seien Mitglied der Jüdischen Gemeinde. „Die meisten Bad Vilbeler Juden fahren nach Frankfurt oder Bad Homburg in die Synagoge.“

Einen Rückkauf könnte die Gemeinde nicht stemmen. Die Lösung sieht Zur-Panzer in der Gründung eines Synagogenvereins nach dem Vorbild von Bensheim. Dort waren es nicht Juden, sondern engagierten Christen, die einen Förderverein auf die Beine gestellt haben, um das dortige Gebäude zu erwerben und es einer öffentlichen Nutzung zugänglich zu machen.

Monatlicher Stammtisch nur für Juden

In Bad Vilbel könnte der Geschichteverein die Räume samt der mutmaßlich noch bestehenden Mikwe gestalten, sagt Zur-Panzer. Kulturamtsleiter Claus-Günther Kunzmann erhebt keine Einwände. „Schon vor 20 Jahren hat die Stadt versucht, unter Übernahme von einem Drittel der Kosten das Gebäude zu kaufen“, bekräftigt er auf Nachfrage. Aber auch heute bestehe nicht der Hauch einer Chance, das Haus zu erhalten.

Das Engagement der Stadt schätzt Zur-Panzer eher als verhalten ein. Das Gedenken an die schrecklichen Ereignisse am Abend des 10. Novembers 1938 nehme Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU) als gemeinsame Veranstaltung von Christen und Juden sehr ernst. Allerdings habe die Stadt es bislang nicht geschafft, zumindest eine Erinnerungstafel in die Fassade der alten Synagoge oder im Gehweg davor einzulassen. Der Besitzer wünsche es nicht, heiße es.

Dort, wo es keine nachbarschaftlichen Einwände gegen eine Gedenktafel gebe, in der Judengasse, tue sich die Stadt offenbar ebenfalls schwer. „Vor knapp vier Jahren haben die Stadtverordneten diese Tafel beschlossen und sie hängt bis heute dort nicht.“ Nach dem Tod des Vater seien sie und ihre Mutter Hanna sogar mit dem Anliegen an Stöhr herangetreten, dass die Familie die Tafel bezahle, in Gedenken an Rafael Zur.

Laut Kulturamtsleiter Claus-Günther Kunzmann soll die Tafel nun kommen. Anfang 2017 soll den Stadtverordneten die Textfassung vorgelegt werden. Die Verzögerung erklärt er mit der ungewissen Nutzung des Eckhauses in der Judengasse.

Als Vorsitzende will Zur-Panzer die Jüdische Gemeinde selbst mehr aktivieren. Hierzu gibt es nun einen monatlichen Stammtisch nur für Juden, bei dem über das jüdische Leben heute und ebenso über Projekte mit christlichen Gemeinden gesprochen wird. Vorstellbar wäre laut Zur-Panzer eine Einladung zum Pessach als gemeinsames Abendmahl. „Die Christen müssten ja nicht den ganzen Tag das trockene Matzenbrot essen wie wir“, sagt die Vorsitzende mit einem Schmunzeln.

Kontakt zur Jüdischen Gemeinde Bad Vilbel über die Telefonnummer 0179/553 4953.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare